26 Feb, 2018

Achtsamkeit im Alltag: Raum schaffen

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26 Feb, 2018

Ganz bestimmt kennst du das. Morgens klingelt der Wecker, aka. das Handy. Wir greifen zum Smartphone, schalten den „Schlummer“-Modus ein. Ein, zwei, drei oder vier Mal schieben wir den Schlummerregler, bis wir uns langsam dazu zwingen können, die Augen einen Spalt breit zu öffnen- meist nur so weit, um das Display des Handies begutachten zu können. Über Nacht haben wir 15 neue Nachrichten bei WhatsApp erhalten. Schon irgendwie seltsam- schlafen die Leute eigentlich nicht? Außerdem haben wir Benachrichtigungen bei Facebook, Instagram und die eine oder andere Nachricht beim Facebook Messenger. Durch die Emails, die wir nach dem Abchecken aller Social News und sonstigen Dingen, die gerade so in der Welt passieren, überflogen haben, breitet sich schon ein Gefühl der Nervosität und Überforderung am frühen Morgen in uns aus. Innerhalb der ersten „wachen“ Minuten unseres Tages haben wir uns schon in einen reaktiven Modus katapultiert. Wir haben eigentlich keine Ahnung, wie es uns selbst oder unserem Körper heute geht. Wir lassen unsere Welt direkt um jeden anderen Menschen da draußen drehen- und lassen uns selbst dabei komplett außen vor. Heute möchte ich gern einige kleine, aber effektive Methoden und Denkansätze mit dir teilen, die mir geholfen haben, ein wenig Raum für mich zu schaffen und etwas mehr Achtsamkeit in meinen Alltag zu integrieren.

Vom Morgen mal ganz abgesehen, dreht sich ein Großteil unseres Tages um unser Smartphone und um das, was es verkörpert: Nämlich unsere Anbindung an die „Außenwelt“. Mit der Zeit habe ich begonnen, mein eigenes Konsumverhalten in Bezug auf mein Handy zu beobachten: Wie oft greife ich zum Handy, teilweise völlig unbewusst, einfach nur, um mal drauf zu schauen? Wie oft sehe ich mein Handy auf dem Tisch aufblinken und kann es dann nicht unterlassen, das, was ich gerade tue, zu unterbrechen und nach dem Smartphone zu greifen? Wie oft kommt es vor, dass ich auf die Uhrzeit schauen möchte, mich aber dann in den Tiefen meines Handies verliere und beim Weglegen des Handies plötzlich realisiere, dass ich immer noch nicht weiß, wieviel Uhr es ist? Diese und viele andere Verhaltensmuster konnte ich bei bewusstem Beobachten meines (Sucht-)Verhaltens erkennen und ich bin mir sicher, dass es den meisten von uns so geht.

 

Doch wie sind wir überhaupt an diesem Punkt angelangt? Was „suchen“ wir in diesem scheinbar magisch anziehenden Mobilgerät?

Vor allem während meiner Zeit beim Vipassana-Meditationsretreat in Kolumbien vor einigen Wochen sind mir bezüglich meiner Süchte viele Dinge aufgefallen und ich habe hierzu auch eine ganze Menge gelernt und lerne auch immer noch konstant dazu. Nicht nur ist mir beim Retreat klar geworden, dass wir ohne all diese Dinge im Außen tatsächlich auskommen (wie zum Beispiel dem Smartphone, dem Laptop, Netflix, dem ungesunden Essen, Fleisch, usw.), sondern dass wir so tatsächlich auch ein viel besseres Gefühl für das bekommen, was in uns und um uns herum passiert- genau hier, in der realen Welt. 10 Tage Schweigen und Meditieren, ganz ohne all diese Dinge, nach denen wir oft im Alltag lechzen, haben mir gezeigt, dass es oft das Gefühl der inneren Leere und Bodenlosigkeit in uns ist, das uns dazu treibt, all diese Dinge, die uns Glücksgefühle zu bereiten scheinen, im Außen zu suchen. Um dem Moment im Hier und Jetzt und der Person, die wir jetzt gerade sind, mit all unseren Emotionen, Gedanken und Eigenschaften, die wir besitzen, zu entfliehen. Wie allzu oft im Leben, suchen wir Halt und Glück in allem- nur nicht in uns selbst.

 

Sich selbst beobachten

Beobachte dich am besten selbst mal ganz genau, wenn du das nächste Mal beispielsweise auf Facebook durch deinen Feed scrollst. Was für Gefühle kommen auf, wenn du neue Likes bekommst hast? Was empfindest du, wenn der Nachbar mal wieder scheinbar einen wahnsinnig geilen Urlaub auf Sri Lanka verbringt? Was für Gefühle machen sich in dir breit, wenn du hörst, was für schreckliche Ereignisse sich in der Welt abspielen? Gerade in sozialen Medien suchen wir nicht nur Bestätigung, sondern nutzen diese Dinge, die “da draußen” passieren, gern als Vorwand, um unseren inneren Frust nach außen zu katapultieren und den Auslöser für unseren Frust in ihnen zu ergründen. Und wie gern messen wir uns an unseren Facebook-„Freunden“, vergleichen uns mit ihnen und ihrem Leben und wägen ab, ob wir nun „besser“ stehen als sie oder nicht? All diese Dinge laufen meist völlig unbewusst ab und wir bekommen noch nicht mal mit, in was für ein Hamsterrad wir uns dabei begeben.

