03 Dez, 2018

Abenteuer Panamericana: Die Story hinter der großen Reise

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03 Dez, 2018

Es ist das Jahr 2013. Gerade habe ich meine erste Backpackingreise hinter mir- eine Reise durch Spanien und Portugal, bei der ich das erste Mal so richtig meiner inneren Stimme gefolgt bin und mich hinausgewagt habe in die Welt. Unterwegs lernte ich wahnsinnig tolle Menschen kennen und ließ mir viele Geschichten erzählen, von Reisen anderer, die schon in der ganzen Welt unterwegs gewesen waren. Ein Kontinent, zu dem ich mich stark hingezogen fühlte bei diesen Erzählungen, war speziell Südamerika. Ich liebte die spanische Sprache, die verschiedenen Kulturen, die Musik, die Geschichte und es waren vor allem die Menschen, die ich von dort kennenlernte, die mich faszinierten. Ohnehin schon vom Reisen angefixt, wurde mir klar, dass Südamerika eines meiner nächsten Reiseziele werden würde.


Anfang 2014 sollte dann schon meine nächste Backpackingreise auf dem Plan stehen- ich wollte allein mit meinem Rucksack Südamerika bereisen. Auch wenn mein Verstand diese Reise unbedingt machen wollte, verriet mir meine innere Stimme jedoch, dass ich noch nicht soweit war, eine solche Reise auf mich zu nehmen. Ich wusste intuitiv, dass ich noch nicht genügend Reiseerfahrung gesammelt hatte und ich mich selbst nicht bereit fühlte. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich hier auf meine Intuition gehört habe und stattdessen Europa weiter entdeckt habe. Ich entschied wenige Wochen vor meiner Reise, dass ich stattdessen nach Griechenland, Albanien, Montenegro, Kroatien, Italien und nochmals nach Spanien und Portugal reisen würde- eine sehr wichtige Erfahrung für mich, wie sich im Nachhinein herausstellte.

 

Der Traum der Panamericana

Wenige Jahre zuvor hatte sich außerdem ein weiterer Traum ausgebildet: Mir eines Tages einen VW-Bus zu kaufen, diesen auszubauen und die Welt damit zu bereisen. Als ich dann im Zuge meiner Recherche für die damals geplante Südamerikareise auf die Panamericana stieß, die etwa 50.000 km lange Route von Feuerland, dem „Ende der Welt“ im Süden Südamerikas, bis nach Alaska, nahm mein Traum leuchtend, bunte Farbe an, denn für mich stand fest, dass ich eines Tages mit dem eigenen Van die Panamericana bereisen würde… Wann und vor allem wie, stand für mich nie fest, aber dass es mal so kommen würde, war mir einfach irgendwie klar.

 

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Schon früh kam der Traum auf, Südamerika und dann die Panamericana zu bereisen.

Nachdem ich im Sommer 2016 das große Glück hatte, Florian zu begegnen und wir direkt im Anschluss an die Reise nach Slowenien, auf der wir uns näher kennenlernen durften, zusammenkamen, kristallisierte sich nach und nach heraus, dass wir ähnliche Reiseträume hatten und es auch Flos großer Wunsch war, sich mal einen Van zu kaufen und mit diesem die Welt zu bereisen. Die Panamericana stand dabei auch bei ihm ganz weit oben.

Dieses Jahr sollte es dann soweit sein. Wir kauften uns einen Volkswagen T5 und zogen nur wenige Wochen später mit unserem neuen Gefährt, liebevoll mit dem Namen „Roxy“ getauft, los gen Osten und bereisten Polen, Tschechien und die Slowakei. Wir verbrachten knapp 3 wunderschöne Wochen im Osten Europas und verliebten uns in diese für uns recht neue Art zu reisen. Den Großteil unserer Tage genossen wir unter freiem Himmel, bereiteten auf unserem kleinen Gaskocher leckere Mahlzeiten zu, schliefen so fest wie nie zuvor in unserem Van und zogen, je nachdem, wonach uns gerade war, weiter oder blieben an Orten, an denen es uns besonders gut gefiel. Wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Deutschland wurde uns klar, dass diese Reise irgend etwas mit uns gemacht hatte. Wir hatten gekostet, wie das Leben sein kann, wenn der Tagesablauf nicht ständig durch eine Uhr diktiert wird und man in jedem Moment tun und lassen kann, wozu man gerade wirklich Lust hat. Wieder im Alltag angelangt, schmerzte die Art zu leben, so wie bisher, umso mehr. Wir sprachen beide aus, was uns auf der Seele lag: Wir brauchten beide eine Veränderung. Wir wollten sehen, wohin der Weg führen würde, wenn wir unserem Herzen folgten.

