05 Jun, 2016

Reisen mit Krankheit: Das Warum

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05 Jun, 2016

Zugegebenermaßen habe ich ein wenig damit gehadert, ob ich das Thema “Reisen mit Krankheit” behandeln soll oder nicht. Als ich Travelous Mind Anfang diesen Jahres gelauncht habe, wollte ich einfach eine Platform haben, auf der ich meine Reiseerfahrungen mit Anderen teilen kann. Auf der ich auch tiefgründigere Gedankengänge teilen und im besten Falle: Menschen inspirieren kann.

By the way: Click here to read this post in English.

Meine Erkrankung Mukoviszidose dabei zu einem Thema zu machen, war nie meine Absicht. Bis dato habe ich das Thema auch oft gemieden, weil ich immer dachte, man könnte meinen, ich wollte Mitleid oder Aufmerksamkeit erregen. Solang ich denken kann, wollte ich einfach so normal wie möglich leben und wirken und ich bin auch sehr froh darüber, dass ich nie in diese Leidensmentalität gedriftet bin.

 

Heute weiß ich aber auch, dass meine Erkrankung mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Und dass ich stolz darauf sein darf, so gut mit ihr umgehen zu können. Und vor Allem: trotzdem ohne Ausnahme meinen Träumen nachzugehen.

Was ich auch gemerkt habe in den wenigen Monaten des Bloggens: Ich kann Menschen mit dem, was ich mache, inspirieren. Und das ist ein absolut unbeschreibliches Gefühl und sehr, sehr wichtig für mich. Menschen, die mir schreiben, dass auch sie an einer Erkrankung leiden und dass sie auch gern mehr von der Welt sehen und ihren Träumen nachgehen würden- ich kann das Gefühl gar nicht in Worte fassen. Demnach möchte ich mich nun diesem Thema widmen. Möchte nicht davor zurück schrecken und ganz offen und unverblümt darüber schreiben.

Über das Reisen mit Erkrankung.

 

Reisen mit Krankheit

 

Ich möchte gern in diesem Blogpost auf das Reisen mit Erkrankung generell eingehen und dir erklären, warum ich, trotz einiger Weichen, die mir durch die Erkrankung gestellt werden, reise und warum auch du es tun solltest (ob mit oder ohne Erkrankung). Im nächsten Teil möchte ich dir dann gern konkrete, praktische Tipps geben, was z.B. die Mitnahme von Medikamenten usw. anbelangt.

 

Eine gute Nachricht vorweg: Reisen mit Krankheit ist nicht einfach, aber es ist ohne Frage, absolut und zweifellos machbar!

 

Als kurze Info für diejenigen, die nicht wissen, was Mukoviszidose ist: Mukoviszidose (oder kurz CF= Cystic Fibrosis) ist eine angeborene, vererbbare Stoffwechselerkrankung, die sich hauptsächlich auf die Lunge, aber auch den Großteil aller anderen Organe auswirkt. Durch diesen Gendefekt funktioniert der Transport von Wasser und Salz im Körper nicht vernünftig- Menschen mit Mukoviszidose haben also Probleme mit der Atmung, häufigere Atemwegserkrankungen bis zu Lungenentzündungen und einige andere Symptome.

Was das für uns bedeutet? Ganz kurz zusammengefasst: Viele Inhalationen, Atemtherapie, Medikamente (Antibiotika, Enzyme, Vitamine, Lebertabletten..), eine etwa halbjährliche, intravenöse Antibiotikakur über 2 Wochen jeweils, eine niedrigere Lungenfunktion (bei mir etwa 50% der eines Gesunden), demnach Probleme mit der Atmung, viel Husten, eine verkürzte Lebensdauer (durchschnittlich etwa 35 bis 40 Jahre) und ggf. eine Sauerstoffversorgung (in meinem Fall nicht). Gerade im Bezug auf das Reisen ist eines der größeren Probleme, dass eine stinknormale Erkältung, oder im schlimmsten Falle mehrere aufeinanderfolgende Erkältungen, recht schnell recht scheiße verlaufen kann.

All das hat natürlich einen Einfluss darauf, wie ich reise(n kann), vor Allem aber pusht mich all das auch, es trotzdem zu tun, denn wie du dir vielleicht vorstellen kannst: Ich habe mir schon viele Gedanken zum Thema „Zeit” gemacht und weiß auch sehr gut, dass alles sehr schnell vorbei sein kann. Darum also, finde ich, sollten wir unsere Zeit weitestgehend nutzen für die Dinge, für die unser Herz brennt.

 

Reisen mit Krankheit: Die Downsides…

 

Ja, es gibt so einige Kehrseiten und Hürden, die man bewältigen muss, wenn man mit Erkrankung reisen möchte.

