22 Mai, 2017

Achtsamkeit und Mukoviszidose: Den Autopiloten ausschalten

22 Mai, 2017

Vor Allem beim Leben mit Mukoviszidose kommt es sehr häufig vor, dass wir hinsichtlich unserer Gesundheit sehr leicht in den „Autopilot“-Modus verfallen. Im Autopiloten zu sein, bedeutet vor allem, nicht ganz präsent im Moment zu sein, nicht bewusst wahrzunehmen, was um einen herum oder in einem selbst passiert. Man kann sich dies wie beim Autofahren vorstellen: Wenn wir unseren Führerschein machen und die ersten Male Auto fahren, nehmen wir alles, was auf der Straße passiert, ganz bewusst wahr. Je länger wir jedoch Autofahren, desto weniger nehmen wir alles um uns herum wahr- die Dinge, die wir beim Autofahren tun, passieren mit der Zeit ganz automatisch.

Genau so ist es im Leben und vor Allem beim Leben mit einer chronischen Erkrankung, denn gerade wegen der vielen Therapiemaßnahmen, die wir, in den meisten Fällen, schon von klein auf praktizieren, kommt es dazu, dass wir diese vielleicht nicht immer ganz so bewusst durchführen, wie es vielleicht nötig wäre. Auch dadurch, dass wir einfach so sehr an die Erkrankung gewöhnt sind, verfallen wir oft in eine „Ich hab’ das schon alles im Griff“-Mentalität und überdenken somit selten, was wir tun und wie wir mit unserem Körper und unserer Gesundheit umgehen. So war es zumindest bei mir und ich ertappe mich auch immer mal wieder dabei, wie ich in diese Mentalität hineinrutsche.

Vor einiger Zeit saß ich vormittags auf meinem Bett und bereitete mich darauf vor, meine Inhalation zu machen, während ich darüber nachdachte, was ich während der Inhalation tun könnte. Oft habe ich währenddessen E-Mails gecheckt oder habe eine Serie geschaut- und auch wenn das okay sein mag, dachte ich mir plötzlich: „Wann habe ich eigentlich das letzte Mal wirklich ganz bewusst inhaliert?“ Dies war meine Anregung zum Schreiben dieses Blogposts. Heute möchte ich gern einige Gedanken zum Thema „Achtsamkeit und Mukoviszidose“ mit dir teilen, denn mir hat diese Lebensweise, die ich innerhalb des letzten Jahres nach und nach vermehrt lebe, unglaublich geholfen.

Ein kleiner Disclaimer: Ich möchte dir lediglich mit diesem Blogpost einige Denkanstöße geben. Es gibt meiner Meinung nach nicht die „eine“ Art und Weise, Dinge zu tun und natürlich hat jeder seine eigene Art, mit der Erkrankung umzugehen und sein Leben zu führen. Ich bin außerdem kein Arzt und spreche allein aus meiner Erfahrung der letzten Jahre. Also, das gesagt, legen wir los 🙂

 

Achtsamkeit und Mukoviszidose: Den Autopiloten ausschalten

 

Auf unseren Körper hören

In erster Linie können wir durch Achtsamkeit mehr auf unseren eigenen Körper hören, was allgemein schon sehr wichtig ist zu lernen, wie ich finde, ganz besonders aber mit einer Erkrankung wie Mukoviszidose. Wenn wir lernen, auf unseren Körper zu hören, können wir unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und auch unser Selbstvertrauen um ein Vielfaches verbessern. Beispielsweise lernen wir, emotionalen oder körperlichen Stress viel früher zu erkennen und können diesen frühzeitig eindämmen. Wir lernen, bewusster und mit Liebe Sport zu machen, den Sport zu finden, der unserem Körper gut tut und uns Spaß macht, anstatt nur Sport zu machen, weil wir „müssen“, was den Sport automatisch effektiver werden lässt.

Vor Allem in Bezug auf unsere Ernährung, lohnt es sich, den Autopiloten auszuschalten und uns bewusst damit auseinanderzusetzen, was wir zu uns nehmen und ob uns diese Nahrungsmittel gut tun oder nicht. Mit Mukoviszidose bekommt man von klein auf eingetrichtert, dass man sich möglichst fettreich ernähren und auch in großen Mengen essen soll. Wenn dies auch stimmen mag, besonders in der Kindheit und Jugend, ist dies definitiv nicht das Einzige, worauf man bei seiner Ernährung achten sollte. Für mich habe ich zum Beispiel herausgefunden, dass es mir wesentlich besser geht, wenn ich weniger esse und dafür umso mehr wertvolle Nahrung, viel Gemüse und möglichst wenig verarbeitetes Essen zu mir nehme. Fettig esse ich schon seit Jahren bewusst nicht mehr, da ich auch so sehr gut zunehme 😉

