04 Okt, 2016

Reisen mit Krankheit: Ein How-To, Teil II

04 Okt, 2016

Im ersten Teil des How-Tos zum Reisen mit Krankheit bin ich hauptsächlich auf die Reiseplanung eingegangen. Was du wie am Besten packst, vor Allem in Bezug auf Medikamente, die du möglicherweise mit dir transportieren musst, was du im Handgepäck mitnehmen darfst oder solltest und wie du dein Reiseziel am Besten aussuchst. Bevor du diesen Artikel liest, würde ich dir außerdem wirklich ans Herz legen, diesen Blogpost zu lesen, in dem ich darüber schreibe, warum es sich so sehr lohnt trotz chronischer Erkrankung zu reisen.

In diesem Teil geht es mehr um Aspekte bei der Reise selbst. Falls du weitere Fragen/Ideen/Anregungen hast, würde ich mich sehr freuen, von dir zu hören. Entweder per Mail, hier in den Kommentaren oder in unserer brandneuen Facebook-Gruppe „Reisen mit chronischer Erkrankung“, in der reisepassionierte Menschen sich austauschen, gegenseitig motivieren und inspirieren können und zu der ich dich hiermit herzlich einlade. Also lass’ uns loslegen!

 

Wie du mit chronischer Erkrankung reisen kannst

Hygiene

Je nach Art der chronischen Erkrankung, ist eine der größten Sorgen der Hygienestandard im jeweiligen Reiseland. In einigen Fällen auch eine sehr berechtige Sorge, der man allerdings gut entgegenwirken kann.

Bei meiner Erkrankung Mukoviszidose ist es beispielsweise so, dass einige Bakterien wirklich lebensgefährlich sein können, wenn diese in der Lunge landen. Eine der gefährlichsten Bakterien ist in meinem Fall der Pseudomomas-Keim, der sich häufig in der Natur (gerade in feuchter Erde und stehenden Gewässern) vorkommt. Diese Bakterie kann auch von Muko-Patient zu Muko-Patient übertragen werden, weshalb es sich für mich nicht empfiehlt mit anderen Mukoviszidose-Patienten großartig zu interagieren. (Aus diesem Grunde darf ich beispielsweise auch nicht schnorcheln gehen, da sich genau diese Bakterie im Schnorchel sammelt.)

Zwar habe ich diese Bakterie schon von klein auf in meiner Lunge, kann deren Auswirkungen aber durch Antibiotika gut im Zaum halten. Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht zusätzliche Arten dieser Bakterie neu einfangen könnte oder dass die Bakterien nicht resistent werden könnten.

Ganz grob zusammengefasst also fiese Scheißbakterien.

Insofern bestimmte Bakterien gefährlich für dich sein können- und natürlich auch generell- ist bei der Hygiene auf Reisen mit chronischer Erkrankung also etwas Vorsicht geboten. Ich nehme bei meinen Reisen immer Desinfektionsmittel mit und vermeide Situationen, in denen ich dieser Bakterie ausgesetzt sein könnte. Hier wirst du aber mit Sicherheit selbst am Besten wissen, welche Bakterien du meiden musst und was du in dieser Hinsicht beachten musst.

Bei meiner Erkrankung müssen außerdem die Inhaletten, mit denen ich meine täglichen Inhalationen mache, ausgekocht werden. Diese spüle ich vor Ort mit Spüli aus und koche sie in einem Topf aus meiner Unterkunft (den ich vorher gründlich säubere) aus. Hierzu kann man sich auch, wie ein Leser letztens empfohlen hat, einen Babyflaschensterilisator besorgen. Diese sind relativ klein und handlich und lassen sich ganz einfach in einer Mikrowelle erhitzen- also vielleicht mal ein Versuch wert für die nächste Reise ;-).

Reisekrankenversicherung

Zum Thema Krankenversicherung habe ich hier einen sehr ausführlichen Blogartikel geschrieben, wo du mit Sicherheit einige nützliche Tipps zum Thema findest.

Sport und Ernährung

Reisen ist die absolut perfekte Gelegenheit um dich sportlich zu betätigen- und dabei auch noch verschiedene Sportarten auszuprobieren! Wie wär’s mal mit (wind-)surfen, Kayak fahren, klettern, wandern oder biken? Vielleicht kannst du nicht alles machen aufgrund deiner Erkrankung, aber dir stehen gerade auf Reisen so viele Möglichkeiten offen, es zumindest auszuprobieren.

