28 Aug, 2017

Road Trip 2.0: Vom Leben und Reisen im Auto

28 Aug, 2017

Es gibt etliche Arten und Weisen zu reisen. Viele davon habe ich in den letzten Jahren ausprobiert, darunter das Backpacken, solo oder mit Begleitung, das längere Leben und Arbeiten an einem Ort, Camping im Zelt oder das Reisen mit Freunden in einem Van. Bei der Planung diesen Urlaubs war meinem Freund und mir eine Sache besonders wichtig: Flexibel zu sein. Wir wollten nichts vorbuchen, sondern einfach nur in jeden Tag hinein leben, um die zwei Wochen, die wir für den Urlaub zur Verfügung hatten, bestmöglich zu nutzen und immer dort hinzufahren, wo uns die Sonne auf die Nase scheinen konnte.

Road Trip 2.0: Vom Leben und Reisen im Auto

Wir beschlossen, dass das größte Maß an Flexibilität bei einem Road Trip gegeben sein würde, weshalb wir uns überlegten, einfach im Auto herum zu reisen und auch im Auto zu schlafen. Zunächst war unser Plan, in den Balkan zu reisen und unsere beiden Wochen in der Natur Sloweniens und Bosniens zu verbringen. Es stellte sich jedoch nach einiger Recherche heraus, dass sich diese Länder absolut nicht für unseren geplanten Trip eigneten, da das freie Stehen und Schlafen im Auto hier absolut verboten ist. Demnach entschieden wir uns für Spanien, wo die Regelungen diesbezüglich etwas lockerer sind. Auch wenn ich schon oft in Spanien gewesen bin, liebe ich dieses Land genau so wie zu Zeiten meiner ersten Besuche. Eine Region, die ich bis dato allerdings noch gar nicht bereist hatte und die uns beide sehr reizte, war Galizien, eine Region ganz im Nordwesten Spaniens. Eine lange Strecke für die relativ kurze Zeit, die wir hatten, doch wir nahmen uns diese Region trotzdem als Ziel vor. Da wir uns allerdings auch keinen Stress machen wollten, war unser Wunschziel kein Muss- wichtig war nur, dass wir unsere Zeit genossen.

Wir statteten den Kombi meines Freundes also mit einer Matratze aus, packten unsere sieben Sachen und starteten in unser kleines Abenteuer.

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Ausstattung und Vorbereitung

Zum Reisen im Auto war der erste Schritt, den Wagen mit einer Matratze auszustatten, die wir extra zugeschnitten haben. Darüber hinaus gab es für die Extraportion Gemütlichkeit ein paar Decken, zahlreiche Kissen und natürlich, auf meinen Wunsch hin- eine Lichterkette! Da es im Auto am Morgen sehr hell werden kann und um ein wenig Sichtschutz zu gewähren, mussten wir zum Abdunkeln des Wagens ein wenig kreativ werden. Die hinteren Fenster haben wir mit extra zugeschnittenen Kartonteilen abgedunkelt, die Klappe des Kofferraums mit einem Baby-Spannbettlaken bedeckt und haben über die seitlichen Fenster sogenannte „Window Sox“ gestülpt. Die Window Sox waren ein echter Segen, da man auf diese Weise die Fenster trotzdem herunterkurbeln und somit Luft im Auto zirkulieren konnte, ohne dass Mücken ihren Weg ins Auto fanden. Zwischen den Vordersitzen und unserem „Schlafraum“ haben wir außerdem ein Tuch gespannt, damit auch von vorne nur wenig Licht herein scheinen konnte.

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Die Extraportion Gemütlichkeit darf beim Reisen und Schlafen im Auto nicht fehlen.

Extra Tipp: Ich empfehle dir für das Reisen im Auto eine Dachbox zum Verstauen all deiner Sachen. Da wir keine hatten, mussten wir die Rücksitze für die Nacht immer umklappen und unsere Taschen auf den Vordersitzen deponieren, sodass das Umbauen unseres Schlafplatzes immer recht aufwändig war.

Mit auf die Reise kam außerdem eine Kühlbox, die über den Zigarettenanzünder betrieben werden konnte, damit vor allem meine Medikamente über die Dauer der Reise kühl blieben. Um gleichzeitig unsere Handies laden zu können, haben wir uns unterwegs noch einen KFZ-Verteiler gekauft. Ein weiterer Tipp: Da das Innere des Autos auf einer solchen Reisen recht chaotisch werden kann, ist es wichtig, Ordnung zu halten. Hierzu dienen z.B. Hängeaufbewahrungen wie diese, die man an die Rückseiten der Vordersitze anbringen kann. Auch Körbe und Beutel können genutzt werden, um Ordnung zu bewahren (z.B. einen Beutel nur für Essensbestände, einen Korb nur mit Geschirr und Kochutensilien usw.).

