04 Sep, 2017

Die Freude des Seins: Was bedeutet „Leben im Moment“ wirklich?

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04 Sep, 2017

Was bedeutet es eigentlich, im Moment zu leben? Lebst du im Moment? Und wenn ja, wie häufig? Hätte man mir in den letzten Jahren gesagt, dass ich nicht im Moment lebte, hätte ich wohl fragend die Augenbrauen gehoben: „Wenn einer im Moment lebt, dann bin ich ja wohl das,“ hätte ich vermutlich gedacht. Klingt ziemlich überheblich und das mag es auch gewesen sein, doch ich war fest davon überzeugt, dass mir hinsichtlich dieses Themas keiner etwas erzählen konnte. Problem ist nur, dass ich da scheinbar etwas verwechselt habe. Für mich war das „Leben im Moment“ nämlich immer gleichgestellt mit: „Ich nutze die Zeit, die ich auf dieser Erde habe voll und ganz“, was für mich persönlich bedeutete: Reisen, neue Kulturen sehen und erleben, einen Blog starten, mich selbstständig machen und als digitale Nomadin von überall arbeiten können, ein Buch schreiben.. Auch wenn ich stolz darauf bin, all diese Dinge umgesetzt zu haben, frage ich mich:

Hat all das wirklich etwas mit dem Leben im Moment zu tun, wenn man nur darauf aus ist, immer das nächstgrößere Ziel zu erreichen, egal welche Absicht nun dahintersteckt?

Die Freude des Seins: Was bedeutet „Leben im Moment“ wirklich?

In den letzten Monaten habe ich so einige Hochs und Tiefs durchlaufen. Da war meine mehrmonatige Marokkoreise, während der ich das erste Mal von unterwegs arbeiten und Geld verdienen konnte. Dann kam im März der Entschluss, mein erstes Buch zu schreiben, welches drei Monate später fertig war. Zeitgleich führte ich weiterhin meine Freelance-Aufträge als Videografin aus und traf alle Vorbereitungen für die Veröffentlichung meines Buches, sowie für die Crowdfunding-Kampagne, mit der ich den Druck des Buches finanziert habe.

Bisher war dies eine der spannendsten und lehrreichsten Phasen meines Lebens und ich bin unendlich dankbar, dass es sie gegeben hat, doch war sie auch zum Teil von ziemlich heftigen Tiefs geprägt. Trotz häufiger sportlicher Betätigung und regelmäßigen Therapiemaßnahmen, verschlechterte sich in dieser Zeit meine Gesundheit- mit einer Erkrankung wie Mukoviszidose nicht sonderlich ungewöhnlich, doch trotzdem angsteinflößend und diese Verschlechterung meiner Lungenfunktion löste Ängste in mir aus, die ich viele Jahre unbeachtet links liegen gelassen hatte.

Neben alledem und auch der riesigen Masse an Arbeit, sowie Geldsorgen, fühlte ich mich über Wochen kaum wie ich selbst. Ich machte mich konstant nur verrückt mit all den Sorgen, die in meinem Kopf herum schwirrten und die mich regelrecht übermannten. Ich fühlte mich zutiefst verunsichert und ängstlich- so wie ich es zuvor noch nie erlebt hatte.

Während meiner 2-wöchigen Reise durch Frankreich und Spanien wurden mir so einige Dinge bewusst- über das Leben, über mich selbst und darüber, wie ich in Zukunft weitermachen wollte. Auch gönnte ich mir die dringend benötigte Ruhe und begann, mich mehr auf meinen Körper und meine eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren, anstatt sie wie die Monate zuvor einfach beiseite zu schieben.

Kurz nach meiner Reise fiel mir dann ein Buch in die Hände. Vielleicht kennst du das: Du steckst in einer ganz bestimmten Lebensphase und dann fällt dir genau zur rechten Zeit genau das richtige Buch in die Hände. Ein Buch, das du liest und das du zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht nicht so tiefgreifend verstanden hättest, aber das Geschriebene just in dem Moment deines Lebens einfach komplett mit deinem ganzen Sein räsoniert? So ging es mir, als ich „The Power of Now“/„Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ von Eckhart Tolle in die Finger bekam.