Wenn ich verreise, versuche ich, wie zuhause auch, eine Routine beizubehalten. So gehe ich etwa 2 Mal die Woche joggen, und mache an den meisten anderen Tagen Yoga. Das Joggen ist wunderbar für meine Ausdauer und allgemeine Fitness, während Yoga einfach wunderbar ist zur Dehnung meiner Lunge und um Rückenproblemen vorzubeugen. Neben diesen Dingen gehe ich unheimlich gern wandern und schwimmen und versuche mich, wie gesagt, hier und da an neuen Dingen. Das Surfen ist seit Jahren etwas, das ich gern lernen möchte, wo ich aber leider aufgrund meiner Lungenkondition häufig schon an meine Grenzen gestoßen bin- probieren werde ich es dennoch immer wieder!

Bezüglich Atem- und Physiotherapie, die ich regelmäßig machen muss: wo kann man sowas schon besser als am Strand unter der strahlenden Sonne bei Meeresrauschen und traumhaftem Ausblick?

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist auf Reisen genauso wichtig, wie sonst auch, du hast aber die Möglichkeit geile Gerichte und verschiedene Köstlichkeiten auszuprobieren. Kaufe auf dem Markt ein, probiere verschiedene Früchte und Gemüse, koch’ dir was leckeres!

Was bei meiner Erkrankung und natürlich auch sonst extrem wichtig ist: viel Wasser und genügend Salz zu sich nehmen bei heißem Wetter.

Bei einigen Ländern ist natürlich mehr Vorsicht geboten, was das Essen anbelangt als bei anderen. Hier kannst du nachlesen, was mir in Mexiko letztes Jahr passiert ist.

reisen-mit-chronischer-erkrankung-how-to-teil-2-wandern

Sport auf Reisen mit chronischer Erkrankung: Beim Wandern auf Ios in Griechenland.

 

Vorsichtsmaßnahmen beim Reisen mit Krankheit

Wie ich im ersten Teil dieser Blogserie schon erwähnt hatte, lasse ich mir die Mitnahme meiner ganzen Medikamente vom Arzt bescheinigen. Hier gibt es einen sehr nützlichen Vordruck vom ADAC, den du dir runterladen kannst. Als Vorsichtsmaßnahme scanne ich mir diese Bescheinigung vor der Reise ein und lade sie bei Dropbox in einen Ordner hoch, in den ich außerdem Kopien meines Reisepasses, meiner Bankkarten und sonstigen wichtigen Reiseunterlagen hochlade.

Was noch wichtig ist?

Sollte dir mal irgendwas passieren, ist es natürlich wichtig, dass man genau weißt, was du für eine Erkrankung hast! Demnach packe ich immer eine Notiz in mein Portemonnaie, auf der vermerkt ist, welche Erkrankung ich habe, welche Allergien und Notfallnummern (also die meiner Eltern und meines behandelnden Arztes)- und das am Besten, je nach Land, auch in der Landessprache.

Insofern es dir irgendwie möglich ist, würde ich im Verlauf der Reise Kontakt zu deinem Facharzt beibehalten (zum Beispiel per Email), damit er dich weiterhin beraten kann. Somit fühlst du dich ggf. wohler dadurch dass du dich bei Fragen zu deiner Gesundheit direkt an ihn/sie wenden kannst.

Was du noch bedenken solltest ist auch der Stromanschluss im jeweiligen Reiseland. (Das muss ich vor Allem aufgrund meines Inhalationsgerätes bedenken.) Adapter gibt es für nahezu jedes Land z.B. bei Amazon zu kaufen.

Was, wenn der Notfall eintritt?

Falls du wirklich mal im Ausland behandelt werden musst, habe ich dir hier einige Informationen zusammengetragen, die du bei den verschiedenen Reiseländern und Versicherungsarten beachten solltest. Hier gehe ich auch darauf ein, was passiert, wenn dir z.B. deine Medikamente abhanden kommen.

