21 Nov, 2017

Rastlosigkeit: Fluch oder Segen?

21 Nov, 2017

Nach dem Lesen meines Buches, „Das Leben passiert für dich – Mit Mukoviszidose und Rucksack um die Welt“, das vor einigen Wochen nun veröffentlicht wurde, kam der ein oder andere Leser auf mich zu und berichtete davon, dass auch sie dieses Gefühl kennen, das sich durch die ganze Geschichte, die ich erzähle, hindurch zieht. Es ist ein Gefühl von ständiger Neugierde, sozusagen ein innerer Antreiber, der einen dazu verleitet, von immer größeren Dingen zu träumen und immer mehr und immer neues entdecken zu wollen. Ich meine das Gefühl der Rastlosigkeit.

Bei mir setzte dieses Gefühl vor etwa 7 Jahren während meiner ersten Reise- und Campingerfahrung in Südfrankreich ein. Bis dahin hatte ich nie sonderlich Interesse daran, die Welt außerhalb der mir bekannten zu erkunden oder überhaupt kennenzulernen. Doch diese Reise entzündete eine solche Passion für’s Reisen in mir, dass ich ab dem Zeitpunkt begann, immer mehr und immer weiter zu reisen. Als ich davon erfuhr, dass man das Reisen mit dem Arbeiten ja auch verbinden konnte, war ich Feuer und Flamme. Das wollte ich unbedingt! Über die nächsten Jahre wurde ich getrieben von dieser Leidenschaft, von diesem inneren Feuer in mir und auch heute brennt das Feuer immer noch lichterloh.

 

In den letzten Wochen habe ich mir einige Gedanken zu diesem Thema gemacht, die ich gern mit dir teilen würde, denn ich bin mir sicher, dass auch du, entweder zu einem großen oder auch nur einem ganz kleinen Teil, dieses Gefühl der Rastlosigkeit kennst- speziell wenn dein Reiseherz auch so stark schlägt wie meines, wirst du wissen, wovon ich spreche. Ich möchte dir ein paar Denkanstöße geben zum Thema und dir die schönen und auch weniger schönen Seiten aufzeigen, die mit dem Gefühl der Unrast einhergehen. Aber was meine ich mit dieser Rastlosigkeit denn eigentlich?

Ich glaube, dass dieser Auszug aus meinem Buch das Gefühl der Rastlosigkeit ganz gut verdeutlicht:

 

Rastlosigkeit-gedicht-das-leben-passiert-fuer-dich

Diese Worte habe ich während meiner zweiten großen Solo-Backpackingreise in mein Notizbuch geschrieben und ich kann sagen, dass dies eine Zeit in meinem Leben war, in der ich wirklich im Moment gelebt habe, weil ich alle Sorgen bezüglich Vergangenheit und Zukunft einfach losgelassen habe und meiner inneren Stimme gefolgt bin. Ich kann die Rastlosigkeit nur als ein inneres Lodern beschreiben. Wenn meine Gedanken so daher schweifen und ich vor mich hin träume und mir ausmale, was alles möglich ist, wo mich der Weg noch hinführen kann, was ich alles noch entdecken möchte und darf, schlägt mein Herz in der Brust gefühlt doppelt so stark und laut wie sonst. Die Dinge, bei deren Gedanke mein Herz am stärksten schlägt, ist meist das, was ich als nächstes in Angriff nehmen möchte- so auch bei der Entscheidung, meinen Blog zu starten, digitale Nomadin zu werden oder mein Buch zu schreiben.

Rastlos zu sein oder einen sehr großen, rastlosen Anteil in sich zu tragen kann wirklich wunderschön, aber manchmal auch tierisch anstrengend sein und das Leben verkomplizieren (oder auch vereinfachen- je nachdem!). Hier ein paar Gedanken zu diesem inneren Feuer:

 

Dem Herzen folgen

Wenn du sehr rastlos bist und dieser Stimme in dir auch nachgehst, eröffnet sich dir eine ganz neue Welt. Du lernst, in dich zu horchen und speziell bei großen Entscheidungen, auf dein Herz zu hören, was meiner Meinung nach, die beste Art ist, Entscheidungen zu treffen. Du hörst wirklich auf die Stimme in dir, anstatt auf die Stimmen, die von außen laut auf dich einreden und lässt dir deine Entscheidungsfreiheit nicht nehmen. Wenn du deinem Herzen bzw. dieser inneren Stimme folgst und deinen Träumen nachgehst, sollten es Reiseträume oder sonstiges sein, lernst du auch schnell, zu wie viel du in Wirklichkeit imstande bist und kannst immer größeren Träumen nachgehen. Das macht unglaublich stark, mutig und ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben.

