17 Apr, 2017

“Alles Gewohnheitssache”: Die Kraft der Morgenroutine

morgenroutine-routinen-alltag-meditation
17 Apr, 2017

Der Begriff „Morgenroutine“ mag im ersten Moment abschrecken. Ich weiß zumindest, dass das bei mir so war, meine Morgen hatten bis dahin nämlich mit „Routine“ definitiv wenig zu tun. Zu Schul- und Ausbildungszeiten waren meine Morgen immer ein wuseliges, hektisches Etwas. Ich musste meinen Morgen am Vorabend immer ganz genau planen- sodass ich gerade so alles schaffte, was nötig war, aber solang schlafen konnte, wie es nur ging. Somit konnte mein Morgen immer mal wieder anders aussehen, je nachdem wie lange ich schlafen wollte. Ich startete jedenfalls immer gestresst in meinen Tag und konnte auch im Laufe des Tages umso schwerer herunterkommen.

Spätestens als ich mich selbstständig machte, musste ich allerdings lernen, mir meine ganz eigenen, festen Routinen anzueignen, denn niemand sagte mir mehr, wann ich wo zu sein hatte oder was ich tun sollte. Nachdem ich die Morgenroutine für mich entdeckt hatte, änderte sich alles. Auch wenn ich bis heute kein Mensch bin, der schon am frühen Morgen total sozial ist und vor Energie sprüht, sitze ich schon zwischen 7 und 8 Uhr morgens am Schreibtisch und erledige meine ersten Aufgaben- ein Szenario, das ich mir vorher niemals hätte vorstellen können. Routinen im Alltag zu haben, ist nicht nur als Selbstständige von großer Wichtigkeit, sondern auch als Person, mit chronischer Erkrankung, wie mir, die regelmäßig und mehrmals täglich verschiedene Therapiemaßnahmen, Inhalationen und Sport machen muss. Aber auch Festangestellten, Mamas und Papas kann ich eine Morgenroutine nur ans Herz legen.

Also, was hat diese Morgenroutine nun auf sich?

 

“Alles Gewohnheitssache”: Die Kraft der Morgenroutine

 

Wie eine Morgenroutine aussehen kann:

Eine Morgenroutine kann selbstverständlich ganz individuell gestaltet werden. Bis du eine Routine etabliert hast, die zu dir passt und die sich gut anfühlt, braucht es sowieso ein wenig Zeit und du wirst auch ein wenig herum probieren. Hier ist also einmal meine Morgenroutine als Beispiel:

 

Ich stehe meist gegen 7 Uhr auf und mache als Allererstes mein Bett. Auch wenn es verrückt klingen mag: Du gibst dir hiermit das erste Erfolgserlebnis des Tages, wenn du direkt deine erste, wenn auch sehr kleine, Aufgabe erledigt hast.

Dann meditiere ich jeden Morgen. Ob es nun 5 oder 20 Minuten sind- beim Meditieren ist die regelmäßige Wiederholung sehr wichtig, denn nur so stellen sich die positiven Effekte mit der Zeit ein. Was die Meditationstechnik angeht, habe ich schon einige, verschiedene Dinge ausprobiert und für den Anfang würde ich dir empfehlen, entweder mit geleiteten Meditationen (zum Beispiel aus dem Podcast „Happy, Holy & Confident“ von Laura Seiler) zu starten oder mit einer App, beispielsweise „Headspace“ oder „Calm“. Du kannst mit nur 2 Minuten anfangen, indem du dich einfach mal hinsetzt und nur auf deinen Atem achtest, danach kannst du dich langsam hocharbeiten. Mittlerweile meditiere ich umgeleitet, dabei konzentriere ich mich hauptsächlich auf meine Atmung oder nutze unter Anderem auch mal ein Mantra. Es gibt viele verschiedene Arten zu meditieren und auch hier braucht es Zeit, um das zu finden, das für einen selbst passt. Auch wenn es eine Weile dauert, bis man die ersten Effekte vernehmen kann- heute kann ich Meditation nicht mehr aus meinem Leben wegdenken. Hier findest du einen tollen Artikel, solltest du dich weiter in das Thema einarbeiten wollen.

Als Nächstes schreibe ich in mein 5-Minuten-Tagebuch. Das gibt es entweder fertig zu kaufen oder du schreibst in ein eigenes Notizbüchlein, in dem du dir folgende Fragen notierst und diese täglich für dich beantwortest:
– Was ist meine Intention für den Tag? (Wie möchte ich heute durch den Tag gehen? Was möchte ich ausstrahlen? Was ist mir heute wichtig?)
– Was ist meine heutige Affirmation? (Je nachdem, was deine Intention für den Tag ist, kannst du eine Affirmation ableiten.)
– Wofür bin ich dankbar? (Hier am Besten, vor Allem zu Beginn, immer 3 Dinge aufzählen. Die eigene Dankbarkeit auszudrücken ist ein wahnsinnig starkes Tool!)
– Was würde meinen heutigen Tag wundervoll machen? (je 3 Dinge aufzählen) oder auch: Welche 3 Dinge werde ich heute tun, um mein Ziel zu erreichen? (Hierzu solltest du vorher ein Ziel für dich definieren oder dir vor Augen führen, wo du im Leben hin möchtest.)
– Am Abend vor dem Schlafengehen setze ich mich dann nochmal hin und schreibe auf, welche 3 tollen Dinge an dem Tag passiert sind, um die Ereignisse des Tages nochmal Revue passieren zu lassen.
Hier bist du natürlich auch ganz flexibel und kannst die Fragen individuell anpassen, je nachdem worauf du deinen Fokus legen möchtest.

morgenroutine-routinen-alltag-5-minuten-tagebuch

Der dritte Step meiner Morgenroutine: Meine Gedanken in mein “5-Minuten-Tagebuch” notieren.

