07 Sep, 2016

Reisen mit chronischer Erkrankung: Die Krankenversicherung

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07 Sep, 2016

Gerade im deutschen System ist die Menge an Bürokratie, vor Allem in Bezug auf das Reisen und auf Auslandsaufenthalte, geradezu überwältigend. Wirft man dann noch die Komplikation einer chronischen Erkrankung hinzu, ist der Bürokratiesalat perfekt.

Ich habe mich mal für euch auf die Suche begeben nach wirklich wertvollen Infos zum Thema Krankenversicherung bei Reisen mit chronischer Erkrankung, habe recherchiert, gegoogelt und mit den Versicherungen selbst telefoniert. Hier möchte ich gern alle Infos, die ich so rauskriegen konnte gesammelt mit dir teilen, damit die nächste Reise vielleicht ein bisschen leichter vonstatten gehen kann und du dich ein wenig sicherer und vor Allem abgesicherter fühlst.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich keine Versicherungsfachfrau oder sonstiges bin* und nur die da draußen vorhandenen Infos für dich zusammenfassen möchte. Verlasse dich also bitte nicht zu 100% auf alle folgenden Infos und sprich in jedem Fall vor deiner Reise mit den jeweiligen Versicherungen, um die für dich optimale Lösung zu finden.

 

Reisen mit chronischer Erkrankung– Die verschiedenen Krankenversicherungsarten

Zunächst entscheidet sich je nach Reiseland und Reisedauer, welche Versicherung greifen wird.

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Solltest du in Deutschland gesetzlich versichert sein, hast du in allen Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, einen Anspruch auf Behandlung.
Hierzu zählen:

– Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern (griechischer Teil), auch: Azoren, Ceuta, Französisch-Guayana, Gibraltar, Gozo, Guadeloupe, Madeira, Martinique, Mayotte, Melilla, Réunion, Saint Barthelmy, Saint Martin (französischer Teil)

Zur Inanspruchnahme musst du nur deine Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK oder EHIC: European Health Insurance Card) beim ausländischen Arzt vorzeigen (das ist die Rückseite deiner Krankenversicherungskarte). Dies gilt allerdings nur bei einer Reise von bis zu 6 Wochen. Bei allen Reisen über diese Dauer hinaus, brauchst du auf jeden Fall eine separate Auslandsreisekrankenversicherung.

Im Prinzip ist es hier egal, ob du aufgrund deiner chronischen Erkrankung erkrankst oder einen sonstigen Notfall hast- die gesetzliche Versicherung greift hier. Das Problem hierbei ist jedoch, dass du in vielen dieser Länder das Geld für die Behandlung bar im Voraus bezahlen musst, was bis zu einer bestimmten Summe machbar sein sollte, aber doch in einigen Fällen vielleicht unbezahlbar sein kann.

Das andere Problem besteht darin, dass die Krankenkasse nur den Betrag erstattet, den du auch in Deutschland für eine bestimmte Behandlung oder ein Medikament zahlen würdest. Auf allem, was du darüber hinaus gezahlt hast, bleibst du sitzen.

 

Hier findest du weitere Infos zu den Kosten von Behandlungen und den jeweiligen Regelungen in den verschiedenen Ländern und erfährst, welche Leistungen genau von der gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt werden.

 

Die Auslandsreisekrankenversicherung

Eine Auslandskrankenversicherung ist nötig bei Reisen außerhalb der o.g. EU-Länder oder bei einer Reisedauer von mehr als 6 Wochen. Sie kann auch zusätzlich zur GKV sehr sinnvoll sein.

Eine weitverbreitete Meinung ist, dass es mit einer chronischen Erkrankung unmöglich ist, bei einer Auslandskrankenversicherung aufgenommen zu werden. Denn diese Versicherungen greifen laut Aussage nur bei “plötzlich eintretenden, schweren Krankheits- oder Notfällen”- aber nicht wenn der Gesundheitszustand sich aufgrund einer chronischen Erkrankung plötzlich verschlechtert.