 

Die innere und äußere Welt

Manchmal fällt es schwer, die innere Welt- deine Wünsche und Träume- mit den Sorgen, Bedürfnissen und Erwartungen deiner Umwelt zu vereinbaren. Während du so daherträumst und am liebsten die Welt im Sturm erobern würdest, gibt es häufig Menschen, die glauben, dass du beim Greifen nach den Sternen versagen wirst und deine Ideen und Vorstellungen schlechtreden. Hier ist es wichtig, abzuwägen, ob diejenige Person einfach nicht die selbe Vorstellungskraft besitzt wie du, bzw. dich vielleicht darum beneidet, dass du deinen Träumen nachgehen möchtest oder es sich um wirkliche Sorgen und gutgemeinte Ratschläge handelt. Lasse dir jedoch niemals einreden, dass du deine Träume nicht erreichen kannst! Es gibt genügend Beispiele von Menschen, die Dinge erreicht haben, von denen niemand dachte, dass sie möglich seien, sie aber mit viel Mut und Durchhaltevermögen ihr Ziel erreicht haben!

 

Irgendwo zwischen Himmel und Universum

Wenn du ein sehr rastloser Mensch bist, weißt du vielleicht, was ich meine: Du fühlst dich ein wenig so, als würdest du schweben, du bist so damit beschäftigt, dem Leben deiner Träume nachzugehen, dass es unheimlich schwer fällt, dich zu erden, präsent auf dieser Erde zu sein. Dir fehlt der Boden unter den Füßen, es fällt dir sehr schwer, in jedem Moment Glück und Zufriedenheit zu finden, weil du ständig nach „etwas anderem“ suchst, bzw. dem nächsten Traum nachrennst. Du hast das Gefühl, als würdest du nie richtig irgendwo „ankommen“. Diese fehlende Erdung und Stabilität verursacht manchmal ein Gefühl von Angst, oder als würde das eigen erbaute „Kartenhaus“ in jedem Moment zusammenfallen. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl und kann einen immer wieder einholen. Auch kann es sehr anstrengend sein, immer neuen Träumen, Wünschen und Leidenschaften nachzugehen, weil dann jeder Tag gefühlt einfach zu wenig Stunden hat und du dich immer sehr abmühst, deine Ziele zu erreichen.

 

Mein Tipp: Mir persönlich hilft es, einen Ort der Ruhe und Geborgenheit in mir zu schaffen, vor allem durch Meditation und indem ich immer wieder in mich gehe und horche, was mein Körper und meine Seele brauchen. Auch, indem ich mich immer wieder daran erinnere, im Moment zu leben und zusätzlich im Außen Orte finde, an denen ich mich persönlich ganz zuhause fühle, kann ich mich immer wieder erden. Wichtig ist auch, wie ich aktuell nochmal beim DNX Camp in Dahab, Ägypten erlebe, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben, die verstehen, wie es dir geht und ähnlich groß träumen und viel erleben wollen, genau wie du.

 

Rastlosigkeit

Besonders aktuell hier beim DNX Camp in Ägypten merke ich, wie wichtig es auch ist, sich mit Menschen zu umgeben, die ähnlich ticken, wie man selbst, denn das erdet sehr. Photo Credits: Lisa Bauer ♥️

Leben vs. Existieren

Es gibt Menschen, die wenig Leidenschaft in sich tragen, die jeden Tag völlig unreflektiert leben und gar nicht erst in Betracht ziehen, ihr Leben zu überdenken oder irgendwelchen Träumen nachzugehen. Oft wissen sie gar nicht, wonach sie sich sehnen oder dass es noch eine andere Welt da draußen gibt. Diese Menschen tun nichts anderes als existieren, sie leben nicht. Du musst zwar kein rastloser Mensch sein, um wirklich zu leben- das kannst du auch, indem du dir ein Leben erschaffst, mit dem du persönlich glücklich bist- aber ich kann auf alle Fälle aus voller Überzeugung sagen, dass ich die letzten Jahre wirklich gelebt habe und das jeden Tag auf’s Neue tue. Und ist das nicht die absolute Hauptsache im Leben?

 

Ich persönlich bin, nach einigem Hin und Her, was das Thema Rastlosigkeit anbelangt, unglaublich froh darum, dass dieses innere Lodern vor einigen Jahren in mir entfacht wurde und ich jeden Tag auf’s Neue immer größer träume und immer wieder dem nachgehe, was mein Herz mir sagt, so anstrengend oder kompliziert es manchmal auch sein mag. Ich liebe diese Höhen und Tiefen im Leben und könnte selbst einfach kein von Monotonie geprägtes Leben führen. Ich bin froh, aufgrund dieser Rastlosigkeit in mir, so viele unglaublich schöne und aufregende Momente erlebt und in mich aufgesogen haben zu dürfen- bei alledem ist nur wichtig, zu lernen, das Leben auch so, wie es ist, schätzen und lieben zu lernen und das eigene Glück oder die eigene Zufriedenheit nicht an das Erreichen irgendwelcher Ziele zu knüpfen à la „Wenn ich XY erreiche, werde ich glücklich“. Wenn du also diesen rastlosen Anteil in dir hast, der dir etwas mitteilen möchte: Horche, was diese Stimme sagen möchte und freue dich, dass es diesen Teil in dir gibt!