Mein erster Tipp also: Mache dir bewusst, was da in dir vorgeht, wenn du das Handy in die Hand nimmst und beispielsweise auf Facebook unterwegs bist. Schaue dir an, was für Gefühle dabei auftauchen und mache dir ganz klar, warum du gerade auf Facebook oder sonstigen sozialen Medien bist. Ist dir langweilig? Suchst du gerade nach Bestätigung? Willst du einfach nur abschalten und dich mit Informationen füttern lassen? Oder bist du beispielsweise gerade dort, um einer Freundin zu schreiben oder suchst nach einem Event in deiner Nähe? Das Nutzen von sozialen Medien muss durchaus nicht nur negativ sein, wichtig ist einfach nur, sein eigenes Verhalten mal unter die Lupe zu nehmen und zu verstehen, was dabei in einem vorgeht.

Ein weiterer Tipp zum Thema Facebook: Wenn du Facebook nur für bestimmte Anlässe nutzen willst, aber vermeiden möchtest, dass du vom Feed abgelenkt wirst, kannst du dir das sogenannte „Facebook Feed Eradicator“ Add-On installieren- so bleibt dein Feed konstant leer. Da es so einige Menschen gibt, deren Inhalte ich gerne verfolge und ich auch den meisten meiner engen Freunde folgen möchte, habe ich irgendwann einfach begonnen, ganz konsequent die Posts der Leute auszuschalten, die mich nicht mit wertvollen Informationen versorgen und deren Inhalte mich einfach nicht interessieren oder mich gar nerven (wenn ich diese Leute dann nicht sogar aus meiner Freundesliste lösche). So kann ich selbst bestimmen, was ich auf Facebook sehe und was nicht. Auch bei den Benachrichtigungseinstellungen von Gruppen und Seiten, die du likest, kannst du bestimmen, was du im Feed angezeigt bekommen möchtest. So räumst du deinen Feed ganz bewusst auf.

 

Raum schaffen, nur für dich

Gerade durch diesen Druck, ständig erreichbar zu sein und speziell durch Menschen, die uns ein schlechtes Gewissen machen möchten, wenn wir nicht sofort antworten, entsteht in uns eine ständige „Alarmbereitschaft“, die eine innere Unruhe in uns schafft und unsere Gefühlswelt völlig aus der Balance bringt. Gerade am Morgen, wenn wir die Ruhe eigentlich bräuchten, um wach zu werden und uns selbst ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, wird uns dieser Raum, in dem wir dies eigentlich tun könnten, durch diesen sofortigen Druck, auf unsere Umwelt zu reagieren, direkt genommen. Dies beeinflusst ganz stark unsere Kreativität und Produktivität, da wir direkt in diesen reaktiven Modus switchen und uns somit unsere „schöpferische“ und kreative Kraft nehmen lassen.

 

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Sich selbst den Raum schaffen, den man braucht, um sich zu entfalten.

 

Meine Tipps, wie du mehr Raum schaffen kannst: 

Flugmodus: Mittlerweile schalte ich mein Handy über Nacht in den Flugmodus, denn wie oft wachen wir nachts auf, schauen „nur mal kurz“ auf’s Handy und sind direkt wieder „hooked“, woraufhin wir oft nur noch sehr schwer wieder einschlafen können. Den Flugmodus lasse ich mittlerweile die ersten anderthalb Stunden am Morgen an, während ich ganz gemütlich meine Morgenroutine mache (Yoga und Meditation sind mittlerweile fester Bestandteil meines morgendlichen Selbstliebe-Rituals. Du kannst natürlich damit beginnen, das Handy z.B. nur die ersten 10 Minuten deines Tages im Flugmodus zu lassen und für dich auszuprobieren, wie dir diese Zeit, nur für dich, bekommt.)

Danach habe ich den Kopf frei für alle Nachrichten und Benachrichtigungen. Emails checke ich erst nach dem Frühstück und meiner morgendlichen Inhalation, wenn ich mich zum Arbeiten an meinen Laptop setze. Falls du die Sorge hast, dass über Nacht ein Notfall sein könnte, bei dem du erreichbar sein möchtest (was aber natürlich in den allerwenigsten Fällen wirklich passiert), kannst du dir z.B. einen Wecker kaufen, damit du dein Handy zumindest nicht als Wecker nutzen musst und dein erster Griff somit nicht mehr zum Smartphone ist.

