27 Feb, 2017

Reisen in Marokko: Das Land der Hoffnung

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27 Feb, 2017

Marokko: Ein Land der Vielfalt, der Tradition, der Wärme und des Glaubens. Das Reisen in Marokko ist so, als würde man eine kleine Zeitreise unternehmen. Eine Reise aus der “westlichen Welt” heraus und hinein in eine Welt voller Magie, voller Sagen, Geschichten und Zauberei. Spürt man das erste Mal die Magie dieses Landes, von den imposanten Bergen hin zu den mitreißenden Gerüchen und Farben eines Souks, kann man sich gut vorstellen, wie hier Geschichten über Wunderlampen und fliegende Teppiche zustande kommen konnten. Ich möchte dir ein bisschen aus dieser Welt erzählen mit dieser mehrteiligen Serie über das Reisen in Marokko.

Ich werde jetzt nicht großartig auf die Geschichte des Landes eingehen, auf die Politik oder sonstige Fakten. Nicht weil sie uninteressant wären- ich würde jedem empfehlen, sich diese Dinge einmal durchzulesen, denn sie sind äußerst faszinierend und spätestens wenn du das Land bereist, wirst du einfach mehr über sie erfahren wollen- ich möchte allerdings gern aus den Augen einer Person erzählen, die dieses Land das erste Mal bereist.

Hier kannst du dir meinen Marokko-Fotopost, Teil 2 dieses Artikels oder meinen Blogpost zum Thema Kulturschock anschauen.

 

Reisen in Marokko: Das Land der Hoffnung

Herkunft und Sprache

Bevor ich nach Marokko kam, wusste ich offen gestanden sehr, sehr wenig über die marokkanische Kultur und die Menschen, die hier leben. Drum bin ich auch sehr froh, denn mich komplett auf diese neue Kultur einzulassen, war wie eine Reise in eine vollkommen neue Welt, auf die mich sowieso keine vorherigen Recherchen hätten vorbereiten können. Kulturell gesehen finde ich persönlich vor Allem die verschiedenen Herkünfte der in Marokko lebenden Menschen und deren Geschichte extrem spannend. Etwa 45% der Marokkaner sind Berber, also Ureinwohner, die zum Teil noch nomadisch in den Bergen des hohen oder mittleren Atlas leben. Weitere 45% sind arabischstämmig, somit werden in Marokko auch viele verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Neben Arabisch lernen Kinder in der Schule seit einigen Jahren die je nach Region übliche Berbersprache, sowie Französisch. In vielen Fällen wird auch Englisch- und sogar Deutsch!- gesprochen, was zeigt, wie sprachbegabt viele Marokkaner sind.

 

Das Land

In den bisherigen knapp 2 Monaten, in denen ich in Marokko gewesen bin, durfte ich schon so unendlich viele unglaubliche Dinge, Landschaften, Menschen kennenlernen, dass ich ganze Bücher über sie schreiben könnte. Bezüglich der Natur und der Landschaften kann ich nur eins sagen: Ich habe noch kein Land erlebt, das so eine große Vielfalt bieten kann wie Marokko. Neben der etlich langen Küste, zum Teil an Atlantik und Mittelmeer andockend, gibt es den wunderschönen hohen Atlas mit dem höchsten Berg Tubkal auf über 4000 Metern, die schier endlos scheinende Wüste und den im Frühjahr mit Mandelblüten verzierten Anti-Atlas.

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Solltest auf deiner Reise einen kleinen Abstecher in den hohen Atlas planen, kannst du dich auf diese und ähnlich spektakuläre Aussichten gefasst machen.

 

Fährt man durch Marokko wird einem einfach nie langweilig: Die Landschaft ändert ihren Charakter gefühlt alle 20 Kilometer, von Wüstenlandschaft zu Bergen jeglicher Art aus verschiedenstem Gestein, Geröll, Sand, in den höchsten Bergen sogar von Schnee bedeckt, hin zu Meeren von Bäumen und inmitten der kargsten Landschaft erstreckt sich manchmal ganz zur Überraschung des Reisenden eine in grün erstrahlende Oase. Nachts scheinen die Sterne so zahlreich und hell am Himmel zu leuchten, wie sonst nirgends auf der Welt. Landschaftlich also kaum zu stoppen.