In Kürze war beschlossen, dass Flo seinen Job kündigen wollte und auch ich den Großteil meiner Freelance-Aufträge niederlegen würde, um wirklich Zeit zu schaffen. Unterwegs würden wir weniger Geld brauchen, als es in Deutschland der Fall war und Flo hatte gespart, während ich wenige Jobs behalten und von unterwegs weiter ausführen würde. Unser ursprünglicher Plan war es dann, den Van so auszubauen, wie wir es uns vorstellten und dann einfach gen Süden loszuziehen, in den Balkan und, wenn möglich, bis nach Ägypten- wir würden sehen, wo es uns hinzog. Anfang Oktober sollte es losgehen. Eines Tages, knapp 2 Monate vor der geplanten Reise allerdings, erinnerte mich Flo plötzlich an die Idee, die wir zuvor schon mehrfach bequatscht hatten und fragte mich: „Warum bereisen wir eigentlich nicht die Panamericana, wie wir geträumt haben?” Als mir kein guter Grund einfiel, es nicht zu tun, beschlossen wir, auch hier auf unser Bauchgefühl zu hören und genau das zu tun: Mit unserem Van die Panamericana zu bereisen.

 

Die Panamericana: Von Feuerland bis Alaska

Die Panamericana (oder „Pan-American Highway“ im Englischen) verbindet das Feuerland, das ganz im Süden Argentiniens und Chile an der südlichsten Spitze von Südamerika liegt, mit dem nördlichsten Punkt Nordamerikas in Alaska- ganze 50.000km durch Wüste, Berge, Regenwald und Städte, an Gletschern vorbei und durch nahezu alle Klimazonen. Abgesehen von der 90km-langen Strecke zwischen Yaviza in Panama und dem Norden Kolumbiens, dem sogenannten „Darién Gap“, dessen wilder Urwald die Panamericana unterbricht, ist die gesamte Route befahrbar. Nimmt man die klassische Route, passiert man dabei ganze 14 Länder: Argentinien, Chile, Peru, Ecuador, Kolumbien, Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala, Mexiko, die USA und Kanada.

 

Auch, wenn wir die Idee theoretisch noch eine kurze Zeit lang sacken ließen und zunächst noch ein wenig recherchierten, wie wir das Ganze denn anstellen würden, war die Entscheidung ab dem Moment, in dem Flo den Vorschlag gemacht hatte, im Prinzip schon gefällt. Wir holten uns alle Infos ein, die wir brauchten: Wir wir den Van verschiffen würden, was wir zu beachten hatten, zu welchen Jahreszeiten wir in welchen Regionen sein sollten und so weiter. Neben unseren Jobs, die wir noch zu Ende brachten, bauten wir den Van aus, planten unsere Reise, klärten alles, was in Deutschland noch zu klären war (glücklicherweise hatten wir beide keine festen Wohnung oder viel Besitztümer, die wir hätten verkaufen müssen) und fanden nebenher noch Zeit für Freunde und Familie. Wir wussten zwar nicht, wie lang unsere Reise effektiv gehen würde, doch es war klar, dass wir noch möglichst viel Zeit für die Liebsten hergeben wollten. Den Flug nach Buenos Aires, der am 1. November gehen sollte, buchten wir etwa anderthalb Monate vor Abreise und den frisch ausgebauten Van brachten wir Ende Oktober zum Hafen nach Hamburg, um diesen nach Montevideo in Uruguay verschiffen zu lassen.

Eine Reise, die manch anderer vielleicht 1-2 Jahre im Voraus plant, stand ganz plötzlich, nach einer Planung von nur etwa 2 Monaten vor der Tür.

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Mein Vision-Board mit Bildern des ausgebauten Vans und der Panamericana: Damals nur ein Traum, der nun Realität geworden ist.

 

Vor der großen Reise: Ein Chaos der Gefühle

Die Zeit vor der großen Reise war also, wie man sich sicher vorstellen kann, der reine Wahnsinn. Neben all den Vorbereitungen, stand auch noch die Buchlesungstour meines Buches „Das Leben passiert für dich: Mit Mukoviszidose und Rucksack um die Welt“ auf dem Plan und der eine oder andere Job als Speakerin, bei dem ich über das Thema „Leben mit Mukoviszidose“ bzw. das “Reisen mit CF” auf verschiedenen Tagungen sprechen durfte (einen meiner Talks zum Thema könnt ihr euch hier anschauen). Auch eine kurze, familienbedingte Reise in die USA fiel in diesen Zeitraum. Alles in allem, verflog die Zeit wie im Nu und die Gefühle über die bevorstehende Reise hatten kaum Raum und Zeit, sich zu zeigen und zu entfalten. Alle Gefühle, sowohl die Vorfreude, als auch die Ängste, brachen erst am Tag der Abreise über mich herein. Und zwar mit voller Wucht. Wahnsinnige Ängste vor all den Dingen, die auf und während dieser Reise passieren konnten, nahmen mich völlig unkontrolliert ein und versiegten erst, als wir am Köln-Bonner Flughafen standen und uns unser Flieger nach Barcelona vor der Nase wegflog…

 

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Kurz vor Abflug am Flughafen in Köln-Bonn- oder eher die letzten Momente, bevor wir unseren Flieger nach Barcelona verpasst haben.