Push-Benachrichtigungen ausschalten: Mittlerweile stelle ich die automatischen Push-Benachrichtigungen von Facebook, Instagram und meinen Emails auf dem Handy aus. So fällt es mir wesentlich leichter, nicht bei jeder Benachrichtigung von dem, was ich gerade tue, abgelenkt und in die „Social-Media Welt“ hinein gesogen zu werden. Emails checke ich meist eh am Laptop, außer ich bin gerade unterwegs. Erwarte ich aber eine wichtige Mail, kann ich natürlich jederzeit auch mein Smartphone nutzen, um meinem Email-Eingang zu checken.

Vibration und Ton ausschalten: Ja, das mag für den ein oder anderen etwas extrem wirken, aber gerade, wenn ich am Arbeiten bin oder mit Freunden oder Familie zusammensitze, habe ich einfach keine Lust darauf, dass das Handy ständig Laute von sich gibt. Ich bin leider ein Mensch, der sich recht leicht ablenken lässt, demnach ist diese Lösung die einzige für mich. Erwarte ich zum Beispiel einen bestimmten Anruf, schalte ich die Vibration ein- in allen anderen Fällen kann ich zurückrufen, sobald ich das nächste Mal auf das Handy schaue.

Detox-Day: Seit meinem Meditationsretreat habe ich oft das Bedürfnis, Zeit und Raum für mich zu haben, was im regulären Alltag gar nicht so einfach ist. Daher probiere ich nun etwas neues für mich aus, nämlich einen Tag in der Woche ganz für mich zu nehmen, bzw. für meine Freunde und Familie (-der „realen“ Welt eben) und mein Handy dabei entweder ganz ausgeschaltet oder auf Flugmodus zu lassen, um weiterhin z.B. Musik hören zu können. Hier probiere ich allerdings erstmal noch aus, wie sich dieser Detox Day umsetzen lässt und berichte dann gern demnächst von meinen Erfahrungen.

 

Wir sind Menschen, keine Roboter!

So viele Vorteile uns die digitale Welt bietet- wie der Vernetzung auf weite Distanzen, eine ganz neue Arbeitswelt, Meinungsfreiheit, der Möglichkeit zur Informationsbeschaffung, unabhängig von Einkommensverhältnissen oder sozialer Herkunft, der Möglichkeit, sich zusammenzuschließen, vor allem um etwas in dieser Welt zu bewegen- so gehen natürlich auch einige Schwierigkeiten mit ihr einher. Mal ganz abgesehen von vielen, offensichtlicheren Nachteilen, ist ein großes Problem, dass wir in unserer heutigen Zeit immer und überall erreichbar sind und somit die Illusion entstanden ist, dass wir allzeit verfügbar sind. Leider geht dabei unsere menschliche Seite total unter, denn es ist nun mal so, dass jeder von uns seinen Freiraum und seine freie Zeit braucht, nicht nur um runterzukommen vom Arbeitsalltag, sondern vor allem, um einfach Mensch sein zu können. Seinen Interessen nachzugehen, sich, seiner Seele und seinem Körper etwas gutes zu tun und einfach mit sich selbst sein zu können.

 

Sich den Raum nehmen- ein Akt der Selbstliebe

Wir müssen uns diesen Raum also bewusst nehmen, sowie das Recht, außerhalb der Arbeit kein Arbeitnehmer, Freelancer oder sonstiges zu sein, denn wir sind keine Roboter, die ständig einsatzbereit und verfügbar sein müssen. Auch müssen wir nach außen hin klare Grenzen setzen und auch Bekannten, Freunden und Familie klar machen, dass wir nicht überall und zu jeder Zeit erreichbar sein oder innerhalb weniger Minuten auf Nachrichten reagieren müssen. Auch, wenn wir dabei auf Unverständnis stoßen können- unsere wahren Freunde und diejenigen, die uns lieben und akzeptieren, wie wir sind, werden Verständnis haben. Wenn du also das Gefühl hast, dass du mehr Raum schaffen musst in deinem Leben, dann schaffe ihn dir, denn dir selbst mehr Zeit und Raum zu verschaffen, bedeutet auch, dich selbst lieben zu lernen und dir selbst das zu geben, was du braucht.

 

Wie schaffst du Raum für dich selbst? Erkennst du dich in diesen Verhaltensmustern wieder oder wie geht es dir beim Umgang mit deinem Smartphone?

 

Buchtipp

Ein Hörbuch, das ich aktuell zum Thema “Süchte” und woher unser Drang nach schneller Befriedigung bestimmter Bedürfnisse stammt, höre, ist “Getting Unstuck” von der einzigartigen Pema Chödrön. Sie ist eine der Menschen, die den Buddhismus in den Westen gebracht hat und haut den Hörer nicht nur mit ihrer unendlichen Weisheit um, sondern verzaubert auch mit ihrer lustigen und offenen Art. Das Hörbuch kannst du dir hier bei Audible herunterladen und anhören.*

 

 

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