 

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Gerade im Februar und März lohnt sich ein Abstecher in den Anti-Atlas, wo zu dieser Zeit die Mandelbäume in voller Blüte sind. Um diese Zeit herum findet außerdem das Mandelblütenfest statt.

 

Die Mentalität

Die Mentalität der Marokkaner stellte für mich wohl die stärkste Umgewöhnung dar- in positivem, sowie negativem Sinne. In Marokko habe ich schon die eindrucksvollsten Menschen kennengelernt. Menschen, die mit wenig leben und trotzdem umso mehr geben. Menschen, die zutiefst weise sind und eine Einsicht in ein Leben bieten, das erfüllt ist von Dankbarkeit und Liebe. Und andererseits gibt es so einige, die zwar vom Wesen her mit Sicherheit keine schlechten Menschen sind, die einen jedoch (leider!) mit ihrer unglaublich harten Art zu verkaufen manchmal wirklich zur Weißglut treiben können. Die Verkaufsmentalität in Marokko kann manchmal wirklich nervenzehrend sein, da manche Verkäufer einfach extrem hartnäckig und anstrengend sein können. Vor Kurzem war der Härtefall, als sich mir ein Ladenbesitzer in den Weg stellte, um mich dazu zu bringen, mir seinen Laden anzusehen. Zwar in keinster Weise eine bedrohliche Situation, aber schon eine, die man nicht unbedingt auf die leichte Schulter nimmt. Dies ist natürlich als klar erkennbarer Tourist kaum zu umgehen, da bei uns ganz klar das Geld liegt, hier eignet man sich allerdings mit der Zeit ein starkes Fell an und man lernt auch, wer einen nun über den Tisch ziehen möchte und wer wirklich nur Gutes will. Weitere Tipps zum Thema folgen im nächsten Teil dieser Serie.

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Einer von vielen Shops beim Schlendern durch Ait Ben Haddou- immer schön zu durchstöbern aber gerade in touristischen Orten wie hier sollte man immer etwas Geduld mitbringen.

 

Religion und Tradition

Schon kurz nach der Ankunft in Marokko wirst du mit den Bräuchen des Islam in Kontakt treten und merken, wie sehr das Land von Religion geprägt ist. Fünf Mal am Tag wird hier gebetet. Angekündigt wird dies durch ein gesangähnliches Gebet, das über Lautsprecher der Moschee der Stadt im ganzen Ort zu hören ist. Zu diesen Zeiten sieht man die Männer der Stadt entweder in die Moschee tingeln oder es wird zuhause oder von unterwegs gebetet. Mich hat sehr überrascht, dass selbst in den Orten, die in den Tiefen der Berge zu finden sind, stets der Turm einer Moschee emporragt. Was Alkohol und Zigaretten anbelangt, ist es, wie im Islam üblich: Rauchende Marokkaner sieht man auf den Straßen äußerst selten, Zigaretten werden allerdings zum Teil einzeln am Straßenrand verkauft. Auch Alkohol ist in den ganzen kleinen Läden nicht zu finden, außer man macht sich auf in einen Supermarkt in der nächsten größeren Stadt. Doch auch hier ist die Alkoholabteilung abgetrennt vom Rest des Ladens, Treppen führen hinab in sogenannte „Alcohol Caves“, wo man verschiedenste Biere, Weine und mehr kaufen kann. Schwein und somit auch Wurst oder sonstige Schweineerzeugnisse sind natürlich auch nirgends zu finden.

 

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Ein Land voller Tradition: Teppiche werden heute immer noch in vielen Regionen von Berberfrauen gewebt und mit kunstvollen Verzierungen geschmückt.