Ein holpriger Start

Wir waren absolut rechtzeitig am Flughafen gewesen, um das Flugzeug nach Barcelona zu bekommen. Dort hatten wir einen Aufenthalt von 2 Nächten geplant, bevor wir dann den Flug nach Buenos Aires antreten würden, worüber wir im Nachhinein natürlich heilfroh waren. Weil der Flughafen bei unserer Ankunft am Abend unseres Abfluges fast menschenleer war und wir nur mit Handgepäck reisten (während unser restliches Zeug mit im Van verschifft wurde), waren wir davon ausgegangen, dass der Security Check im Nu vonstatten gehen würde und besorgten uns im Supermarkt des Flughafens zwei San Miguel, um darauf anzustoßen, dass es nun tatsächlich losging. Dennoch hatten wir uns wohl ziemlich verschätzt… Als wir uns etwa eine Stunde vor Abflug zum Security Check begaben, stellten wir fest, dass nur ein Schalter geöffnet war und nach etwa einer Viertelstunde war klar, dass hier ziemlich entspannte Mitarbeiter am Werk waren. Als wir 20 Minuten vor Abflug am Gate angesprintet kamen, teilte man uns mit, dass die Türen bereits geschlossen waren und wir den Flieger nicht mehr betreten könnten. Das erste Mal, an dem ich jemals einen Flug verpasst hatte und das zu Beginn der größten Reise unseres Lebens. Einige Minuten lang saßen wir fassungslos vor dem Gate und wussten nicht, was wir tun oder denken sollten.

Als wir uns wieder aufgerafft hatten und unseren Weg zurück durch den Security Check machten, wachten wir langsam aus unserer Starre auf und überlegten, was wir nun tun sollten. An diesem Abend gab es keine Flüge mehr nach Barcelona, doch online erfuhren wir, dass am nächsten Nachmittag ein Flug mit Ryanair vom Düsseldorf Weeze Flughafen gehen würde. Wir buchten diesen und waren heilfroh, dass wir noch mit einem blauen Auge davongekommen waren. Auf dem Weg zurück nach Düsseldorf konnten wir schon über das, was passiert war, lachen und erkannten sogar, was diese Erfahrung mit sich gebracht hatte: Wir hatten die erste tolle Begegnung unserer Reise mit einem Mitarbeiter am Köln Bonner Flughafen, der völlig begeistert war von unseren Reiseplänen, wir konnten die Gelegenheit nochmal nutzen, um uns mental etwas mehr auf die Reise vorzubereiten und vor allem hat dieser holprige Start uns wachgerüttelt und uns gezeigt, dass selbst, wenn man auf die Schnauze fiel und etwas blödes passierte, es in Wirklichkeit nie so schlimm ist, wie man vorher befürchtet und die Angst vor diesen Ereignissen viel schlimmer ist, als das Ereignis selbst.

 

Unsere Anfänge in Südamerika und Wünsche für die Reise

Seit dem 1. November sind wir nun in Südamerika und die Erfahrungen, die wir bisher sammeln durften, waren es alles schon wert. Unsere ersten Tage in Buenos Aires, die beiden Wochen Sprachschule in Montevideo und die 2 Wochen, die wir jetzt schon bei unserem ersten Workaway Projekt im Südosten von Uruguay, gehören schon zu den Erlebnissen, die wir unser eigen nennen dürfen. In dieser Woche kommt unser Van an, den wir im Hafen von Montevideo abholen werden und mit dem wir dann auf die große Reise losziehen. Schon jetzt durften wir wieder dieses Gefühl erleben, nach unserer eigenen, inneren Uhr leben zu können und einfach nur jeden Moment auszukosten und zu genießen- ob wir dabei hier im Austausch für Kost und Logis beim Bau von Eco-Häusern aushelfen, ein Buch lesen, ich am Laptop arbeite oder schreibe oder den Garten unserer Gastfamilie gieße und mir Wissen aneigne über die Flora des Landes- es ist jeden Moment wert, hier zu sein.

 

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An einem unseren ersten Tage in Südamerika in den Straßen von Buenos Aires.

 

Was sonst noch die Intention unserer Reise ist? In erster Linie, in die Kulturen einzutauchen, nicht nur auf der Durchreise sein und die Schönheiten der Regionen begutachten, sondern in Kontakt treten mit den Menschen, die hier leben, uns mit der Natur verbinden, vor Ort helfen im Rahmen spannender Projekte und zurückgeben an die Länder, die wir bereisen und unsere Zeit hier nutzen, um vor allem die innere Reise weiter fortzuführen. Zu lernen, über uns selbst und die Welt, und gegebenenfalls alternative Arten und Weisen zu leben entdecken, gesellschaftliche Normen und Grundsätze, die wir unser Leben lang schon kennen, zu hinterfragen und somit eine Art zu leben entdecken, die zu uns als Individuen, aber auch als Paar, passen, um all das in Zukunft in unser Leben integrieren zu können. Wo die Reise hinführen wird und was für neue Chancen dabei entstehen, das wird sich zeigen.

 

Derzeit arbeiten wir an einem neuen Kanal, auf dem wir gemeinsam über unsere Reise berichten werden. Folge mir gern auf Facebook und Instagram um zu erfahren, wann es losgeht…

 

 

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