24 Aug, 2016

Leben im Moment- ein Gastbeitrag von Ella Capek

Ella-reise-erkrankung-leben-im-moment
24 Aug, 2016

You can also read this blog post in English.

Wie du vielleicht weißt, habe ich im Laufe der letzten Wochen einige verschiedene Menschen befragt zum Thema, was das Leben im Moment für sie ausmacht. In den vergangenen Teilen der Serie habe ich Svet, Jason und Katharina befragt. Heute befrage ich Ella Capek, ebenfalls leidenschaftliche Reisende und Bloggerin. Und ich muss sagen, ich habe so massig viel Respekt für die Art und Weise, wie sie uns einen völlig offenen, unverblümten und persönlichen Einblick in ihre Gedanken gewährt und die Schwierigkeiten schildert, auf die sie, hinsichtlich dieses Themas, stößt.

Bei Ella wurden 2 verschiedene Erkrankungen diagnostiziert. Zum Einen eine generalisierte Angststörung und zum Anderen Dysthymie (auch: chronische Depression), was ihr zwar mit Sicherheit viele Schwierigkeiten bereitet, sie aber nicht davon abhält zu reisen, mit Neugier die Welt zu entdecken und ihr Leben einfach in vollsten Zügen zu genießen. Vor Allem, da ich mehr und mehr über das Reisen mit Erkrankung schreibe, war es für mich unheimlich interessant, aus der Perspektive eines Menschen mit einer anderen Art von Erkrankung, wie der von Ella, zu erfahren, wie es ist, zu reisen und zu leben.

Und es macht mich wahnsinnig glücklich, dass sie sich nicht von ihrer Erkrankung unterkriegen lässt, sondern eher ihre Erkrankung nutzt, um über sich selbst zu reflektieren und zu lernen. Auf alle Fälle hat sie, möglicherweise gerade aufgrund der Erkrankung, eine wahnsinnig tolle Sichtweise auf das Leben gewonnen.

 

Leben im Moment: Über Ella

Ella ist eine sehr inspirierende, junge Reisende, die, in England geboren, nun schon seit knapp 9 Jahren in Israel lebt, wo ihre Mutter herkommt. Neben ihrer Tätigkeit als Englisch-Nachhilfelehrerin, schreibt sie auf ihrem Blog „Wide-Eyed Wanderer“ und beginnt im nächsten Jahr ihr Studium, um Musiktherapeutin zu werden (was eines ihrer größten Träume ist!).
Was sie gerne so macht in ihrer Freizeit? Musik hören und selbst spielen, lesen, in der Natur sein, Fahrrad fahren, Fußball spielen und träumen von zukünftigen Reisen, für die sie schon viele, viele Pläne hegt.

 

Ella-reisen-mit-erkrankung-leben-im-moment

Ella, im Moment lebend 🙂

 

Bei der Frage, welches ihre allerliebsten Orte auf der Welt sind, antwortete sie:
„Mein Lieblingsorte sind momentan Paris (ich bin überzeugt, dass dies meine Seelen-Stadt ist..) und Kenya (welches ich als mein Herz-Land bezeichne) 😉 Ich habe das Gefühl, dass ich zu beiden Orten eine tolle Beziehung habe und ich fühle mich sehr zu ihnen hingezogen. Und selbst wenn es verrückt klingen man.. Ich habe das Gefühl, dass diese Orte sich auch für mich gesorgt haben in der kurzen, aber erinnerungswürdigen Zeit, die wir zusammen verbracht haben.”

Worum geht es bei „Wide-Eyed Wanderer“?
„Im Prinzip ist mein Blog für den ‘weltbesessenen Lebensschüler’. Für diejenigen, die Sorge tragen für die Welt und durch das Reisen mehr über sich selbst, andere Menschen und Kulturen und allgemein, über die Welt, in der sie leben, erfahren und lernen wollen. Ich teile definitiv praktische Infos und Anregungen (z.B. „What to do on the Great Ocean Road“ oder „An Itinerary for 4 days in Paris“), spreche aber auch über persönliche und emotionalere Aspekte des Reisens und reiseverbundenen Themen. Ich schrecke nicht vor „Tabu“-Themen ab, die viele Menschen versuchen zu umgehen (e.g. “How To Get Over The Mid-Travel Blues” and “The Importance Of Having A Healthy Relationship With Travel”) und versuche so ehrlich wie möglich über das Reisen zu sprechen.

Mein Hauptziel ist es, anderen zur Einsicht zu verhelfen, dass diese Welt, trotz vieler Enttäuschungen, wunderschön ist, möchte zum persönlichen Wachstum anregen, Menschen animieren, ein Bewusstsein zu schaffen für sich selbst, füreinander und für unsere Welt. Denn wenn wir das tun, werden wir zu einer stärkeren, gesünderen und glücklicheren Gesellschaft.”

