30 Sep, 2018

Ankommen in uns selbst: Was es für mich bedeutet, nach Hause zu kommen

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30 Sep, 2018

Ich bin auf der Autobahn gen Süden, lausche der Stimme eines meiner Lieblingskünstler, Xavier Rudd, als mich plötzlich ein Gefühl überkommt, das meinen ganzen Körper durchflutet. Irgendwie schwer in Worte zu fassen dieses Gefühl, so wie doch alle Gefühle schwer zu fassen und zu umschreiben sind. Intuitiv würde ich das Gefühl jedoch als ein „nach Hause kommen“ bezeichnen… und zwar in mir.

Ich denke darüber nach, was es für mich bedeutet, „nach Hause zu kommen“. Wo ist mein Zuhause? Ein wirkliches Zuhause gibt es für mich derzeit nicht, da ich keine feste Wohnung oder ähnliches besitze. Mein „Zuhause“ oder zumindest das, was man klassischerweise als „Zuhause“ bezeichnen würde, ist wohl dort, wo meine Familie und ein Großteil meiner Freunde sich befinden. Doch die Komponente des „Ankommens“ und dieses heimische Gefühl, das manche vielleicht kennen, wenn sie in ihr trautes Heim wiederkehren nach einer langen Reise- das habe ich schon lange nicht mehr gehabt. Doch in diesem Moment wird mir klar, dass ich genau das habe. Dieses „Zuhause“ trage ich nämlich mittlerweile in mir.

 

Ankommen in uns selbst: Was es für mich bedeutet, nach Hause zu kommen

Zeitweise habe ich gedacht, dass mein „Zuhause“ die Straße sei- nein, nicht, dass ich mich fühlte, als sei ich obdachlos- sondern ich fühlte mich am wohlsten, wenn ich unterwegs, auf der Reise, war. Wo wir uns jedoch befinden, ob unterwegs oder an einem festen Wohnort, eigentlich ist es völlig egal. Dieses Gefühl von „ankommen“ kann man haben oder nicht haben, unabhängig von den äußeren Umständen. Mir wird das jetzt gerade klar, während ich in den tiefsten Süden Bayerns fahre, auf dem Weg zu einem meiner ersten Vorträge zum Thema „Leben mit Mukoviszidose“ und ich die zahlreichen Zusprüche meiner Liebsten zugeschickt bekomme. Die wundervollsten Nachrichten und Anrufe haben mich heute im Laufe der letzten Stunden erreicht- von meinem Freund, meinen liebsten Freunden, die mittlerweile überall auf der Welt verteilt sind, von meiner Mama, von meinem Dad, von meiner Großmutter. All diese Menschen sind ein fester Bestandteil meines Lebens, mein Auffangnetz, mein Halt, mein Zuhause.

 

In einer liebevollen Umgebung zuhause sein

Während ich also überlege, was es für mich bedeutet, nach Hause zu kommen, kann ich also schon mal für mich schlussfolgern: Ein Zuhause in sich wahrzunehmen und zu spüren, bedeutet, Menschen in seinem Leben zu haben, mit denen man tiefe Verbindungen hat, Menschen, die einen verstehen und ausnahmslos für einen da sind, die einen (unter-)stützen und immer wieder (heraus-)fordern. Die uns dabei helfen, unser eigenes Licht zu erkennen und in den schönsten und buntesten Farben zu strahlen. Menschen, die unsere Einzigartigkeit sehen und an uns glauben. Und wo diese Menschen sich örtlich gesehen befinden, das ist in unserem Zeitalter häufig gar nicht so wichtig, denn wenn wir uns wichtig sind, werden wir jede Chance nutzen, uns zu sehen und miteinander zu kommunizieren. Wir vertrauen darauf, dass wir trotz der Distanzen füreinander da sind.

Was noch zu diesem Gefühl des “Heimkommens in sich selbst“ beiträgt? Für mich sind es vor allem Balancen zwischen verschiedenen Dingen…

 

Die Balance zwischen Geben und Nehmen

Weiter überlege ich, dass es mir persönlich wichtig ist, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen dem Geben und dem Nehmen im Leben zu haben. Was das bedeutet? Dass ich erstens nicht ständig nur gebe und möglicherweise das Gefühl habe, dass ich ausgenutzt werde oder dass ich mich bei all dem Geben selbst völlig vergesse oder aufgebe. Dass ich andererseits aber auch nicht nur nehme und meine Liebsten sich möglicherweise für mich komplett aufgeben. Ein großer Teil dieser Balance besteht auch darin, einen Beitrag auf dieser Welt zu leisten. Seine Lebensvision oder -aufgabe, seine ganz persönliche Mission, zu leben und etwas zurückzugeben, anstatt den Fokus rein auf sich selbst zu richten. Gleichzeitig ist es aber auch unsere Aufgabe, für uns selbst da zu sein, Selbstfürsorge zu betreiben und uns bewusst in Selbstliebe zu üben, denn wenn wir uns nicht um uns selbst sorgen oder uns selbst lieben können, werden wir jede Liebe von außen als Bestätigung unseres Selbst ausnutzen, anstatt es für das, was es ist, zu schätzen und dankbar zu sein.