 

Frei stehen- aber wo?

Wo man nun im Auto stehen und schlafen darf und wo nicht- das herauszufinden, war gar nicht so einfach. In den meisten Ländern Europas ist das Parken und Schlafen im Auto generell verboten, in anderen wird dies eher locker angesehen und beispielsweise in Skandinavien ist sogar Wildcampen überall erlaubt. Hier findest du weitere Infos zum Wildcampen in Europa und hier eine Übersicht der Regelungen zum freien Campen vom ADAC. Während es im Süden Frankreichs etwas schwierig war, einen Platz zu finden, an dem man frei stehen durfte, hatten wir in Nordspanien überhaupt keine Probleme. Hier haben wir einfach oft auf Parkplätzen, direkt am Meer gelegen, geschlafen. Meist haben wir diese Stellen mit weiteren Campern und Vans geteilt, andere Male waren wir ganz allein. Auch gab es hier öfters mal eine Dusche, sowie Toiletten, die wir nutzen konnten. In der ein oder anderen Nacht mieteten wir uns aber auch mal auf einem Campingplatz ein. In jedem Falle war es jede Nacht eine spannende, neue Erfahrung. Ganz wichtig ist natürlich bei alledem, dass man nachhaltig und achtsam reist, d.h. nie den eigenen Müll irgendwo liegen lässt und rücksichtsvoll gegenüber Einheimischen, sowie Mitreisenden ist.

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Bequemlichkeit vs. Freiheit

Das Leben und Reisen im Auto hat definitiv seine Vor- und Nachteile und ist eine sehr spezielle Art zu reisen, die nicht für jeden ist. Das Schönste war mit Abstand der Morgen, an dem man einfach die Klappe des Kofferraums öffnen und den direkten Blick in die Natur oder auf das Meer genießen konnte. Auf noch keiner anderen Reise habe ich so nah am Meer gelebt und übernachtet und bin so viel im Freien gewesen, wie auf dieser Reise und das in sich stellt für mich schon den größten Freiheits- und Erholungsfaktor dar. Man sieht auf diese Weise unheimlich viel von einem Land, weil man sich die malerischsten Routen aussuchen kann, ob an der schönen Küste entlang, mitten durch die Berge oder durch kleine Ortschaften. Außerdem hält nichts und niemand einen davon ab, einfach zum nächsten, sonnigeren Ort zu fahren.

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Das morgendliche Aufklappen des Kofferraumes barg immer einen tollen Ausblick.

Nutzt man freie Stellplätze, kommt man ganz um die Übernachtungskosten herum. Kommt man auf Campingplätzen unter, sind auch dort die Kosten für die Nacht meist sehr gering, sodass man auch mal mit gutem Gewissen essen gehen und sich andere Dinge auf der Reise gönnen kann. Was mir am Reisen im Auto auch sehr gut gefällt, ist, dass man, im Gegenzug zum Backpacking im minimalistischen Stil, auch mal das ein oder andere Buch oder sonstige Dinge mitnehmen kann. Für mich war es eine wahre Freude, mal mein Skateboard mitnehmen zu können und auch die Gitarre und das Surfboard waren mit im Gepäck.

Nachteil ist natürlich, dass diese Art zu reisen beizeiten recht stressig sein kann. Das Finden geeigneter Stellplätze, das Umräumen des Wagens, um seinen Schlafplatz herzurichten und das Suchen von Toiletten oder Duschen kann schon mal nervig werden. Dennoch war die Reise für mich Erholung pur, da diese Art zu reisen mir so viel Spaß und das Leben in der Natur mir so viel Freude bereitet hat.

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Leben und Reisen im Auto – Fazit

Das Reisen im Auto ist eine spannende und tolle Art zu reisen, wenn auch nicht auf Dauer. Speziell mit meiner chronischen Lungenerkrankung, Mukoviszidose, ist der Hygienestandard nicht optimal gewesen und auch der Mangel an Stromquellen war problematisch, da meine Inhaliergeräte alle paar Tage mit einem Sterilisiergerät ausgekocht werden müssen. Auf Dauer wäre auch der Mangel an Platz und Rückzugsmöglichkeiten wahrscheinlich ein Problem, besonders zu zweit. Eine solche Strecke in so kurzer Zeit abzufahren, ist außerdem nicht optimal, da ich eher für das langsame Reisen bin und weniger dafür, so viele Stunden am Stück auf der Autobahn zu verbringen, zumal man auch viel Sprit verbraucht und recht hohe Kosten dadurch entstehen. Für eine solche Reise wäre also vermutlich ein Van, mit mehr Platz und Optionen zur Stromversorgung, z.B. mit einer Solarzelle, optimal und das über einen längeren Zeitraum oder hin zu einer Destination, die in näherer Umgebung liegt.

