10 Feb, 2016

Backpacking Mexiko, Teil II: Das Land der Tausend Facetten

10 Feb, 2016

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Mexiko ist ein Land vieler Facetten. Wie ein unberechenbarer Freund, der einen ständig auf Trab hält mit seinen verschiedenen Charaktereigenschaften und Eigenarten, hat mich Mexiko in vielen Momenten fasziniert und erstaunt, nur um mich im nächsten Augenblick wieder zu schockieren und zugegebenermaßen auch ein wenig einzuschüchtern.

Mit all seinen Facetten hat Mexiko mein Herz jedenfalls für sich gewonnen.

Wie schon im ersten Teil meiner Mexikoserie erwähnt (den kannst du übrigens hier lesen) und wie du bestimmt auch weißt, hat Mexiko mit einigen Problemen zu kämpfen. Einige davon haben wir hautnah zu spüren bekommen. Ich möchte dir hier einige kleine Geschichten erzählen von meiner Reise.

 

Der korrupte Cop

Ja, es tut mir Leid es sagen zu müssen, aber in diesem Falle bestätigen sich leider die Klischees. Korruption ist in Mexiko ein Riesenproblem. Korruption findet sich hier nicht nur im Rechtssystem wieder, sondern in vielen anderen Bereichen des Systems auch. Laut Erzählungen mexikanischer Freunde werden Menschen erpresst, Polizisten ohne Ende bestochen (bzw. Bestechungsgelder werden eher von ihnen gefordert) und während der Präsidentschaftswahlen Unmengen an Stimmen erkauft.

Aufgrund der Armut im Land steht es den reichsten Menschen natürlich offen, diese Armut auszunutzen, um an Macht zu gelangen. Korrupte Politiker kommen somit an die Macht und korrupte Beamte erhalten viel mehr Macht als ihnen eigentlich zusteht. Somit verliert auch das Rechtssystem seine Wirkung und die Kriminellen im Land können im Prinzip tun und lassen, was sie wollen.

 

Die Korruption der Polizei haben wir am eigenen Leib zu spüren bekommen. Wir (2 mexikanische Freunde, ein Freund aus Kanada und ich) hatten ein Auto gemietet für einige Tage, um von Mexiko City aus an die Golfküste zu fahren. Auf dem Rückweg gurkten wir gerade in einem Ort namens Tuxpan herum, als ein Cop uns anhielt, weil wir (angeblich) falsch herum in eine Einbahnstraße gefahren waren. Er forderte meinen kanadischen Freund, der gefahren war, auf, aus dem Wagen zu steigen. Mein mexikanischer Freund stieg mit ihm aus, um die Situation auf Spanisch zu klären.

Nachdem mein Kumpel dem Bullen seinen Ausweis gezeigt hatte, waren nun gemäß des Polizisten 600 Pesos fällig. Knapp 35 Euro wären es gewesen, aber bevor der Herr überhaupt begann den Strafzettel auszufüllen, hieß es: “Wir können das aber auch anders regeln..”

Er gab meinem Freund eine schwarze Mappe, wie man sie im Restaurant sieht, und teilte ihm leise den von ihm gewünschten Betrag mit. Mein Freund legte das Geld hinein (300 Pesos waren es somit nur noch), gab dem Polizisten die Mappe zurück und wir machten uns vom Acker. Das Ganze schien so selbstverständlich, als wäre es das Normalste der Welt, während ich meinen Augen gar nicht glauben konnte.

 

In diesem Falle war die Korruption des Cops natürlich nur von Vorteil für uns, weil wir nur die Hälfte zahlen mussten. Mein Freund allerdings, der gebürtig aus Mexiko City kommt, hat da schon andere Dinge erlebt. Als er sich einmal geweigert hat, einer Polizistin Bestechungsgeld zu zahlen, nachdem er falsch geparkt hatte, und lieber den Strafzettel zahlen wollte, wurde diese echt sauer und hängte ihm nach und nach mehr Delikte an, bis sie sich sogar Verstärkung holte und ihn zur Wache bringen wollte. Es muss ein Riesentheater gewesen sein. Zum Glück hat der Onkel meines Freundes eine ziemlich hohe Stellung bei der mexikanischen Polizei, sodass die Polizistin am Ende ziemlich blöd da stand und meinen Kumpel gehen lassen musste (mit einer Entschuldigung, wohlgemerkt!) 😉

 

Die Attacke der Restaurantbesitzer

Ein weiterer Moment, der uns ziemlich schockiert hat, war als wir auf dem Weg von einem kleinen Ort an der Golfküste Richtung Mexiko City waren und Halt machen wollten, um eine Kleinigkeit zu essen. Wir wollten irgendwo am Meer sitzen, um noch ein wenig die Küstenluft zu genießen und stießen dabei auf eine Reihe von Restaurants, alle direkt am Strand. Zu unserer Verwunderung wirkten diese Restaurants aber, von Weitem zumindest, menschenleer. Vor der ersten Parkmöglichkeit angekommen, sahen wir eine Gruppe von Menschen, die bei unserem Anblick alle auf uns zuspurteten. Sie wedelten mit Speisekarten um sich und redeten in Hochgeschwindigkeit auf Spanisch auf uns ein.