Das stimmt allerdings so nicht ganz– denn wenn du vorweisen kannst, dass dein Gesundheitszustand schon über einen längeren Zeitraum stabil ist, greift die Versicherung, sollte es dir auf der Reise auf einmal wegen der chronischen Erkrankung schlechter gehen, da dies als plötzlich eintretende Erkrankung gewertet wird (der Zustand war ja stabil!). Laut ADAC ist hierfür keine vorherige Bescheinigung notwendig- falls der Krankheitsfall eintritt, wird die Stabilität des Gesundheitszustandes nachträglich beim behandelnden Arzt geprüft.

Natürlich darfst du in keinem Fall vorhersehen können, dass du im jeweiligen Reiseland behandelt werden wirst, bzw. es dürfen keine regulären Kontrolluntersuchungen oder Therapien im Ausland stattfinden.

In jedem Falle würde ich dir raten vor deiner nächsten großen Reise mit deinem Arzt zu sprechen und dir deine Reise von ihm absegnen zu lassen (vor Allem aber auch für dich zur Bestätigung!) und dir sonstige Tipps geben zu lassen zu Medikamenten, Impfungen und weiteren Vorsichtsmaßnahmen. Vor Allem aber musst du auf deinen eigenen Körper gut hören und achten. Du weißt am Besten, was dir gut tut, ob dein Zustand sich verschlechtert oder dein Körper dir Warnsignale sendet.

 

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Krank auf Reisen- wer kennt das nicht?

 

Die Langzeitauslandskrankenversicherung

Für Reisen von mehreren Monaten wirst du eine Langzeitauslandskrankenversicherung benötigen. Diese kannst du z.B. beim ADAC, der HanseMerkur, der AOK oder sonstigen Anbietern abschließen.
Hierbei sind die Konditionen bezüglich Behandlungen usw. im Ausland meist die selben wie bei der normalen Auslandsreisekrankenversicherung. (Wichtig ist übrigens, dass bei deiner ausgewählten Auslandsreisekrankenversicherung der Rücktransport im Notfall inbegriffen ist!)

 

Behandlungen wegen chronischer Erkrankung

In welchen Fällen du mit chronischer Erkrankung behandelt wirst und welche Versicherung wann greift, hätten wir also soweit geklärt. Wie sieht das aber nun konkret aus, wenn du im Ausland bist und sich deine Gesundheit plötzlich rapide verschlechtert?

Als meine Gesundheit sich letztes Jahr in Mexiko verschlechterte, wusste ich zunächst nicht warum und was ich tun sollte. Zunehmend merkte ich aber, dass dies einer Mischung von sehr starken Höhenunterschieden und dem drastischen Wechsel von Klimazone zu Klimazone in einer sehr kurzen Zeit zu verdanken war. Da ich wusste, dass ich in Kürze wieder nach Hause fliegen würde und mir sicher war, dass mein Zustand stabil genug war, bin ich nicht in Mexiko zum Arzt gegangen. Wäre ich länger vor Ort geblieben, hätte ich mich mit Sicherheit anders entschieden.

Wenn du im Ausland plötzlich merkst, dass dein Zustand rapide bergab geht oder dein Zustand sogar kritisch ist- bitte suche einen Arzt auf. Hierzu lege ich dir ans Herz, vorher zu recherchieren, wo du eine Fachklinik auffinden kannst, um dich direkt vom Spezialisten behandeln zu lassen (siehe hier allgemeine Tipps zum Reisen mit chronischer Erkrankung). Je nach Land streckst du hier das Geld vor, lässt dir den Beleg geben und schickst diesen bei deiner Krankenkasse ein. Hier kannst du einsehen, in welchen Ländern du mit der Europäischen Krankenversicherungskarte vorstrecken musst und wenn ja, in welcher Höhe.

Die Erstattung des vorgestreckten Betrages erfolgt innerhalb weniger Wochen. Bei teureren Behandlungen oder stationären Aufenthalten übernimmt die Versicherung auch direkt die Kosten- so zumindest bei der Auslandsreisekrankenversicherung.
Weitere Infos zum Thema hier.