 

Die Balance zwischen Stehenbleiben und in Bewegung sein

Für mich bedeutet dieses „Ankommen“ auch, eine gesunde Balance zu finden zwischen den beiden Extremen der ständigen Bewegung und der Stagnation. Einerseits ist es mir persönlich sehr wichtig, eben nicht zu stagnieren und das Leben fad und eintönig werden zu lassen, sondern mich stets weiterzuentwickeln, neues dazuzulernen, neue Orte zu sehen und neues zu erleben. Was jedoch nicht passieren sollte, ist, dass wir beginnen, ständig nur von einer Sache zur nächsten oder von einem Ort zum anderen zu rennen, nur um nicht stehenbleiben zu müssen. Dann gleichen wir eher einem Hund, der ständig nach dem Knochen lechzt, der vor seiner Nase baumelt, dieser jedoch nicht versteht, dass der Knochen niemals zu fassen sein wird. Wir rennen eher von etwas davon oder suchen vielleicht verzweifelt nach etwas, das uns erfüllt, merken jedoch nicht, dass sich das, was wir suchen, nur in uns finden lässt.

 

Die Balance zwischen Ruhe und Aufregung

Ich denke dann darüber nach, dass es Zeiten in meinem Leben gab, in denen ich stark zwischen Hoch- und Tiefphasen geschwankt bin. An einem Tag war ich zu Tode betrübt und im Außen wirkte alles nur finster und hoffnungslos und am nächsten war ich über allen Wolken und wusste gar nicht wohin mit meiner ganzen Energie. Heute bin ich froh, dass diese Hochs und Tiefs sich etwas mehr eingependelt haben, denn auch wenn es weiterhin Hoch- und Tiefphasen in meinem Leben gibt, nehmen mich diese nicht mehr so sehr ein und wechseln nicht mehr auf eine solch extreme Art. Heute kann ich mich eher treiben lassen, mal in einer Art Flow-Zustand, wo alles ganz natürlich und flüssig läuft und zeitweise in meinen eher verschlafenen „Winterphasen“, die aber für mich nur bedeuten, dass ich und meine Energien sich gerade regenerieren, um bald wieder erneut fließen zu können. So lasse ich mich weitaus weniger von Dingen, die im Außen passieren, aus der Ruhe bringen und lasse auch weniger unnötiges Drama in meinem Leben zu.

 

Wissen, wer man ist

Eines der Dinge, die mir jedoch am wichtigsten sind, um mich in mir selbst zuhause zu fühlen, ist das Wissen darüber, wer ich wirklich bin. Und zwar in meiner Ganzheit, inklusive aller bunten, schönen Anteile, aber auch aller Schattenseiten. Das ist natürlich nicht einfach und es braucht vermutlich ein ganzes Leben, um uns immer wieder alle Anteile von uns selbst anzuschauen und diese lieben, oder zumindest akzeptieren zu lernen. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir uns nur in uns selbst angekommen fühlen können, wenn wir uns voll und ganz akzeptieren, wie wir sind, mit allen Ecken, Macken und Kanten.

 

Demnach hat dieses „nach Hause kommen“, von dem ich spreche, sehr wenig mit einer Stadt, einer Wohnung, einem Haus oder einem Land zu tun. Es ist neben der inneren Einstellung und dem inneren Gefühl, vor allem auch die Umgebung und der Raum, den wir uns selbst erschaffen (können). Es ist eine Umgebung, die uns entweder den Raum lässt, uns als denjenigen Menschen zu entfalten, der wir in Wirklichkeit sind oder halt eben nicht. Natürlich gibt es Orte, an denen wir vielleicht das Gefühl haben, dass uns dieser Raum nicht gewährt wird- das kann oft auch genau der Ort sein, an dem wir zum Beispiel den Großteil unseres Lebens verbracht haben. Vielleicht ist aber auch genau dort der perfekte Raum für uns gegeben.

„Ankommen” bedeutet für jeden Menschen etwas anderes und beinhaltet andere Dinge. Wenn wir uns jedoch auf die Suche nach unserem Zuhause in uns selbst machen und uns selbst zulassen, wir selbst zu sein, schaffen wir uns genau diesen Raum, in dem wir uns heimisch fühlen können.

 

 

Was bedeutet „Ankommen“ für dich? Welche Rolle spielt dabei ein örtliches „Zuhause“ und gibt es auch in dir selbst ein „Zuhause“? Was macht dieses Gefühl für dich aus? Teile super gern deine Gedanken in den Kommentaren mit mir!

 

 

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