 

Die Freude des Seins: Wann wir nicht im Moment Leben

Falls du das Buch noch nicht gelesen hast, lege ich dir wirklich ans Herz, es zu tun. Beim Lesen des Buches wurde mir sehr schnell klar, dass ich in den seltensten Fällen im Moment lebte. In den letzten Monaten hatte ich mir ständig Gedanken um alles und jeden gemacht- immer wenn ich etwas tat, war ich in Gedanken schon 3 Schritte weiter, plante schon, was ich als nächstes tun und erledigen würde, nur um keine Zeit zu verlieren und so viel zu schaffen wie möglich. Ich war sehr selten bewusst bei Gesprächen dabei, meine Gedanken zogen mich immer und immer wieder in eine andere Richtung. Ich nahm meinen Körper und die Signale, die er mir sendete, überhaupt nicht wahr.

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Ein weiteres Anzeichen, das uns signalisiert, dass wir nicht im Moment leben, ist unser ständiges Verlangen nach etwas im Außen, sei es Liebe, Zuneigung, materielle Güter, Essen, Alkohol und so weiter. Wenn wir anfangen zu akzeptieren, was gerade jetzt da ist und dankbar sind, für das, was ist und uns nicht ständig denken müssen „Wenn ich XYZ habe/erreiche, werde ich glücklicher sein“, dann leben wir im Jetzt und können uns einfach nur daran erfreuen, wie das Leben genau in diesem Moment ist mit allem, was dazugehört.

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Die Freude des Seins: Wann wir im Moment leben

Vielleicht kennst du diese Momente, beispielsweise in der Natur oder auf Reisen, wenn wir einfach nur diese Freude und tiefe Ruhe und Gelassenheit empfinden, wenn unser Verstand zeitweise ausgeschaltet zu sein scheint, weil die uns umgebende Szenerie so atemberaubend ist. Auch wenn wir Dinge tun, die unser inneres Kind erweckt, sei es malen, singen, tanzen, Skateboard fahren, rumalbern, leben wir im Moment- hier vergessen wir oft jegliches Gefühl von Zeit (bis unser innerer Kritiker sich gegebenenfalls einschaltet und uns als „albern“ oder „kindisch“ bezeichnet und uns wieder aus diesem Moment herausholt).

 

Die Freude des Seins: Wie wir mehr im Moment leben können

Gestern war der erste Tag seit einigen Jahren, an dem ich überwiegend im Moment gelebt habe. Immer wieder habe ich mir bewusst gemacht, wenn meine Gedanken abgeschweift sind zu irgend welchen Dingen, die in der Folgewoche passieren mussten oder ich begonnen habe, über etwas in der Vergangenheit zu grübeln- und weißt du was? Allein das Sich-Bewusstwerden über diese Gedankengänge trennt uns von dieser Stimme in unserem Kopf, die unaufhörlich vor sich hin quatschen und uns beeinflussen möchte. Wir erkennen, dass wir nicht diese Stimme sind und identifizieren uns vor allem immer weniger mit ihr, sodass unser wahres Ich zum Vorschein kommen kann und wir den Moment, wie er ist, lieben lernen. Den ganzen Tag über habe ich einfach nur eine ruhige Glückseligkeit und Dankbarkeit in mir verspürt und konnte jeden Moment komplett in mich aufsaugen.

 

Wie wir das also umsetzen können? Ich versuche beispielsweise, wie schon beschrieben, mir dieser Abläufe im Kopf bewusst zu werden. Da ich schon seit etwa anderthalb Jahren fast täglich meditiere, kann ich diese Abläufe in meinem Kopf mittlerweile recht gut erkennen und kann mich gut von ihnen distanzieren, bzw. erkennen, dass ich nicht meine Gedanken bin. Meine Empfehlung also auf jeden Fall, insofern du es noch nicht tust: Fange an zu meditieren! (Tolle Tipps zum Thema Meditation gibt es beispielsweise hier bei Conni von Planet Backpack.)