Danach geht es für mich an die erste Runde Arbeit. Morgens bin ich persönlich meist am Kreativsten, daher nutze ich vor Allem dann die Zeit, um schwierige und kreative Aufgaben, die viel Konzentration erfordern, zu bewältigen. Ich schreibe mir oft am Vorabend auf, welches die größten Aufgaben für den kommenden Tag sind, damit ich am Morgen direkt loslegen kann. Meist arbeite ich etwa 90 Minuten, weil danach meine Konzentration langsam flöten geht.

Dann geht es entweder nach draußen zum Joggen oder ich mache eine Runde Yoga. Ich liebe es, entweder morgens Sport zu machen oder später im Laufe des Tages zwischen einer meiner Arbeitsblöcke, um eine wertvolle und reaktivierende Pause einzulegen.

Daraufhin wird gefrühstückt. Ich frühstücke immer ganz in Ruhe, denn früher empfand ich es immer als am Schlimmsten, mein Frühstück zwischen Tür und Angel hineinschieben zu müssen. Heute genieße ich mein Frühstück also ganz bewusst und nehme mir auch die Zeit für ein gutes und gesundes Frühstück.

Der letzte Schritt meiner Morgenroutine beinhaltet dann das Inhalieren, sowie sonstige Therapiemaßnahmen, die zu meinem Alltag mit Mukoviszidose gehören. Mehr über mein Leben mit der Erkrankung oder das Reisen mit chronischer Erkrankung erfährst du in diesen Blogposts. Über den Rest des Tages lege ich immer wieder Arbeitsblöcke ein oder erledige sonstige Dinge, die getan werden müssen. Zum Nachmittag und Abend hin ist dann der Großteil der Arbeit getan und ich kann mich entspannt anderen Dingen widmen, mich mit Freunden treffen und so weiter.

Dies ist natürlich, wie gesagt, nur ein Beispiel für eine Morgenroutine und kann, je nach Belieben, sowie nach Art des Jobs, angepasst werden.

 

Und warum das Ganze?

Meine Morgenroutine hat nicht nur meine Produktivität gesteigert, sondern auch meine Kreativität, meine Organisation und mein eigenes Wohlbefinden. Wenn du aufstehst und direkt weißt, was ansteht, kommst du in einen natürlichen Rhythmus und hast den Kopf frei für die wichtigen Dinge. Ich persönlich liebe es mittlerweile sogar früh aufzustehen und zur Mittagszeit feststellen zu können, wie viel ich schon geschafft habe. Was aber noch viel wichtiger ist, ist dass ich seitdem auch wesentlich entspannter und allgemein motivierter und inspirierter bin, weil weniger Chaos in meinem Leben besteht.

Auch auf Reisen behalte ich diese Routinen übrigens bei! Gerade wenn man von unterwegs arbeiten kann, so wie ich es tue, ist es unheimlich wichtig eine Struktur auf Reisen beizubehalten, vor Allem weil man oft wechselnde Umgebungen hat, die eher dazu beitragen, das eigene Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Und warum das Meditieren? Durch die Meditation habe ich gelernt, meine eigenen Gedanken und Gefühle aus einer Art „Beobachterrolle“ zu betrachten und mich somit ein wenig von ihnen zu distanzieren, anstatt mich so stark von ihnen einnehmen zu lassen. Beim Meditieren lernst du, deine Gedanken kommen und gehen zu lassen. Ich fühle mich wesentlich ausgeglichener dadurch und lasse mich nicht mehr (oder nur noch ganz selten 😉 ) von meinen eigenen Gedanken bekloppt machen und lasse mich auch weniger von meinen Gefühlen überwältigen. Allgemein ist es eine wunderbare und starke Art, dich selbst besser kennen zu lernen und deine Achtsamkeit zu trainieren.

morgenroutine-routinen-alltag-meditation

Meditation: Ein sehr starkes Tool und etwas, das ich nicht mehr aus meinem Leben wegdenken könnte.

 

Ein weiterer Riesen Vorteil ist, dass ich durch diese Routinen auch meine Gesundheit verbessern konnte, da ich meine Therapiemaßnahmen und den Sport sehr regelmäßig mache, weil alles seinen festen Platz in meinem Tag hat. Auch wenn du nicht an einer chronischen Erkrankung leidest, bin ich mir sicher, dass auch du diesen Vorteil nutzen kannst, um regelmäßiger Sport zu treiben, sollte dies etwas sein, womit du sonst haderst.

 

Jetzt würde mich mal interessieren: Hast du eine Morgenroutine? Und wenn ja, wie sieht diese aus?

 

 

Leave a comment:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.