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Beim Sterilisieren meiner Inhalationsgeräte musste man etwas kreativ werden..

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Beim Leben und Reisen im Auto spielt sich, bis auf das Schlafen selbst, alles unter freiem Himmel ab.

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Das Tolle am Reisen und Schlafen im Auto? Die Nähe zur Natur und besonders zum Meer.

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Unser kleiner Kombi auf einem Parkplatz bei Sonnenaufgang im Süden Frankreichs.

 

Eine solche Reise ist definitiv nicht was für jedermann, doch ein Erlebnis ist sie allemal! Und wer weiß, vielleicht liegt die Traumreise im Van gar nicht so weit in der Zukunft.. 😉

 

Bist du schon mal auf diese Art und Weise gereist? Hat es dir gefallen und hast du sonstige Tipps oder Ideen zum Reisen im Auto?

 

6 Comments:

  • Monika Schulz August 31, 2017

    Hallo liebe Denise,
    wie anschaulich ist Dein Bericht und wunderschön sind Deine Fotos – sehr aussagekräftig!! Ich ahne die Enge im Auto und weiß aus eigener Erfahrung wie überwältigend das Aufwachen mit solch herrlichen Ausblicken aufs Meer ist 🙂 !!! Vor vielen Jahren war ich mit meiner Familie in Nordspanien bis nach Galicien unterwegs. So oft es ging parkten wir für die Nacht unser Wohnmobil mit dem Heck zum Meer in einsamen Buchten um am Morgen beim Frühstück den Blick hinaus auf Sand, Himmel und die glitzernden Wogen in der Morgensonne genießen zu können. Bevor es weiterging mit der Fahrt – ja, es ist ein weiter Weg, doch auf alle Fälle lohnt es sich!! Das kann ich bestätigen!!
    Danke fürs Berichten und die großartigen Fotos!!
    Liebste Grüße und ich freu mich, bis wir uns bald wiedersehen,
    Monika

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    • Denise September 01, 2017

      Liebe Monika,
      du hättest es gar nicht besser ausdrücken können. Genau so war es und ich fand es einfach nur so inspirierend und wunderschön, mit solchen Ausblicken aufzuwachen und so viel in der Natur und unter freiem Himmel zu sein- das ist die beste Erholung, die es geben kann, wie ich finde.
      Vielen Dank für deine netten Worte und bis ganz bald! Liebste Grüße,
      Denise

      Reply

  • Franzi August 29, 2017

    Wie cool dass ihr den Kombi umgebaut habt! Welche Strände und Städte waren denn besonders schön die ihr in Spanien angefahren habt?

    Ich liebe Roatrips im eigenen Auto, bin zurzeit mit meinem Freund mit seinem pick-up mit Dachzelt unterwegs in Griechenland und frei stehen ist hier auch gut möglich:) (Festland im Norden des Landes) Das Dachzelt kann ich nur empfehlen, das mit dem Umklappen wie bei eurer Version entfällt dann 🙂 Und ich stimme dir zu, Sanitäre anlagen weiß man nach so einer Reise wieder zu schätzen:D

    Lieben Gruß

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    • Denise August 31, 2017

      Hi liebe Franzi,
      danke dir für deinen Kommentar Euer Trip klingt auch super toll! Und das mit dem Dachzelt ist eine geniale Sache, wie ich finde, denn das Umbauen nimmt schon seine Zeit in Anspruch.. Wo seid ihr denn in Griechenland unterwegs?
      Um ehrlich zu sein wüsste ich gar nicht mehr die Namen der Strandbuchten, allerdings hat mir die Gegend zwischen Asturien und Galizien besonders gut gefallen. Auch Oviedo war eine tolle Stadt, die ein wenig im Inland liegt. Ein Fotopost der Reise folgt übrigens heute, wenn du mal reinschauen magst 🙂
      Ganz liebe Grüße!

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  • Marjorie Mc Donald August 28, 2017

    Love it!!!!!! ♡♡♡♡♡

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