Zwei Tipps von Eckhart Tolle außerdem:
– Erinnere dich immer wieder selbst daran, zu atmen. Wenn wir bewusst atmen, leben wir automatisch im Moment. Frage dich also immer mal wieder im Laufe des Tages „Atme ich gerade?“ und atme dann ganz bewusst ein und aus.
– Tue alltägliche Dinge ganz bewusst. Wenn du dir beispielsweise die Hände wäschst, versuche mal, anstatt in Gedanken schon deinen Tagesablauf zu planen, das Wasser auf deiner Haut zu spüren. Nehme die Temperatur des Wassers wahr und wie es sich anfühlt, die Hände miteinander zu verreiben. Wenn du das tust, lebst du im Moment.

 

Die Freude des Seins: Warum im Moment leben?

Wozu das Ganze? Ich kann dir nur sagen, dass, auch wenn es vermutlich Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern kann, bis man das „Leben im Moment“ völlig etabliert hat und es bestimmt viel Übung braucht, bis man gelernt hat, sich immer am Hier und Jetzt zu erfreuen, hat diese Ansichtsweise mir jetzt schon immens geholfen- nicht nur, um weniger gestresst zu sein, mich nicht so überfordert zu fühlen und meine Ziele mit neuem Mut anzugehen, sondern vor allem, um die Dinge so zu akzeptieren und lieben zu lernen, genau wie sie sind, was zu einem tiefen Gefühl der Freude und Ruhe führt. Und ganz besonders: Nicht denken zu müssen, dass ich über alle Ziele hinausschießen und immer neue Gipfel erklimmen muss, um ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen oder um erfüllt zu sein.

Ich habe nun gelernt, dass „Zeit“ und das „Leben im Jetzt“ zwei sehr verschiedene Dinge sind und es nicht darum geht, so viele Dinge wie möglich in diesem Leben zu erledigen, sondern das einzige, was wir wirklich haben, zu schätzen: Den gegenwärtigen Moment.

 

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Wann lebst du im Moment und was bedeutet es, deiner Meinung nach, im Moment zu leben? Teile deine Meinung mit uns in den Kommentaren!

 

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5 Comments:

  • Laura Oktober 05, 2017

    Endlich habe ich diesen Blog gefunden! Schön, dass es ihn gibt.
    <3

    Reply

    • Denise Oktober 09, 2017

      Liebe Laura,
      ich freue mich, dass du deinen Weg hierher gefunden hast 😉 Liebe Grüße <3

      Reply

  • kat September 04, 2017

    oh wie krass, mir wurde das Buch auch in letzter Zeit öfter empfohlen und ich habe begonnen es zuhören. Viele Dinge sind klar und mir geht es oft wie dir, dass ich denke ich bin um Moment, aber dann ist mein Mind so aktiv, dass ich feststelle nicht im Moment zusein. Und so richtig klar, was ich mit all den Gedanken machen soll, wenn sie kommen ist mir ich nicht…aber wahrscheinlich ist es Übung und Bewußtwerden.
    Vielen Dank für deinen Post.

    Reply

    • Denise September 05, 2017

      Liebe Kat,
      danke erstmal für deinen Kommentar! Und ich weiß ganz genau, was du meinst. Das ist das Schwierigste an der Sache, wie ich finde: Zu erkennen, dass man überhaupt in diesem Modus ist, weil man selbst gar nicht wahrnimmt, wie der Kopf vor sich hin brabbelt. Aber es ist genau wie du sagst. Sich bewusst werden über die Abläufe im Kopf und sich dann durch Übung von dieser Stimme distanzieren, bzw. sich nicht mehr so mit ihr identifizieren. Ich glaube auch, dass es wirklich ein Prozess ist 🙂 Sehr gerne, meine Liebe!

      Reply

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