 

Der Traditionsreichtum ist etwas, das mich auf Anhieb beim Reisen in Marokko schon sehr fasziniert hat: Nicht nur in Hinsicht auf bestimmte Bräuche, sondern im Prinzip hat alles hier seinen ganz eigenen und besonderen Gang. Landwirtschaft wird noch auf sehr traditionelle Art und Weise betrieben, Hirten treiben ihre Schafherden von A nach B, man sieht Esel, wie sie schwere Lasten tragen, um Baumaterialien und große Steine zu transportieren, Häuser sind in manchen Teilen des Landes immer noch aus Stroh und Lehm gebaut und werden alle paar Jahre neu instand gesetzt, damit sie nicht durch den Regen zerfallen- alles ein wenig so, als wäre man in einem ganz anderen Zeitalter.
Vor Allem aber wird dieses Traditionsbewusstsein bei den Berbern und anderen Nomadenvölkern ersichtlich, wie sie ihre Teppiche knüpfen und mit für sie bedeutsamen Zeichen versehen, sie ihre Heiratsmärkte veranstalten und wie sie sich selbst zu verschiedenen Anlässen mit für sie typischen Schmuck und Bemalungen verzieren. Auch, dass für die Marokkaner die Familie an erster Stelle steht, finde ich sehr bemerkenswert und besonders schön, denn das ist etwas, das man meiner Meinung nach, nicht überall noch in diesem Maße erlebt.

 

Die Lebensphilosophie

Die Lebensphilosophie vieler Marokkaner finde ich besonders interessant. Die meisten Menschen, auf die man in Marokko trifft, vor Allem abseits der großen Städte und Touristenzentren, sind unglaublich offen, freundlich und auch immer wieder zu kleinen Späßen aufgelegt.
Unterhält man sich allerdings tiefer mit einigen von ihnen, kommt eine sehr spannende Philosophie zutage, die sich im Arabischen „Maktub“ nennt, was soviel heißt wie „Es steht geschrieben“. Hierbei steht der Glaube im Vordergrund, dass alles im Leben aus einem Grund passiert und alles seine Fügung hat. Da ich zu Beginn meiner Marokkoreise das Buch „Der Alchimist“ gelesen habe, in dem diese Lebensphilosophie eine große Rolle spielt, war es unglaublich spannend dieser Lebensphilosophie auch hier zu begegnen. (Übrigens eines meiner absoluten Lieblingsbücher und ein Buch, das ich dir wirklich nur ans Herz legen kann!)

Neben der Maktub-Philosophie sticht auch noch eine weitere Lebenseinstellung vieler Marokkaner hervor: Eines der Wörter, die man in Marokko nämlich mit am Häufigsten hört ist der Ausdruck „Inschallah“. Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie „So Gott will“, wird aber in den meisten Fällen genutzt, um auszudrücken, dass man daran glaubt oder darauf hofft, dass irgend etwas bestimmtes in der Zukunft passieren wird. „Inschallah“ hört man also beispielsweise in Bezug auf das Wetter, auf den Ausgang einer bestimmten Situation oder darauf, ob man sich wieder begegnen wird. Sogar in Verkaufssituationen drückt ein Verkäufer oft seine Hoffnung darauf aus, dass der Käufer am nächsten Tag wiederkommt, um seine Ware zu kaufen. Ein weiteres Zeichen des Glaubens daran, dass alles seinen Lauf nehmen und schon irgendwie gut werden wird.

 

Die Down-Sides

Klar, dass Marokko auch seine Probleme hat, denn welches Land hat diese nicht? Vielleicht gerade aufgrund des allgemein üblichen Verzichts auf Alkohol, scheint Alkoholismus einige Menschen hart zu treffen, denn ab und zu sieht man den ein oder anderen einsamen Geist stark alkoholisiert und lallend die Straße entlanglaufen. Auch das Kleber-Schnüffeln ist ein recht weit verbreitetes Problem. Die Gesundheitsversorgung ist vor Allem außerhalb der größeren Städte wie Rabat oder Casablanca eher schlecht und beispielsweise die Abwassersysteme funktionieren selten einwandfrei. Beim Reisen in Marokko trifft man außerdem häufig auf Gegenden, in denen ziemlich ärmliche Verhältnisse herrschen- oft wird man hier von ganzen Gruppen von Kindern nach einigen Dirhams gefragt. Auch Analphabetismus und mangelnde Schulbildung sind vor Allem in Regionen fernab der großen Städte nicht selten, wobei die vor kurzem eingeführte Schulpflicht diesem Problem mit Sicherheit in Zukunft entgegenwirken wird. Eine weiterführende Ausbildung oder Studium ist allerdings nur für die Wenigsten realisier- und finanzierbar. Aber auch hier geht es sicherlich mit der Zeit bergauf.