Es gibt auf der Reise Dinge, die ich zum Beispiel nicht machen kann oder wo ich mit Mitreisenden nicht mithalten kann, weil mir die Puste einfach schnell ausgeht. Dazu gehört zum Beispiel das Surfen (ich werde allerdings nie aufhören, es zu probieren 😉 ), das Schnorcheln (das darf ich z.B. gar nicht, weil sich in dem Equipment oft Bakterien befinden, die für mich ziemlich gefährlich sind) oder sonstige, extremere Sportarten, die auch eher eine Schwierigkeit für mich darstellen.

Auf langen Flügen habe ich schon das Problem gehabt, dass ich ziemlich schlecht Luft kriege aufgrund der Höhenlage, genauso wie an Orten, die sehr hoch liegen (Machu Picchu wäre demnach vielleicht nicht der idealste Ort für mich). Auch große Metropolen versuche ich eher zu meiden (Mexiko City war z.B. nicht gerade Balsam für meinen Körper), ebenso wie Touren, bzw. Road Trips, wo ich mehrere Klimazonen und Höhenlagen durchquere (das war in Mexiko der Fall, da wurde meine Lunge etwas in Mitleidenschaft gezogen). Ein Problem ist natürlich auch die Mitnahme und das Einnehmen der ganzen Medikamente, das Inhalieren und die Atemtherapie, z.B. in Hostels, das Säubern der Inhaliergeräte usw. Dazu gibt es aber im nächsten Teil mehr Infos.

Das, was ich allerdings als am Schlimmsten empfinde, sind diese (eher seltenen) Angstmomente, die bei mir bisher vielleicht 2 Mal auf Reisen eingetreten sind, wenn sich meine Gesundheit nach ein oder mehreren Erkältungen aufeinmal verschlechtert hat und es mir dann recht dreckig ging. Für den Fall nehme ich aber grundsätzlich Notfallmedikamente bzw. Notfallantibiotika mit und weiß dann auch meist, was zu tun ist. Ansonsten: Ärzte gibt es überall auf der Welt. 😉

 

…und warum du es trotzdem tun solltest.

 

Sicher, das Reisen ist eine Herausforderung bei diesen Hürden, keine Frage. Und doch würde ich es für nichts in der Welt aufgeben.

Dir wird beim Reisen klar, wie gut du es hast, mit oder ohne Erkrankung, wenn du siehst, wie so manch andere auf dieser Welt dran sind. Zumal wir in Deutschland (oder Europa generell, in den USA, Kanada..) eine sehr gute medizinische Versorgung haben im Gegensatz zum Rest der Welt. Du kannst dorthin, wo es deinem Körper am Besten geht und das tun, was für deine Seele am Besten ist. (Für mich ist es mit meiner Lunge der absolute Idealfall am Meer zu sein wegen der salzigen Luft.) Du lernst auf Reisen, das Leben noch mehr zu schätzen. Du weißt, wofür du jeden Tag deine Medikamente nimmst, Sport machst und dir generell einfach den Arsch aufreißt.

 

Lass’ dich nicht von deiner Erkrankung definieren oder dein Leben bestimmen.

 

Zwar trägt man eine Riesenportion Verantwortung für sich selbst und seine Gesundheit. Man muss super selbstständig sein und gut auf seinen Körper achten und auf dein Inneres hören. Dafür geht mit alldem aber auch eine Riesenportion Freiheit einher. Es katapultiert dich heraus aus dem „Krankendasein“ und hinein in ein „Selbstbestimmungsdasein“.

Lasse dich nicht von deiner Erkrankung definieren oder dein Leben von ihr bestimmen. Die einzige Person, die dich definieren darf, bist ganz allein du.

 

Deswegen solltest auch du es wagen und DEIN Ding machen.

 

Als kurzer Anhang: Mir ist klar, dass nicht jede Krankheit ist wie meine, und dir möglicherweise noch mehr Steine in den Weg gelegt werden als mir. Trotzdem möchte ich dich gern ermutigen und dir ggf. Wege aufzeigen, wie du es trotzdem tun kannst oder dir den Mut geben, einen Weg zu finden, es trotzdem zu tun, insofern irgendwie möglich.

 

Hier findest du weitere Blogposts zum Thema “Reisen mit chronischer Erkrankung”:

 

Hast du irgendeine Erkrankung, die für dich ein Hindernis darstellt? Was hält dich davon ab, deinen Träumen nachzugehen? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder sonst etwas, das du im Zusammenhang mit dem Thema erzählen möchtest? Ab damit in die Kommentare oder per eMail an mich an denise@travelousmind.com!

 

 

 

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