07 Jan, 2019

Vom Backpacking zum Vanlife: Meine Art zu reisen – Früher und Heute

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07 Jan, 2019

Ich werde, wie an fast jedem Morgen, von der Sonne wach geküsst. Als Erstes nehme ich die Geräusche wahr: Das leise Pfeifen des Windes, die Wellen in der Ferne, das Zwitschern der Vögel, dessen Klang jeden Tag ein neuer zu sein scheint. Ich öffne langsam die Augen und mein erster Blick wandert zum Fenster, durch das ich meine heutige Umgebung sehe. Meterhohe Palmen, ein noch leicht diesiger Himmel. Ich bin mitten in der Natur und kann als erstes meiner inneren Stimme lauschen und mich selbst wahrnehmen, anstatt direkt von störrischen, äußeren Einflüssen in einen hektischen Alltag geworfen zu werden.

Ich bin in Brasilien, zusammen mit meinem Freund Florian. Unseren eigens ausgebauten Van haben wir verschiffen lassen und wir befinden uns nun auf der Reise durch Süd-, Zentral- und Nordamerika, der sogenannten Panamericana. Ein großer Traum, den wir uns erfüllt haben, doch bis hierhin war es natürlich ein langer Prozess…

Auch wenn das Reisen schon lang ein Teil meines Lebens ist, hat sich diese spezielle Art zu reisen, erst im Laufe der Jahre etabliert. Im heutigen Beitrag möchte ich gern auf diese Reise eingehen- von der Backpackerin zum Leben und reisen im Van- und wie die jeweilige Art zu reisen, wie ich glaube, auch verschiedene Lebensphasen widerspiegelt. Vielleicht erkennst du dich selbst in einigen dieser Phasen wieder oder kannst sogar deine für dich passende Art zu reisen finden, bzw. dich für sie inspirieren lassen.

 

Vom Backpacking zum Vanlife: Meine Art zu reisen – Früher und Heute

 

Meine ersten Reiseerfahrungen: Freiheit schnuppern

Lustigerweise war ich nicht immer reisebegeistert oder naturverliebt. Meine erste Campingerfahrung war nichts, worauf ich mich sonderlich gefreut habe, denn gefühlt hatte ich überhaupt keinen Draht zur Natur und konnte mir auch nur schwer vorstellen, wie es sein sollte, in einem Zelt unter freiem Himmel zu schlafen. Die einzigen Reisen, die ich zuvor unternommen hatte, waren die Besuche, die wir meiner Familie in Florida abgestattet hatten und der eine oder andere Trip nach Disneyland Paris oder Centerparcs in Holland und Belgien, als ich noch recht jung war. Dass mich diese erste Campingreise so umhauen würde, hätte ich im Leben nicht erwartet. Sie hat mir eine Tür in eine völlig neue Welt eröffnet. Zu meiner ersten Campingreise kannst du dir entweder diesen Blogpost anschauen oder dieses Video auf meinem Youtube Channel.

Im Anschluss an diese erste Reise, die ich mit meinem damaligen Freund und seiner Familie unternommen habe, war ich total angefixt und ich begann, zu recherchieren, wie man individuelle Reisen selbst plante. Für mich stand fest, dass ich nicht einfach Hotelurlaub machen oder mich einer Reisegruppe anschließen wollte, sondern wirklich etwas sehen und vor allem auf eigene Faust erleben wollte. Nach einigen, sehr schönen Road Trips mit Freunden nach Südfrankreich oder Spanien, plante ich meine erste, längere Backpackingreise.

 

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Während er ersten Reisen wurde die große Neugierde geweckt und ich wurde wie besessen vom Reisen.

Unterwegs als Backpackerin: Sturm und Drang

Im Alter von etwa 21 Jahren hatte mich die Reiselust soweit gepackt, dass ich alleine auf meine erste Backpackingreise durch Spanien und Portugal loszog. Die nötigen Infos und Inspiration hatte ich mir größtenteils auf Reiseblogs und in Reiseführern eingeholt- damals war ich süchtig danach, stundenlang Recherche zu betreiben- mir Orte rauszusuchen, die ich sehen wollte, Hostels, die mir gut gefielen, vorzumerken und mich für meine Reise auszustatten. Zu der Zeit war mir natürlich noch nicht bewusst, dass ich nicht jeden Schritt meiner Reise im Voraus planen konnte (und sollte), doch das eigene Sicherheitsbedürfnis wurde hierdurch wohl befriedigt und auch meine Familie fand es gut, dass ich genau sagen konnte, wann ich wo sein würde. Auf dieser Reise lernen würde ich lernen, dass mitunter das schönste am Reisen das „In-den-Tag-Hinein-Leben“ ist.