Wichtig ist allerdings, dass du von vornherein weißt, was du zu tun hast, falls deine Gesundheit plötzlich bergab geht. Ich habe hier z.B. ein recht starkes Antibiotikum, das ich im Falle über 3 Wochen nehmen kann, das mir dann auch meist wirklich hilft. Sollte es solche „Notfallmedikamente“ bei deiner Erkrankung geben, nimm dir auf jeden Fall, je nach Reisedauer, eine oder mehrere Rationen mit. Natürlich ist es wichtig, dass du mit deinem Arzt Rücksprache hälst, ob du fit genug bist für deine Reise, hauptsächlich aber musst du selbst auf deinen Körper hören, denn du weißt am Besten, was du aushälst und wie es dir geht.

Gehe offen mit deiner Erkrankung um!

Gerade in Hostels hatte ich anfangs echt Bammel, mein Inhaliergerät auszupacken und vor anderen Reisenden zu inhalieren (der ein oder Andere war natürlich unter dem Eindruck ich würde da Drogen konsumieren) oder habe mich nicht getraut, bestimmte Aktivitäten mitzumachen, weil ich befürchtet habe, ich könnte nicht mithalten. Als ich aber einfach ganz offen mit der Sache umging und die Leute aufklärte, war ich überrascht, wie offen die Leute dann auch reagierten und wie hilfsbereit und nett sie waren- ohne dabei mitleidig zu werden.

Gerade bei sportlichen Gruppenaktivitäten oder Kursen (Beispiel: Surfkurse o.Ä.) ist es natürlich wichtig, den Leuten zu sagen, dass du ggf. nicht mit ihnen mithalten kannst. Mit einem Lehrer kannst du dann besprechen, ob es für dich Sinn macht, mitzumachen- Hauptsache ist, dass du selbst weißt wo deine Grenzen sind, denn Andere können das natürlich nicht abschätzen. Bei Ausflügen mit anderen Reisenden, wirst du erstaunt sein, wie rücksichtsvoll deine Mitreisenden sind, wenn du offen und ehrlich mit ihnen bist.

Raus mit dir!

Hier noch ein paar Hinweise:

 

  • Wichtig ist, dass du nicht abdriftest und vielleicht nachlässig wirst mit deiner Medikamenteneinnahme (ja, das kenne ich zu gut!), dem Sport und deiner Ernährung.
  • Nutze, dass du dir das Klima aussuchen kannst, das dir gut tut und nutze die Sportmöglichkeiten vor Ort, um dich auf deiner Reise wirklich zu erholen und deine Gesundheit zu verbessern.
  • Nimm dir die Zeit, die dein Körper braucht. Hetze nicht von einem Reiseziel zum nächsten, sondern gönne deinem Körper auch die Ruhepausen. Das langsame Reisen ist nicht nur wichtig für deine Gesundheit, sondern ist überhaupt viel schöner, da du viel mehr in die Kulturen eintauchen kannst.
  • Höre auf deinen Körper, horche in dich hinein und tu, was deinem Körper und deiner Seele gut tut. Ignoriere nicht die Anzeichen, die dein Körper und deine Intuition dir geben, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder deine Gesundheit sich verschlechtert.
  • Sei bei Allem aber auch nicht zu übervorsichtig, sondern lasse dich auch mal treiben, du sollst deine Reise genießen und dir nicht ständig Sorgen machen. Hier gilt einfach:

Lass dich und dein Leben nicht von deiner Krankheit bestimmen, DU sitzt im Fahrersitz deines Lebens!

Also, worauf wartest du? Trau’ dich auf deine (vielleicht erste) Reise! Es mag recht viel Aufwand sein in der Planung und es mag auch eine große Überwindung sein, aber glaub mir, es lohnt sich verdammt nochmal!
 

Möchtest du deine (erste) eigene Reise mit chronischer Krankheit starten? 

Dann ist mein eBook-Ratgeber “Reisen mit Krankheit: Sprenge deine Grenzen!” womöglich etwas für dich! Erfahre alles dazu hier.

 

 

..und hier der Link zu unserer Facebook-Gruppe “Reisen mit chronischer Erkrankung“, zu der ich dich ganz herzlich einlade.

 

Was hält dich vom Reisen ab? Welche Punkte sind für dich vielleicht nicht realisierbar?

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