Da wir Hunger hatten, entschieden wir uns trotzdem für das erste Restaurant und wollten parken. Diese Schar von Menschen aber belagerte unser Auto von allen Seiten so sehr, dass wir kaum weiterfahren konnten. Wir forderten die Leute immer wieder auf, von unserem Auto abzulassen, da wir sonst nicht weiterkämen. Nachdem dann einer sogar in das Fenster auf der Fahrerseite hineingriff, hatten wir die Schnauze voll und sind ziemlich aufgebracht wieder gefahren.

Dieser Vorfall hat uns zwar nicht wirklich Angst gemacht. Diese Leute hatten ja nicht die Absicht uns irgendetwas zu tun. Allerdings war diese Erfahrung unglaublich schockierend und natürlich super belästigend. Wir fragten uns, wie sehr diese Leute es wohl nötig hatten, Besucher für ihr Restaurant zu gewinnen, dass sie uns so sehr bedrängen mussten und verstanden nicht, wie sie denken konnten, dass sie uns so in ihre Restaurant lotsen könnten.

 

Rex from Texas

Es ist durchaus bekannt, dass Mexiko ein wahnsinnig großes Problem mit den Drogenkartellen im Land hat. Drogenkriege haben in Mexiko seit etwa dem Beginn der 90er um die 100.000 Leben gekostet. Die Macht und der Einfluss, den die Drogenkartelle haben, ist unglaublich groß. Einer der größten Probleme dabei: Oftmals stecken die Drogenkartelle mit der Polizei unter einer Decke. Somit gibt es ein paar Orte in Mexiko, die man schon meiden sollte, ob nun als Tourist oder als einheimischer Mexikaner, weil die Gefahr, in Dispute in Zusammenhang mit den Drogenkriegen zu geraten, nicht gering ist.

Mehr zum Reisen in Mexiko aber im nächsten Teil. 😉

 

Mir wurden auf meiner Mexikoreise tatsächlich nur einmal Drogen angeboten (bei meinen Kumpels kam dies durchaus häufiger vor) und zwar nicht mal von einem Mexikaner. Ich war gerade an meinem ersten Tag in Cancun und wollte einen Ausflug auf die Isla Mujeres machen, da Cancun selbst mich nicht unbedingt reizte. Ich wusste etwa in welche Richtung ich fahren musste, war aber erstmal völlig überfordert. Es gab keine festen Bushaltestellen, geschweige denn einen Busplan. Kleine Busse fuhren im Halbminutentakt heran und hielten mit schon aufgeschwungenen Türen scheinbar dort, wo sie gerade wollten, mit nur einem Schild an der Frontscheibe, auf dem stand, wie die Endhaltestelle lautete. Ich muss ein wenig hilflos ausgesehen haben, denn es kam dann ein Mann auf mich zu- um die 40 herum, lange Haare zum Zopf gebunden und, halt, stopp: oberkörperfrei.

“Hey, you’re lookin’ kinda lost. Where you headin’ to?”, sagte er mit einem dicken texanischen Akzent.

Er wirkte super freundlich und ich erklärte ihm, wo ich hin wollte. Er beschrieb mir, wie das Bussystem funktioniert und sagte dann, während er mir die Hand reichte: “Hey, I’m Rex from Texas, by the way. I’ve been livin’ down here in paradise for about 15 years now.” “Cool,” sagte ich und stellte mich auch vor. Nachdem ich mich bei ihm bedankt hatte, machte ich mich dahin auf, wo ich auf meinen Bus warten sollte.

Ein zweites Mal kam er auf mich zu und teilte mir mit, dass ich ja auch ein Taxi nehmen könnte. “Thanks, man.”

Daraufhin kam er nochmal zu mir (er wirkte ein wenig.. naja, aufgedreht..) und bestätigte, was ich mir schon gedacht hatte: “Hey, just so ya know, I work in research, experimentin’ with some cool drugs, if you’re interested.. Here’s my website and my facebook name, look me up!”

 

Es gab zum Teil intensive und schockierende Erlebnisse, aber Erlebnisse, die mein Herz höher haben schlagen lassen.

Allein diese ersten beiden Tage allein in Cancun, bargen für mich so wahnsinnig tolle Eindrücke. Der für 9 Menschen konzipierte Minibus, in dem etwa 20 Personen laut quatschend saßen und standen. Die Musik, die gefühlt aus allen Ecken der Stadt kam. Die herzliche Art, mit der die Menschen einen empfingen. Der erste Abend, an dem ich in Mexiko ankam und direkt auf ein Straßenfest stieß, bei dem die Menschen ausgelassen tanzten, lachten und sangen.

 

Aussicht Berge Mexiko

 

Es sind diese neuen Eindrücke und andersartigen Erlebnisse, die einfach unvergesslich sind und die ich persönlich nie missen möchte.

 

Hast du irgendwelche witzigen, interessanten oder spannenden Dinge in Mexiko oder einem anderen, neuen Land erlebt, die dich total schockiert, zum Lachen gebracht oder begeistert haben? Immer her damit in die Kommentare 😉

 

 

 

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