Diese Art zu reisen weicht sehr stark von dem ab, was ich heute mache. Der Drang, die Welt im Sturm zu erobern, alles mögliche zu entdecken und neues zu erleben, war extrem groß. Ich wollte ständig neue Leute kennenlernen, jede freie Minute füllen mit Dingen, die mir Spaß machten, feiern, tanzen, alle sogenannten „Sehenswürdigkeiten“ besuchen (was mir aber in Wirklichkeit nie sonderlich Spaß gemacht hat, denn die meisten „Sehenswürdigkeiten“ sind meist nicht nur mit Touristen überfüllt, sondern auch irgendwie eher statisch und selten etwas, an das ich mich langfristig erinnere).

 

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Beim Backpacken zählte für mich vor allem, möglichst viel zu sehen und zu erleben. Das hier war mein Gepäck auf meiner ersten Solo-Backpackingreise.

In ruhigeren Momenten wurde mir zwar nach und nach bewusst, dass ich mein wahres Glück nicht auf Dauer im Reisen finden konnte, doch wurde mir auch klar, dass ein „0815“-Leben nie etwas für mich sein würde, was sich bis heute bewahrheitet hat. Wenn ich zurückblicke auf diese Zeit, bin ich wahnsinnig dankbar für die Erfahrungen aus dieser Lebensphase und ich muss lächeln beim Gedanken an diese Zeiten, bin aber auch umso dankbarer für die Tiefe und Selbstreflexion in den darauf folgenden Phasen.

 

Von unterwegs arbeiten: Der Traum des digitalen Nomadentums

Nach und nach erfuhr ich von den sogenannten „digitalen Nomaden“, bzw. vom ortsunabhängigen Arbeiten. (Mehr dazu erfährst du in diesem Blogpost.) Ich war wie besessen davon, eine Art und Weise zu finden, von unterwegs von meinem Laptop aus zu arbeiten und Geld verdienen zu können, damit ich auf längere Sicht möglichst viel reisen konnte. Mit etwa 25 Jahren, einige Jahre nachdem ich die ersten Male von dieser Art zu arbeiten gehört, seither davon geträumt und mich in der Zwischenzeit selbstständig gemacht hatte, erhielt ich meine ersten Aufträge, die ich von unterwegs erledigen konnte.

Etwa 2 Jahre hatte ich selbstständig als Videografin und Cutterin gearbeitet und verschiedene Jobs gemacht (unter anderem als Host in einem Coworking Space und als virtuelle Assistentin), bevor ich tatsächlich Aufträge hatte, für die ich nicht vor Ort in Deutschland sein musste. Meine erste Langzeitreise als digitale Nomadin war eine 3-monatige Reise nach Marokko, die ich mit Flo zusammen unternahm- meine Arbeit nahm ich das erste Mal mit.

 

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Auf längere Zeit in Mietwohnungen, ähnlich wie die Locals leben: So verbrachten wir unsere 3 Monate in Marokko auf meiner ersten Reise, bei der ich meine Arbeit mit im Gepäck hatte.

Anfangs überglücklich, dass ich nun von unterwegs Geld verdienen konnte, merkte ich schnell, dass ich meine Reise nicht ganz so sehr auskosten konnte, wie es mir lieb gewesen wäre, weil ich stets nur am arbeiten war- was nicht heißt, dass mir die Arbeit keinen Spaß machte. Ich hatte mir allerdings einfach zu viel Arbeit aufgeladen zu teils ziemlich niedrigem Gehalt, vermutlich aus der Unsicherheit und Angst heraus, dass das Geld nicht ausreichen würde.

Hier nahmen Flo und ich uns oft mehrere Tage oder Wochen am Stück eine kleine Wohnung in den Orten, die uns gefielen und lebten uns so richtig ein. Beispielsweise bauten wir in Taghazout an der Küste Marokkos unsere Homebase auf und wenn wir auf Entdeckungstour gehen wollten, mieteten wir uns ein Auto, um einen Road Trip in die umliegenden Regionen zu starten. Wir kochten vorwiegend selbst, lebten quasi wie die Locals und konnten somit auch sehr günstig leben. Auch wenn ich nicht sonderlich viel verdiente, kam ich sehr gut über die Runden, vor allem weil ich ich ja in Euros verdiente und in Dirham, der marokkanischen Währung, mein Geld ausgab.

Neben den wertvollen Erfahrungen und Learnings dieser Art zu reisen (und dieser Lebensphase), nehme ich auch wahnsinnig schöne Erinnerungen, speziell von dieser Marokko-Reise, aber auch von späteren „Digital Nomad Reisen” mit.

 

Das Leben und Reisen im Van: Der inneren Stimme folgen

Wie du vielleicht mitbekommen hast, sieht meine derzeitige Art zu reisen nochmal ganz schön anders aus. Schon viele Jahre ist es mein und auch Florians Traum, einen eigenen Camper zu kaufen, diesen den eigenen Wünschen entsprechend auszubauen und mit diesem um die Welt zu reisen. Ein Traum, den wir 2018 verwirklicht haben. (Die ganze Story zu unserer Panamericana-Reise und wie es dazu gekommen ist, kannst du hier lesen.)

 

Was ich an dieser Art zu reisen so liebe?

