12 Jun, 2017

Ortsunabhängig Arbeiten und Leben: Meine Reise ins digitale Nomadentum

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12 Jun, 2017

Viele Jahre war es mein Traum, „digitale Nomadin zu werden“. Auch wenn ich diesen Begriff nicht sehr gern verwende (denn häufig ist das Bild des „digitalen Nomaden“ das eines coolen Mädels oder eines Typens, der lässig am Strand vor seinem Macbook sitzt und einen Cocktail schlürft- was absolut nicht der Realität entspricht), verkörperte das „ortsunabhängig arbeiten und leben“ genau das, was ich mir erträumte- nämlich nicht zeit- oder ortsgebunden arbeiten zu müssen, sondern das Reisen mit dem Arbeiten verbinden zu können. Meine Hauptmotivation für diesen Traum war das Reisen, denn nachdem ich das Reisen für mich entdeckt hatte und die ersten Male von digitalen Nomaden, wie Conni Biesalski von Planet Backpack, Carina Stöwe von Travel Run Play und Marcus Meurer und Feli Hargarten von der DNX, der digitalen Nomadenbewegung in Deutschland, erfuhr, war klar, dass es genau das war, was ich im Leben wollte.

Doch was bedeutet eigentlich „ortsunabhängig arbeiten und leben“? Es bedeutet lediglich, dass du bei deiner Arbeit nicht an einen Ort gebunden bist, du also beispielsweise nicht jeden Tag 8 Stunden in einem Büro sitzen musst, sondern theoretisch auch von deiner Hängematte auf Bali deinen täglichen Aufgaben nachgehen kannst- alles, was du dabei brauchst ist eine stabile Internetverbindung, einen Laptop und natürlich eine Tätigkeit, mit der sich eine solche Arbeitsweise realisieren lässt. Das heißt aber natürlich auch nicht, dass du ständig unterwegs sein musst. Du kannst dir genauso gut einfach mehr Zeit mit deiner Familie wünschen und mehr Zeit zuhause verbringen anstatt im Büro. Wenn du einen ortsunabhängigen Job hast, bei dem du zusätzlich zeitlich nicht gebunden bist, d.h. du dir die Zeit, in der du arbeitest, frei einteilen kannst, hast du zudem die Freiheit der Zeit, was mir auch besonders gut gefällt, da ich meine Tage genau so planen kann, wie es mir lieb ist. Es gibt ganz typische Jobs für digitale Nomaden, zum Beispiel im Bereich Webdesign, IT, oder als virtueller Assistent, aber auch viele andere Jobs lassen sich auf diese Art und Weise ausführen- man muss nur manchmal ein wenig kreativ werden 😉 Hier einige weitere Ideen für Jobs, die sich ortsunabhängig ausführen lassen.

 

Ortsunabhängig arbeiten und leben: Meine Reise ins digitale Nomadentum

Ein steiniger Weg

Für mich war also schon recht früh klar, dass ich irgendwann meinen Traum verwirklichen wollte, digitale Nomadin zu werden, dennoch war es ein recht langer und von Umwegen geprägter Weg, bis ich die Arbeit gefunden habe, die ich zu meinem Lebensinhalt machen wollte. Und das spannende ist: was ich beruflich mache ändert sich immer wieder und wird sich auch immer ändern! Ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich niemals „nur“ Videografin sein werde oder „nur“ Autorin, oder was auch immer, denn ich persönlich liebe es, immer mal wieder neue Richtungen einzuschlagen und meine Fähigkeiten auszutesten. Ach ja, und nur kurz als Hintergrundinfo für dich, falls es dich ermutigt: Ich bin ursprünglich Schulabbrecherin, gelernte Änderungsschneiderin, habe begonnen, Modedesign zu studieren und nach 3 Semestern wieder abgebrochen, war mehrere Monate auf Reisen und auch meine Ausbildung zur Mediengestalterin habe ich nach einem Jahr abgebrochen.

In einem typischen Lebenslauf mag all das katastrophal wirken, doch ich kann nur sagen, dass ich aus jeder dieser Lebensphasen unheimlich viel gelernt habe und auch immer noch Kenntnisse anwenden kann aus diesen Zeiten und mal ganz ehrlich: Mich hat noch nie jemand nach meinem Lebenslauf gefragt und auch in meiner jetzigen Tätigkeit als Videografin und Cutterin, hat es noch keinen meiner Kunden interessiert, dass ich in diesem Bereich nicht „offiziell“ ausgebildet bin, denn sie und ich wissen, dass ich meinen Job sehr gut mache und viele andere Qualitäten und Erfahrungen mitbringe, die ich nur dadurch gesammelt habe, weil ich diese Umwege im Leben gegangen bin. Vor allem auch durch die Selbstständigkeit und Arbeit an mir selbst bezüglich meiner persönlichen Weiterentwicklung, profitiere ich im Job auch nur.