 

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Seit Kurzem besteht in Marokko eine allgemeine Schulpflicht. Hier eine Schule in einem kleinen Ort in den Bergen im hohen Atlas, wo die Kids zum Teil aus großer Entfernung herkommen.

 

Marokko als Frau

Gerade als Frau wird einem gern erzählt, dass man nicht “in ein Land wie Marokko reisen sollte, es sei einfach viel zu gefährlich”- meist hört man solche Aussagen allerdings von Menschen, die selbst noch nie vor Ort waren. Als Frau muss ich sagen, dass ich mich bisher nie unsicher oder unwohl gefühlt habe, abgesehen von den Situationen, in denen man versucht hat, mir aufdringlich etwas zu verkaufen- also nichts, was einem speziell als Frau passieren würde. Ich gebe zu, gerade als blonde Frau (und zudem noch tätowierte Frau) wird man nicht selten angeschaut und man wird auch hier und da, außerhalb von Verkaufssituationen, angesprochen, vor Allem wenn man als Frau allein die Straße entlangschlendert. Dies beschränkt sich jedoch meist auf ein einfaches „Bonjour“ oder „Hello, how are you?“ und hat noch nie ein Problem dargestellt- anstrengend kann das natürlich ab und zu sein, jedoch bedroht oder respektlos behandelt habe ich mich bisher nie gefühlt. Auch hier werde ich im nächsten Teil auf Verhaltenstipps eingehen, die sich auf meiner Reise bisher bewährt haben.

Was für mich jedoch, offen gestanden, zu Beginn relativ schwer zu schlucken war, war die Andersartigkeit der Rollenverteilung von Mann und Frau gegenüber der mir aus Europa bekannten. Da auf den Straßen und vor Allem in den Geschäften Marokkos Männer einfach überwiegen, war ich, mit Sicherheit von Vorurteilen geprägt, der Auffassung, dass Frauen in der marokkanischen Gesellschaft nachteilig oder schlecht behandelt werden, weil es auf mich wirkte, als dürften sie nicht Anteil am öffentlichen Leben haben.

Wie ich gelernt habe, ist dem allerdings nicht so. Zwar ist die Rollenverteilung schon in vielen Lebensbereichen anders, was allerdings nicht heißt, dass diese schlecht ist und dass Frauen unterdrückt werden oder nichts zu sagen hätten. Häufig hat im Haus die Frau sogar das Sagen, während die Männer sich „nur“ darum sorgen, dass die Familie die finanziellen Mittel hat, um klar zu kommen. Vor Allem auf dem Land und in den Bergen sieht man die Frauen sogar meist ziemlich hart schuften- ob es nun Feuerholz ist, das in großen Mengen transportiert, die Wäsche zum Waschen an den Fluss getragen werden muss, die Zimmer des Gästehauses liebevoll zurechtgemacht oder die Kinder versorgt werden müssen. Mit Sicherheit hat nicht jede marokkanische Frau genau die selbe Freiheit über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, wie das in manchen Ländern Europas der Fall ist. Jedoch müssen sie auch nicht einen bestimmten Weg gehen und können sich, wenn der Wille da ist, auch für eine Karriere oder was auch immer ihr Lebenstraum ist, entscheiden. All das hat keinen Einfluss darauf, wie unglaublich freundlich und herzlich der Großteil der Frauen hierzulande sind und nur weil sie gegebenenfalls ein anderes Leben führen als man selbst, heißt es nicht, dass man sich nicht trotzdem auf einer tiefen Ebene verbunden fühlen kann.

 

Im nächsten Teil dieser Serie werde ich dir einige konkrete Tipps mit an die Hand geben für das Reisen in Marokko und wie auch du das Beste aus deiner Reise nach Marokko herausholen kannst.

 

Warst du schonmal in Marokko? Würde es dich reizen, mal hierher zu reisen? Kennst du ähnliche Kulturen, die einen starken Eindruck auf dich hinterlassen haben?

 

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