28 Mrz, 2017

Reisen mit chronischer Krankheit: Marokko Edition

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28 Mrz, 2017

Nach knapp 3 Monaten in Marokko, in denen ich hauptsächlich dem deutschen Winter entfliehen wollte, geht es für mich langsam wieder nach Hause. Eine sehr spannende Zeit in einem sehr interessanten Land geht zu Ende. Da es auf meinem Blog unter Anderem auch um das Reisen mit chronischer Krankheit geht und ich seit vielen Jahren mit eine Erkrankung namens Mukoviszidose durch die Welt reise, möchte ich diesen Post nutzen, um dir zu erzählen, wie ich die Medikamentenmitnahme gehandhabt habe, wie es mir gesundheitlich ergangen ist und was auch du beim Reisen mit chronischer Krankheit in Ländern wie Marokko beachten solltest.

Dies war meine erste Langzeitreise in ein nicht-europäisches Land, daher ging sie für mich mit viel Planung einher. Ich wusste allerdings auch, dass wenn etwas schief gehen sollte oder ich krank würde, ich ziemlich schnell in einen Flieger gen Heimat steigen könnte. Ich gehe hier in diesem Post vorwiegend auf die Maßnahmen ein, die ich mit meiner eigenen Erkrankung getroffen habe, diese können aber natürlich auf viele weitere Erkrankungen übertragen werden. Und nun viel Spaß beim Lesen!

Weitere Blogposts zum Thema Reisen mit chronischer Krankheit findest du hier und in meinem kostenlosen E-Book „Das kleine Handbuch zum Reisen mit chronischer Erkrankung“.

 

Reisen mit chronischer Krankheit: Marokko-Edition

Vor der Reise

Vor meiner Reise habe ich hinsichtlich meiner Reiseziele oder meinem Reiseverlauf zugegebenermaßen kaum etwas im Voraus geplant. Ich wusste in etwa, wo ich hin wollte und wie lang die Reise in etwa sein sollte. Was ich allerdings mit viel Vorsicht geplant habe, war die Menge an Medikamenten, die ich brauchen würde und wie ich diese möglichst platzsparend in meinem Rucksack unterkriegen würde, um möglichst wenig mit mir herumtragen zu müssen.

Für diese Reise habe ich also ganz pauschal 4 Monate eingeplant. Wie du hier in folgendem Foto siehst, ist da eine ganze Menge zusammengekommen. Die Medikamente habe ich dabei zum größten Teil aus ihren Verpackungen genommen, in Ziplocktüten gepackt und mit den jeweiligen Etiketten der Medikamentenverpackungen versehen. Diese Ziplocktüten habe ich dann alle zusammen in einer Packing Cube verstaut, die ich generell nutze, um Ordnung in meinem Rucksack zu bewahren.

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Ein kleine Übersicht meiner Medikamente für die Marokkoreise.

Neben meinen regulären Medikamenten (wie Inhalationslösungen, Sprays, Tabletten..) gehört bei mir auch immer ein Notfallantibiotikum mit ins Gepäck für den Fall, dass ich krank werde und der Infekt auf meine Lunge überschlägt. Einige rezeptfreie Medikamente (wie Buscopan, Nux Vomica und Meditonsin), sowie Nasenspray sind auch immer bei mir im Gepäck. Für rezeptpflichtige Medikamente, vor Allem in so großen Mengen, ist es sehr wichtig, dass du einen Wisch vom Arzt hast, der dir die Mitnahme dieser Medikamente bescheinigt. Mehr zum Thema, wie ich meine Medikamente für meine Reisen packe, findest du in diesem Blogpost und hier außerdem ein Artikel, den ich zum Thema „Reiseapotheke” geschrieben habe.

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Und hier, den Großteil der Medikamente eingepackt in ein Packing Cube- der Rest kam ins Handgepäck.

Vor der Reise habe ich mich außerdem darüber informiert, wo ich in Marokko gute Krankenhäuser finde, wie sauber das Kranwasser ist (nämlich gar nicht) und ob ich einen Adapter für Steckdosen benötigen würde (benötigt man nicht).

 

Während der Reise

Medikamente

Bei meiner Ankunft in Marokko staunten die Beamten am Flughafen beim Durchleuchten meines Rucksacks nicht schlecht. Verständlicherweise wollten sie wissen, warum ich so viele Medikamente mit mir rumtrug. Nachdem ich ihnen allerdings meine Bescheinigung vom Arzt gezeigt hatte, ließen sie mich in das Land hinein. Yippie!

Während meiner Reise hatte ich stets meinen ganzen Vorrat an Medikamenten in meinem Reiserucksack, meinem Osprey Farpoint 40, den ich beim Flug aufgegeben hatte, und eine Einwochenration meiner Medikamente im Handgepäck. Wäre mein Gepäck also zu irgendeinem Zeitpunkt verloren gegangen, hätte ich immerhin eine Einwochenration zur Hand und hätte mir den Rest von meiner Auslandskrankenversicherung, die ich übrigens beim ADAC abgeschlossen habe, zusenden lassen können. Die Medikamente an sich hätte ich dann über meine deutsche Krankenversicherung beziehen und vom ADAC per Eilservice zusenden lassen müssen. Dieses Packsystem hat sich für mich als sehr praktisch erwiesen, weil ich so die Behältnisse, die ich für meine Medikamente nutze, immer wieder auffüllen konnte mit den Medikamenten aus meinem Vorrat.

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Mein liebster Rucksack- der Osprey Farpoint 40- und ich.