Nachdem ich also meine Ausbildung als Mediengestalterin abgebrochen hatte, da ich es satt hatte, so viel Herz und so viel meiner Zeit in etwas zu investieren, bei dem ich nicht nur finanziell so wenig wiederbekam (ich verdiente 300€ im Monat, sodass ich mir nicht mal eine eigene Wohnung oder WG-Zimmer leisten konnte), sondern auch null Wertschätzung für meine Arbeit erhielt, beschloss ich, mich selbstständig zu machen. Ich lernte in dieser Zeit in der Medienagentur außerdem, dass ich überhaupt nicht gemacht war für das typische 9 to 5-Arbeitsleben mit teilweise 60-Stunden-Wochen und dass diese Art zu arbeiten sich sogar negativ auf meine Gesundheit auswirkte, vor allem in Bezug auf meine chronische Lungenerkrankung, Mukoviszidose. Doch ich liebte meinen Job als Videografin– das Filmen und das Schneiden waren total mein Ding, denn ich konnte mich hier immer kreativ austoben, weshalb ich dann im Jahr 2015 entschied, dass dies der perfekte Job war, um meinen Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten zu realisieren.

 

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Besonders hier in Spanien ließ es sich ganz wunderbar mitten in der Natur arbeiten.

 

Die Selbstständigkeit

In dieser Zeit las ich alles zum Thema Selbstständigkeit, Videografie und Filmschnitt, was ich in die Finger bekommen konnte und begann, mein Portfolio aufzubauen. Ich nahm außerdem einen Minijob in einem Coworking Space als Host an, damit ich zumindest ein festes, monatliches Einkommen hatte. Ich startete mit eigenen, kleinen Projekten (hier siehst du zum Beispiel meine erste Kurzdoku), die zwar technisch nicht perfekt umgesetzt waren, doch sie verkörperten, wer ich als Person war und vermittelten eine klare Message. Dies zog Kunden nach und nach an und nach einigen ziemlich schlecht bezahlten „Anfangsjobs“, verdiente ich langsam etwas mehr Geld mit der Sache, vor allem auch durch das Filmen auf Hochzeiten, und mein Portfolio wurde mit der Zeit immer aussagekräftiger und auch technisch wurden meine Videos immer besser.

In dieser Zeit startete ich übrigens auch diesen Blog. Auch wenn meine Vorstellung vom Blogthema und meine Vorstellung nicht ganz so konkret waren wie heute, startete ich ihn dennoch und hegte vom ersten Moment an eine große Leidenschaft für das Schreiben. Mich plagte jedoch weiterhin der Wunsch, auch ortsunabhängig arbeiten zu können, weshalb ich Anfang letzten Jahres radikal beschloss, dass ich, egal was komme, ab Januar 2017 meine ersten ortsunabhängigen Jobs haben würde, damit ich nach langer Zeit mal wieder einige Monate verreisen konnte.

Ich setzte also dann alles daran, mein Ziel zu erreichen und tatsächlich erhielt ich Mitte letzten Jahres meinen ersten ortsunabhängigen Job als virtuelle Blogassistentin beim wunderbaren Blog „So nah und so fern“, bei dem ich meine Photoshop- und WordPress-Kenntnisse, sowie mein Englisch (schließlich bin ich mit einem amerikanischen Papa zweisprachig aufgewachsen) nutzen konnte. Wenige Monate später erhielt ich weitere, regelmäßige Aufträge, die ich komplett von unterwegs erledigen konnte, somit erreichte ich tatsächlich bis Januar mein Ziel und zog, wie du vielleicht bereits in anderen Blogartikeln von mir gelesen hast, los nach Marokko, wo ich 3 Monate blieb und meine erste digitale-Nomadenreise unternahm.

 

Hier und heute

Im Nachhinein betrachtet, weiß ich nun, dass ich mich definitiv selbst ein wenig zu sehr außer Acht gelassen habe während des letzten Jahres, weil ich so sehr auf mein Ziel fokussiert war, denn in Marokko angekommen, wurde mir genau das klar- dass ich mich nur um den beruflichen Aspekt meines Lebens gekümmert hatte, nicht aber um mich selbst. Ich empfehle dir also unbedingt, auch immer mit an dir zu arbeiten und dich selbst nicht außer Acht zu lassen, wenn du einen Traum hast, den du erfüllen möchtest. Dennoch weiß ich, dass ich mir vermutlich nicht dieses Leben hätte schaffen können, hätte ich im letzten Jahr nicht alles daran gesetzt, meine Träume zu erreichen. Dafür habe ich mich in diesem Jahr umso mehr um meine persönliche Weiterentwicklung und um meine Gesundheit gekümmert, in dem ich meine Lebens- und Ernährungsweise komplett verändert habe, worüber ich zur Zeit extrem froh bin.

 

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Seitdem ich ortsunabhängig arbeiten kann, lassen sich auch gut während des Sommers in Deutschland kleine Road Trips einbauen, hier am letzten Wochenende in Holland beispielsweise.