Auch bei der eigentlichen Behandlung von Mukoviszidose wird, meiner Meinung nach, oft sehr einseitig gedacht, da man gern alle möglichen Symptome einfach auf die Grunderkrankung schiebt. Dabei liegen die Ursachen häufig ganz wo anders. Durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise auf unsere Gesundheit erkennen wir oft Dinge, die sonst möglicherweise untergegangen wären, hätte man sich nicht bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt und wäre blind weiter der bisherigen Behandlungsweise gefolgt. Durch das gründliche Durchchecken bei einem Internisten, stellte sich bei mir zum Beispiel nach 26 Jahren heraus, dass ich eine schwere, genetische Laktoseintoleranz habe- die Bauchschmerzen, die ich über Jahre immer wieder hatte, waren bis dato immer nur mit „der Grunderkrankung“ begründet worden. Es lohnt sich also immer, in sich hineinzuhorchen, zu erkennen, wo der Körper nach Aufmerksamkeit schreit und zu probieren, auch mal alternative Lösungswege anzupeilen.

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Achtsam mit unserem eigenen Körper umgehen: Es ist vor allem wichtig, uns selbst immer wieder die nötige Ruhe zu gewähren, die unser Körper dringend braucht.

 

Auf unser Herz hören

Auf unser Herz zu hören, ist gerade beim Leben mit einer chronischen Erkrankung, ebenfalls extrem wichtig. Denn wenn unser emotionales Wohlbefinden nicht gewährleistet ist, wird auch unsere Gesundheit nicht nachhaltig gut sein. Du kennst das mit Sicherheit: Gerade in emotionalen Tiefphasen hat man am allerwenigsten Lust auf die ganzen Therapien und auf den Sport. Wenn wir nicht mit uns selbst im Reinen sind und unser Inneres nicht „stimmt“, können wir im Außen tun, was wir wollen- unser Leben, und auch unsere ganze Gesundheit, wird sich einfach nicht verbessern.

Meiner Erfahrung nach, ist es vor Allem auch so wichtig, sich mit der eigenen Psyche zu beschäftigen, weil gerade mit einer Erkrankung wie Mukoviszidose, uns so einige Ängste und Sorgen einnehmen können. Besonders in unserem Unterbewusstsein nisten sich dann gern diese Ängste oder Glaubenssätze ein, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise dann in unserem Leben zeigen. Indem wir diese aber erkennen, bewusst wahrnehmen und achten, können wir vermeiden, unser Leben von solchen Ängsten bestimmen zu lassen. Hier kannst du mehr über das Thema „Ängste und Sorgen beim Leben mit Mukoviszidose“ lesen.

 

Auf unsere Intuition hören

Ja, auch unsere Intuition hat uns immer mal wieder etwas mitzuteilen. Hier ist es wichtig, dass wir unserer Intuition auch die nötige Aufmerksamkeit schenken, denn dieses Gefühl, was wir haben, das sich häufig in unserer Magenregion zu Wort meldet, gibt oft Auskunft über bestimmte Situationen, die unser Verstand vielleicht ganz anders bewertet. Und sehr, sehr oft hat unsere Intuition einfach recht, weil diese eher die langfristig guten, aber vielleicht schwierigeren Entscheidungen fällt, statt der einfacheren, „jetzt-orientierten“ Entscheidungen unseres Verstandes. Wenn unsere Intuition uns beispielsweise sagt, dass ein bestimmtes Medikament, das man uns verordnet, vielleicht nicht das richtiger uns ist oder dass eine bestimmte Behandlungsweise oder Therapie nicht die passende ist- ist diese intuitive Entscheidung auch meist die richtige!

Über viele, viele Jahre sagte man mir, dass ich darauf umsteigen sollte, alle 3 Monate eine intravenöse Antibiotikakur zu machen, statt nur alle 6 Monate. Und auch wenn dies vielleicht für viele das Richtige ist, wusste ich, dass es das für mich nicht war. Meine Lungenfunktion wurde kaum noch verbessert durch diese Kuren und ich fühlte mich jedes Mal während dieser Kuren einfach nur unglaublich schlecht. Wer diese regelmäßig macht, weiß mit Sicherheit, was ich meine. Zum jetzigen Zeitpunkt ist meine letzte Antibiotikakur etwa 10 Monate her und mir geht es besser denn je. Dadurch, dass ich meine Ernährung umgestellt habe, ich mich auf emotionaler Ebene sehr gut fühle, ich Sport treibe, der mir Spaß macht, viel reise und mir viel Ruhe gönne, geht es meiner Lunge und Gesundheit im Ganzen super. Dies kann allerdings natürlich nur funktionieren, wenn man mit Hilfe von Achtsamkeit seinen Körper gut kennt und auch beurteilen kann, wann eine solche Kur nötig ist- denn natürlich werde ich nicht mein Leben lang auf diese verzichten können, das ist klar.

Ich hoffe, dass ich das Thema „Achtsamkeit und Mukoviszidose“ recht klar rüberbringen konnte und dass auch du etwas aus diesem Artikel für dich mitnehmen konntest 🙂 Ich freue mich wie immer über Feedback von dir und bin gespannt, was du über das Thema denkst 🙂

 

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