Die Pillbox

Für meine Reise wurde ich diesmal von einem wunderbaren, lokalen Start-Up namens Pillbox kostenlos ver- und umsorgt. Für das Reisen mit chronischer Krankheit ist das System von Pillbox eine optimale Lösung und ich habe mich bei ihnen sehr gut aufgehoben gefühlt. Zum Service von Pillbox gehört neben der Belieferung mit allen benötigten Medikamenten, die Kontrolle von Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Medikamenten und, wenn gewünscht, die Verblisterung aller Pillen, die man täglich einnimmt, verpackt in kleine Boxen. Diese einzelnen Tütchen sind super praktisch, da man sie individuell, je nach Tag oder Tageszeit, abreißen und mitnehmen kann.

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Mit Liebe gemacht: Die Pillboxen mit guten Wünschen für die Reise.

Die Vorteile hierbei sind: Auf den Tütchen sind die jeweiligen Medikamente mit dem Namen des Patienten und der Dosierung aufgedruckt, sodass beim Security-Check am Flughafen keine Fragen offen bleiben. Ein riesiger Vorteil ist auch, dass die Tabletten nicht lose in der Tasche rumfliegen und man sich die Tabletten nicht bei jeder Mahlzeit alle einzeln raussuchen muss. Der Service war außerdem super angenehm und die Belieferung aller Medikamente für die 4 Monate Reisezeit ging sehr zügig. Der einzige Nachteil, der sich mir gezeigt hat, war, dass durch die Verblisterung der Pillen zusätzlicher Plastikmüll entsteht. Wenn man jedoch in Betracht zieht, wieviel Plastik und Pappe allgemein bei der Verpackung von Medikamenten benutzt wird, stellt dieser Müll nur eine kleine Fraktion dar. Allgemein kann ich die Nutzung dieser Pillboxen und eine Belieferung durch Pillbox also, vor Allem für das Reisen mit chronischer Krankheit, wärmstens empfehlen und ich werde den Service auch für meine zukünftigen Reisen nutzen. Mehr Infos zu Pillboxgo findest du hier.

 

Klima

Je nach Region hat mir das Klima wirklich zu schaffen gemacht, denn gerade nahe der Wüste liegt die Luftfeuchtigkeit bei bis zu 40%- bei einer Lungenerkrankung also absolut nicht zu empfehlen. Durch die trockene Luft wurde mein Hals so sehr gereizt, dass ich eine Kehlkopfentzündung bekommen habe und mich ein sehr starker Reizhusten heimgesucht hat. Aus Angst, dass meine Lunge hierdurch Schaden davontragen könnte, kam mein Notfallantibiotikum zum Einsatz. Ob dies die Sache wieder gutmachte oder ob es das Meeresklima war, bleibt fraglich.

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Gerade bei Lungenerkrankungen sollte man die Wüste leider meiden- die extrem niedrige Luftfeuchtigkeit hat zumindest meiner Lunge zu schaffen gemacht.

Hygiene

Gerade in Ländern wie Marokko muss man bei Reisen mit chronischer Krankheit sehr aufpassen. Da das Wasser aus dem Hahn, je nach Region, stark bakterienverseucht ist, ist nicht nur beim Trinken Vorsicht geboten. Auch beim Zähne putzen, beim Abspülen von Gemüse und Besteck, bei Eiswürfeln und vor Allem beim Säubern von medizinischen Geräten sollte man immer auf Wasser aus der Flasche zurückgreifen oder das Kranwasser vorher abkochen. Da ich beispielsweise immer meine Inhaletten auskochen muss, war dies teilweise recht lästig, da ich immer eine Küche brauchte, in der ich auf dem Gasherd Wasser aufkochen konnte. Hier empfehle ich, wenn möglich, einen Mini-Reisekocher und eigenes Spüli mitzunehmen- das macht die Sache wesentlich einfacher und es geht alles etwas zügiger. Desinfektionsmittel solltest du übrigens, vor Allem beim Reisen von Ort zu Ort, immer zur Hand haben! Manche Toiletten sind in Ländern wie Marokko nämlich echt nicht das Gelbe vom Ei.
Hier in dem Blogpost gehe ich auf die Hygiene in Marokko ein, hauptsächlich in Bezug auf das Essen.

 

Strom & Kühlung

Es kommt in Marokko selten vor, dass man gar keinen Strom in seiner Unterkunft hat, allerdings ist die nächste Steckdose oft nicht direkt an dem Platz, an dem man zum Beispiel gerade gern inhalieren würde. Hier empfehle ich einfach ein paar Batterien mitzunehmen oder vor Ort zu kaufen, damit man seine Inhalationen auch mal auf dem Balkon durchführen kann. Hinsichtlich der Kühlung von Medikamenten, habe ich eigentlich immer Unterkünfte gewählt, in denen eine Küche mit Kühlschrank vorhanden war. In Hotels kann man sonst einfach freundlich nachfragen, ob die Medikamente kühl gelagert werden können.

 

Fazit ist, dass das Reisen mit chronischer Krankheit in einem Land wie Marokko nicht wesentlich schwieriger ist als in irgend einem anderen Land, solange man bestimmte Hygienestandards beachtet und gut auf seinen eigenen Körper achtet. Wir wissen eigentlich immer intuitiv, was gut für uns ist, daher ist es wichtig, auf unsere innere Stimme und unseren Körper zu hören. Ich kann dir jedenfalls nur wärmstens empfehlen, auch mal ein Land zu bereisen, das kein typisches Touristenziel ist, auch wenn die Sorgen zuvor oft groß sind- das Reisen mit Erkrankung ist in solchen Ländern meist weitaus unproblematischer, als man es sich zuvor vorgestellt hat!

 

Hast du mit deiner Erkrankung schon ein Land bereist, das etwas abseits des Tourismus war? Wie war es für dich und welche Erfahrungen kannst du zum Thema teilen?

 

 

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