 

 

Leben im Moment- von Ella Capek

Also, ich möchte direkt von vornherein erwähnen, dass ich an zwei verschiedenen Krankheiten, zum Einen einer generalisierten Angststörung und zum Anderen an einer Dysthymie, einer chronischen Depression leide.

Warum ich meine Story über das „Leben im Moment“ mit dieser persönlichen Information beginne?

Weil ich, als Resultat dieser beiden Erkrankungen, entweder ständig über meine Fehler der Vergangenheit grüble oder meine Zeit damit verbringe, mir Sorgen über potentielle Katastrophen der Zukunft zu machen.

Was schlussendlich dazu führt, dass ich mich fast nie in der Gegenwart aufhalte.

Wenn du eine Geisteskrankheit wie eine Angststörung oder Dysthymie hast, verbringst du unheimlich viel Zeit in deinem eigenen Kopf- die eigenen Gedanken kreisen immer wieder um den gleichen Irrsinn, den dein Kopf sich selbst schafft. Dir ist bewusst, dass es irrational, unzuträglich und sinnlos ist, und doch kannst du es nicht aufhalten. Du merkst, dass je mehr du es versuchst- desto schlimmer wird es.

All das verursacht nicht nur emotionalen und psychischen Stress, sondern verschwendet aufgrund des ganzen Sich-Sorgen-Machens und grübelns auch unheimlich viel Zeit- Zeit, in der man sich präsent in seinem Körper, im Moment und seinem Leben fühlen könnte. Somit wird das „Leben im Moment“ zu einem Zustand, für den ich, um ihn zu erreichen, bewusst Aufwand betreiben muss.

Zum Glück gibt es allerdings, wie ich bemerkt habe, bestimmte Erfahrungen oder Momente im Leben, in denen ich es doch schaffe- trotz meines über-aktiven Gehirns, das mich normalerweise daran hindert- präsent im Moment zu sein.

Dieser Fall tritt auf, wenn ich einen Moment im Jetzt erlebe, der einfach zu gut ist, um für ihn nicht präsent zu sein.

Der Teil von mir, der wahnsinnig tolle Erlebnisse erfahren und das Leben ganz auskosten möchte (welcher, wie ich glaube, der selbe Teil von mir ist, der diese immense Weltneugier in sich trägt), wird dann plötzlich wach und setzt sich über mein Gehirn hinweg, um ihm zu sagen, dass ich bloß aufpassen soll, da hier gerade etwas Geniales passiert.

Und mein Gehirn, das sich seiner Gewohnheit, sich selbst zu überarbeiten, bewusst ist, hört auf diesen Hinweis. Denn es weiß, wie wichtig es für seinen Besitzer ist, in jenem Moment einfach still zu sein und die Wahnsinnserfahrung gewähren zu lassen.

Erfahrungen wie die eines tiefen, seelenverbindenden Gesprächs mit jemandem, den man liebt und nicht oft sieht. Einem inspirierenden Musikstück lauschen, das einen zu Tränen rührt und in andere Welten teleportiert. Wandern gehen in den verschiedensten Teilen dieser Erde und, oben am Berg angekommen, stehen bleiben und den atemberaubenden Ausblick auf unsere ehrfurchtgebietende Erde genießen.

Diese Erfahrungen, die meine Aufmerksamkeit erwecken und mir sagen: „Hey Ella, schau dir an, wie wahnsinnig toll das hier ist! Ist dein Leben und diese Welt nicht unglaublich?“ Und immer erwidere ich in jenen Momenten: „Oh ja, das sind sie!“ Denn sie sind verdammt nochmal unglaublich! Und statt mir Sorgen zu machen, zu grübeln oder mich selbst zu stressen, staune ich über diese Schönheit mit einem kindlichen Sinn von Verblüffung, dankbar für jede Sekunde, die mir gegeben wird, um diesen Moment zu erleben.

Und da ich weiß, wie genial diese Momente sind und wie sehr sie mein Leben bereichern, fühle ich mich umso inspirierter und motivierter, mehr dieser Momente anzuziehen. Weitere Momente, in denen ich in der Gegenwart lebe, statt nur in meinem Kopf. Denn ich weiß, dass der zusätzliche Aufwand sich auszahlt.

Für mich ist das „Leben im Moment“ manchmal eine schwierige Angelegenheit und oft gelingt es mir nicht. Aber ich habe gelernt, dass sich dieser zusätzliche Aufwand lohnt, denn jedes Mal, wenn ich Erfolg darin habe, sind mein Gehirn und ich mir selbst unheimlich dankbar.

 

 

Ella schreibt auf eine wunderschöne Art und Weise auf ihrem Blog Wide-Eyed Wanderer über das Reisen, das Leben und über Selbstreflexion. Schau dir ihren Blog hier an.

 

Hier kannst du die ersten drei Teile der Serie über das “Leben im Moment” lesen:

 

 

1 Comments:

Leave a comment:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.