 

Heute bin ich offiziell Freelance Videografin und Cutterin und würde mich eher als Teilzeitnomadin bezeichnen, da ich sehr gern die Sommer in Deutschland verbringe und in dieser Zeit auch Filmjobs in Deutschland annehme, während ich in den restlichen Monaten am liebsten unterwegs bin. Hier nehme ich dann hauptsächlich Schnittjobs an, bin also vorwiegend als Cutterin tätig. Mit der Zeit würde ich gern mehr auf passive Einkommen setzen, um weniger meine Zeit direkt gegen Geld eintauschen zu müssen und auch zeitlich ein wenig mehr Freiheit zu haben. Dann arbeite ich immer noch einige Stunden in der Woche als virtuelle Assistentin und arbeite natürlich an meinem Herzensprojekt, meinem Blog.

Seit April diesen Jahres schreibe ich außerdem an meinem ersten Buch, in dem es um meine Reisen gehen wird- meine spirituelle Reise, sowie meine physischen Reisen- und in dem ich vor allem auch auf das Leben und Reisen mit meiner chronischen Erkrankung, der Mukoviszidose, eingehe. Ich möchte mit meinem Buch etwas weitergeben, das ich in den letzten Jahren gelernt habe: Dass nämlich dieses Leben ein Geschenk ist und dass wir die Hürden oder vermeintlichen Schicksalsschläge nicht als solche ansehen sollten, sondern als Möglichkeit, ein noch geileres Leben zu gestalten und dieses wunderschöne Leben noch mehr zu schätzen.

 

Ein digitales Nomadenleben gibt einem nicht alles

Für mich war damals der Gedanke, ortsunabhängig arbeiten zu können, das allergrößte. Ich habe so viel auf diesen Traum gesetzt und dachte irgendwie, dass sobald ich diesen Traum erfülle, ich alles erreicht habe, was ich je erreichen bräuchte. Heute weiß ich, dass dies nur der Anfang war. Dass das digitale Nomadenleben einem nicht alles gibt, was man sich wünscht, sondern eher einen Rahmen schafft, Grundbedingungen für ein freieres Leben, doch was wir dann mit diesem Leben machen, liegt ganz bei uns. Ortsunabhängig zu arbeiten und zu leben ist genau das: Eine Art zu leben und zu arbeiten, nicht mehr und nicht weniger. Und auch wenn ich es lebe und mächtig stolz bin, dass ich mein Ziel erreicht habe und mich riesig freue, mehr reisen zu können, weiß ich dennoch, dass es noch so viel mehr gibt. Ein Ziel wie dieses zu erreichen hat mir gezeigt, wie viel möglich ist, wenn wir wirklich mit Herz und Seele dabei sind und vor allem: wie viel weiter wir noch über uns hinauswachsen können.

 

Falls du dich für das Thema „ortsunabhängig arbeiten und leben“ interessierst oder du dir gegebenenfalls auch vorstellen könntest, auf diese Art und Weise zu arbeiten, habe ich ein paar Ressourcen für dich, die mir damals bei der Recherche und zur Inspiration sehr geholfen haben und für die ich extrem dankbar bin:

Und noch eine Lektüre zum Thema, die sehr bekannt ist in der Szene, mir persönlich allerdings nicht so ganz zugesagt hat, ist die 4-Stunden-Arbeitswoche von Tim Ferris, einem der ersten, bekannten digitalen Nomaden.

 

 

4 Comments:

  • Daniel | Sports-Insider Juni 21, 2017

    Hast Du auch schon Aufträge aus der Ferne bekommen? Das wäre bei mir so ein Knackpunkt. Bekommt man wirklich neue Aufträge, wenn man sich maximal mit dem neuen Kunden per Skype zusammentelefonierend kann oder braucht es dann doch persönliche Treffen, um zu überzeugen? LG, Daniel

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    • Denise Juni 25, 2017

      Hey Daniel! Yes, tatsächlich schreiben mich mittlerweile so einige auch z.B. aus England an und in den meisten Fällen reicht die Besprechung via Email und oft dann noch das Skype-Gespräch oder Telefonat. Das ging allerdings erst los, nachdem ich mein Online-Portfolio recht gut gefüllt hatte. Und wenn ich beispielsweise gerade unterwegs bin und in Deutschland ein Dreh anfällt, beauftrage ich meist einfach einen Freelancer, der das Filmen vor Ort übernimmt und ich kümmere mich dann um das Schneiden, das klappt bisher sehr gut 🙂 Ganz liebe Grüße, Denise

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  • Katharina Juni 12, 2017

    Und was für ein Glück ich habe, dass du letztes Jahr meine Assistentin geworden bist 🙂

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    • Denise Juni 14, 2017

      Das ist lieb von dir <3 Ich bin auch sehr froh darüber 🙂

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