 

Bei diesem Thema bin ich super gespannt, wie deine Meinung dazu lautet: Fühlst du dich auch manchmal rastlos? Glaubst du, dass Rastlosigkeit ein Charakterzug ist oder lediglich zu einer „Sturm- und Drang“-Phase dazugehört und mit den Jahren schwindet? Sind wir umso rastloser, je weniger wir beispielsweise in unserer Kindheit gereist sind? Lasse mir gern einen Kommentar da- ich würde mich riesig freuen! 

 

 

Weitere Blogposts zum Thema, die du spannend finden könntest:

 

 

4 Comments:

  • Laura von mind-set-travel.com November 26, 2017

    Da fühlen wir ganz ähnlich, Denise! Schön, dass du das so treffend in Worte fasst. Manchmal nervt es mich selbst, immer dahin zu wollen, wo das Gras angeblich „noch grüner“ ist. Mir helfen Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Dankbarkeit. Einfach auf die kleinen Details achten, mit allen Sinnen aufmerksam sein und mindestens einmal am Tag (vor dem Einschlafen) mindestens elf Dinge aufzählen, für die ich dankbar bin. Das erdet und bringt mich zurück in den Moment und an den Ort, an dem ich mich gerade befinde. Mein Tipp: Krieg ein Kind! Haha, Quatsch! Aber bei mir wird der Wunsch nach Sesshaftigkeit größer, je älter mein Kind wird. Es ist jetzt eins, und mit spätestens sechs wird es einen festen Wohnsitz haben. Was dem Reisen und der Rastlosigkeit ja keineswegs im Wege steht.

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    • Denise November 27, 2017

      Hi Laura,
      das ist ja mal spannendes Feedback, danke dir dafür! Finde ich total schön, dass du da nicht die Einschränkungen siehst mit Kind, sondern auch dann das Reisen als Möglichkeit ansiehst. Ist ja auch wahnsinnig spannend für ein Kind und ich glaube das Reisen ist sowieso die beste Bildung! Und du bringst es mit dem „Das Gras ist immer ein bisschen grüner“ auf den Punkt, dein Tipp mit der Dankbarkeit am Abend ist sehr gut, danke dir!!

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  • Leona November 23, 2017

    Liebe Denise, ein schöner Post und mir quasi aus der Seele geschrieben.. ich kenne diese Rastlosigkeit nur zu gut. Und ja, sie ist oft Fluch und Segen gleichzeitig. Aber ich habe gelernt (oder lerne ;)) sie immer mehr als Segen zu empfinden. Je mehr man sich mit den richtigen Leuten und einer Umwelt umgibt, die einen versteht und die einen inspiriert statt demotiviert desto leichter fällt es einem auch sich mit all seinen Visionen und Träumen nicht „falsch“ oder gar größenwahnsinnig zu fühlen. Solange man sich dann auch nicht bei aller Rastlosigkeit selbst verliert und sich mit Meditation, Yoga oder allem was einem gut tut erden kann kann es eigentlich nur ein Segen sein 🙂 Ich bin in der Kindheit kaum gereist – mussten und konnten wir auch nicht, weil wir daheim am Bauernhof zu viele Verpflichtungen hatten.. aber andererseits auch die tollste Kindheit erlebt haben die man sich nur wünschen kann. Umso größer ist aber jetzt auch mein Freiheitsdrang der erstmal gelebt werden muss bevor ich mir vorstellen kann „sesshaft“ zu werden. Wenn ich das eines Tages denn jemals kann. Das Leben ist zu kurz um es nur in eine Richtung zu leben. Und das ist ja das Spannende daran 🙂 Das Leben ist zum Leben da und ich hoffe dass ich diese Einstellung nie verliere.. Liebe Grüße, Leona (heimatnomadin.com)

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    • Denise November 27, 2017

      Liebe Leona,
      was für ein schöner Kommentar! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, den Post zu lesen und so ausführlich zu kommentieren! Ich sehe es sehr ähnlich, und das ist wirklich ein guter Tipp- sich immer wieder mit Menschen umgeben die ähnlich groß träumen und die einen anspornen können. Und andererseits finde ich es auch immer noch wichtig die Menschen, die Familie und die Freunde zu haben, die einen schon lange kennen, weil auch diese mich persönlich sehr erden und auch ein wenig Stabilität verleihen können. Auch wenn es sicherlich eine traumschöne Kindheit für dich war, kann ich mir auch gut vorstellen, dass im späteren Leben der Freiheitsdrang dann groß ist. Danke dir und ganz liebe Grüße aus Ägypten 🙂

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