Wie oben schon beschrieben, ist hier allerdings das Problem, dass du auf den Kosten sitzenbleiben könntest, die du im Ausland mehr zahlst als bei einer Behandlung in Deutschland. Daher kann es auch sehr sinnvoll sein, zusätzlich zur GKV eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen.

 

Medikamente im Ausland besorgen

Europa:
Mit einer Verschreibung deines behandelnden Arztes in Deutschland kannst du prinzipiell im EU-Ausland Medikamente besorgen. Hier ist jedoch wieder die Sache, dass du für die Medikamente gegebenenfalls vorstrecken musst, was bei den Medikamenten, die ich bei meiner Erkrankung Mukoviszidose benötige aber überhaupt nicht in Frage käme, da diese viel zu teuer sind. Das andere Ding ist, dass es gut möglich ist, dass es das Medikament im jeweiligen Reiseland evtl. gar nicht gibt (z.B. bei Mukoviszidose sind viele Medikamente sehr neu und nicht in jedem Land erhältlich).

Ein weiterer Punkt: Je nach Land sind Rezepte zum Teil nur für eine bestimmte Zeit gültig. Was bedeutet, dass du auf einer längeren Reise dieses Rezept gar nicht einlösen kannst.

Hier findest du weitere Infos dazu, was für Angaben auf dem Rezept enthalten sein müssen, damit diese im Ausland angenommen werden.

“Als EU-Bürger/-in haben Sie mit der EKVK (Europäische Krankenversicherungskarte) bei unerwarteter Krankheit während eines vorübergehenden Auslandsaufenthalts – egal ob im Urlaub, auf einer Geschäftsreise oder zum Studium – denselben Anspruch auf notwendige Behandlung wie im betreffenden Land versicherte Personen. Dies bedeutet, dass Sie in der Apotheke denselben Satz zahlen wie jemand, der in dem betreffenden Land versichert ist und wohnt. In einigen EU-Ländern kann dies bedeuten, dass Sie nichts bezahlen, in anderen müssen Sie eventuell einen bestimmten Betrag zur Deckung der Kosten der Verschreibung oder den vollen Betrag für das Medikament zahlen müssen.
Wenn Sie keine Europäische Krankenversicherungskarte haben, müssen Sie die vollen Kosten des in der Apotheke gekauften Produkts entrichten. Nach Ihrer Rückkehr sollten Sie dann eine Erstattung bei Ihrer Versicherung beantragen.”
– www.europa.eu

 

Reisen mit chronischer Erkrankung außerhalb der EU:
Solltest du außerhalb der EU Medikamente benötigen, werden diese nicht von der Auslandskrankenversicherung übernommen. Je nach Versicherung kannst du allerdings die Option anwählen, dass dir bei Medikamentverlust oder wenn z.B. deine Tasche geklaut wird, dir die notwendigen Medikamente in Deutschland organisiert und auf schnellstem Wege per Kurier zugestellt werden.

 

Wie ich das mache

Genug zu den trockenen Infos, denn ich erzähle euch einmal, wie ich das (bisher) mache und womit ich auch bisher gut gefahren bin auf meinen Reisen:

Innerhalb Europas habe ich bisher entweder meine GKV, die ich bei der Barmer abgeschlossen habe, genutzt (hatte aber auch nie irgendwelche Situationen, bei denen ich zum Arzt gemusst hätte) oder habe bei Reisen, die länger angedauert haben als 6 Wochen, mich beim ADAC versichern lassen. Da ich eh schon ADAC Plus-Mitglied war, kam die zusätzliche Versicherung recht günstig. Im Jahr zahle ich hier inkl. ADAC-Schutz etwa 90€/Jahr. Die Krankenversicherung allein kostet hierbei je nach Tarif und Leistungen 13 bis 29 € im Jahr.