Die Freiheit, jeden Tag dort sein zu können, wo wir gerade sein möchten, unsere wenigen Lieblingsdinge bei uns zu haben, unser eigenes Heim und demnach unseren eigenen Rückzugsort auf Reisen zu haben und so viel Zeit in der Natur verbringen zu können. Mittlerweile gehe ich es gern etwas ruhiger an. Ich bin wahnsinnig gern im Freien, lebe gern mit den Launen der Natur und verbringe gern viel Zeit damit, den Dingen nachzugehen, die mir Spaß machen, wie beispielsweise dem Schreiben, Lesen, Zeichnen, Yoga und Meditation. Ich liebe es, unabhängig und ungebunden zu sein. Mich jederzeit zurückziehen zu können. Ich mag es auch, langsam voranzukommen, mit dem Flugzeug verreisen missfällt mir in den letzten Jahren immer mehr und ich versuche das Fliegen (auch aus Sicht der Umwelt) eher zu meiden.

 

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Vanlife: Für mich der Inbegriff von Freiheit.

Auch gesundheitlich und in Bezug auf meine Lungenerkrankung, Mukoviszidose, ist das Leben und Reisen im Van optimal, weil ich stets all meine Medikamente bei mir habe, ich aufgrund unserer Solaranlage immer Strom zum Inhalieren habe und ich mich, wenn es mir mal nicht so gut geht, ausruhen kann. Ich lebe viel stärker in Verbindung mit meiner Intuition und meinem Körper, darf auf meine innere Uhr hören und arbeite trotzdem weiterhin von unterwegs (allerdings mit weitaus weniger Aufträgen, aber mit einer besseren Bezahlung. Auch hier leben wir sehr sparsam und müssen im Prinzip nur für Sprit und Essen bezahlen.)

Bei der jetzigen Art zu reisen und in dieser Lebensphase geht es für mich nicht darum, möglichst viel zu sehen oder den Empfehlungen von Reiseführern oder Reiseblogs zu folgen, sondern ganz eigene Herzensorte zu finden, an denen man sich wirklich gern aufhält und wo man komplett in die Kultur des jeweiligen Landes eintauchen kann. Es geht um tiefe Erfahrungen und Begegnungen, es geht darum, das zu tun, was die eigene innere Stimme mir sagt und nicht, was ich tun oder sehen „muss“. Wir lassen uns eher von den Menschen vor Ort mitreißen, hören uns Geschichten an, helfen mit und packen auch mit an (zum Beispiel bei sogenannten „Workaway“-Projekten).

 

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Das leben und reisen im Van ist nicht immer easy: Vor allem, wenn man sich darum kümmern muss, dass beim eigenen Haus auf 4 Rädern alles “rund läuft”.

Natürlich hat diese Art zu leben und zu reisen auch seine Nachteile und Herausforderungen, mal davon abgesehen, dass die Launen der Natur natürlich auch nicht immer gnädig sind. Es ist definitiv nicht die leichteste und bequemste Art zu reisen, da man ständig den äußeren Umständen ausgesetzt ist, es stets heißt, für sein eigenes Trinkwasser, seinen Schlafplatz, eine Toilette und eine Dusche zu sorgen. Man muss für sich kochen, egal ob es gerade stürmt oder brüllend heiß ist. Man ist darauf angewiesen, sich auf einer fremden Sprache zu verständigen und das, um teilweise recht komplexe Herausforderungen (wie zum Beispiel beim Besuch einer Autowerkstatt ) zu meistern. Doch all das ist es für mich sowas von wert. Es fühlt sich unheimlich gut an und ich bin schon gespannt, welche neuen Erfahrungen sich noch aus dieser Art zu reisen und der Panamericana-Reise selbst ergeben werden…

 

Unser neuer Channel: “Rivers and Roads” – auf Instagram und Youtube!

Wenn du uns gern auf unserer Panamericana-Reise mitverfolgen möchtest, schaue dir gern hier schon mal unser erstes Youtube-Video an, bei dem wir dir erste Einblicke in unsere Reise geben. Abonniere gern den Kanal, damit du keine neuen Videos verpasst und folge uns auch auf unserem Instagram-Kanal unter „between.rivers.and.roads“. Wir freuen uns, wenn du dabei bist

Mehr erfährst du übrigens über meine ganze Story in meinem Buch „Das Leben passiert für dich: Mit Mukoviszidose und Rucksack um die Welt“, das du unter www.daslebenpassiertfuerdich.de als gedrucktes Buch, Hörbuch oder eBook bestellen kannst.

 

Welche Arten zu reisen hast du bisher ausprobiert und welche würdest du in Zukunft gern mal ausprobieren? Was ist deine liebste Art zu reisen? Erzähle mir gern in den Kommentaren davon!

 

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3 Comments:

  • Marjorie Mc Donald Februar 11, 2019

    Love this! Such insight….you are learning so much on a daily basis. Isn’t life wonderful??!!!

    Reply

    • Denise Februar 15, 2019

      It really is… and it keeps showing its magic, again and again. Big hugs and thank you! 🙂

      Reply

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