Bisher habe ich noch nicht versucht im Ausland Medikamente zu besorgen, da ich diese immer mit mir getragen habe. Wie ich meine Medikamente verpacke und mitnehme kannst du hier in diesem Post über das Reisen mit chronischer Erkrankung lesen.

Da mir einmal ein Medikament zur Inhalation abhanden gekommen ist, habe ich mir dieses von meiner Family zuschicken lassen, als ich gerade in Italien war- war gar kein Problem, nur eine Bestätigung des Arztes mit ins Paket packen lassen! Alternativ kannst du natürlich auch in ein EU-Land, in dem du für Medikamente nichts vorstrecken musst, insofern in diesem Land das Medikament verfügbar ist. Das Medikament kannst dir dann im Ausland aushändigen lassen, empfehlen würde ich jedoch bei einer großen Menge an Medikamenten die Mitnahme im Gepäck und ggf. das Nachsenden der nächsten „Ration“ von Familie oder Freunden. Natürlich kannst du dir die Medikamente auch im Voraus selbst zuschicken, wenn du weißt, wann du wo genau sein wirst.

Bei meiner nächsten Langzeitreise werde ich mich übrigens für den jeweiligen Zeitraum bei meiner GKV abmelden und nur den Langzeitkrankenschutz des ADAC in Anspruch nehmen. Mehr Infos dazu weiter unten im Post.

 

In jedem Falle ist also wichtig:

Ja, du solltest gut abgesichert sein und im Falle möchte man natürlich gut versorgt sein- aber lass dich bei all dem nicht verrückt machen! Bei deiner Reise geht es um die Wahnsinnserfahrungen, die du sammelst, die tollen Menschen, die du triffst und vor Allem aber auch um dich selbst. Daher lasse dir deine Reise nicht durch den ganzen „ungemütlichen“ Kram vermiesen 😉
(Hier kannst du übrigens von einer ganz interessanten Story lesen, die mir auf meiner Reise nach Mexiko widerfahren ist, als ich nicht genügend Asthma-Spray mit dabei hatte, die dir vielleicht zeigt, dass sich immer irgendwie eine Lösung bei Problemen auf Reisen finden lässt. 😉 )

 

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Das Wichtigste bei alledem: Nicht entmutigen lassen! Die Reise selbst sollte immer die Hauptsache bleiben.

Reisen mit chronischer Erkrankung: Die Krankenversicherung- Sonstige Infos:

– Eine Möglichkeit bei Langzeitreisen ist es übrigens, deine gesetzliche Krankenversicherung zu kündigen, bzw. auf Anwartschaft zu setzen. Du kannst du bei deiner Abreise deine GKV informieren (hierzu reicht z.B. ein Flugticket als Nachweis) und dich nach der Rückkehr von deiner Reise ganz einfach wieder bei ihnen melden. Bei deiner Rückkehr erfolgt, aufgrund der gesetzlichen Versicherungspflicht in Deutschland, ein automatischer Wiedereintritt in die Krankenversicherung, in der man zuletzt vor der Ausreise war. (Dies gilt allerdings nicht für alle, daher informiere dich vorher gut!) Hier kannst du mehr über das Thema erfahren.

– Solltest du wirklich lange in einem anderen Land leben möchten, kannst du eine sog. Internationale Krankenversicherung  abschließen (z.B. Cigna, Global Health, Globality..).
– Bist du angestellt und arbeitest im Ausland, bist du logischerweise über deinen Arbeitgeber versichert.
– Beim Thema private Versicherung habe ich selbst leider keine Erfahrungswerte. Zu dem Thema kannst du allerdings hier mehr lesen.

 

Hier kannst du meine weiteren Blogposts zum Thema „Reisen mit chronischer Erkrankung“ lesen:

 

Falls du weitere Tipps hast, gern rein damit in die Kommentare! 😃

 

 

*Alle Angaben, die ich hier mache, bewahren auf viel Recherchearbeit. Ich kann jedoch trotzdem keine rechtsverbindlichen Aussagen treffen und möchte dir auch davon abraten dich zu 100% auf die Infos in diesem Blogpost zu verlassen.

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