08 Mai, 2017

Soul-Striptease, Teil 2: Leben mit Mukoviszidose – Von Ängsten und Sorgen

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08 Mai, 2017

Nach außen hin mag es so wirken, als würde ich mein vielleicht eher ungewöhnliches Leben, mit all den Reisen, ganz unbedacht und ohne Sorge angehen und leben. Dem ist natürlich nicht so, denn auch, wenn ich mein Leben sehr genieße und glücklich darüber bin, so leben zu können, wie ich es tue, hatte und habe ich natürlich auch meine Ängste und Sorgen. Heute möchte ich mich den Ängsten und Sorgen widmen, die mit einem Leben mit Mukoviszidose einhergehen, um auch die Kehrseiten aufzuzeigen, denn ich bin mir sicher, dass viele Menschen, ob nun mit Mukoviszidose, sonstigen Erkrankungen oder gar kerngesund, ähnlich empfinden.

 

Leben mit Mukoviszidose – Von Ängsten und Sorgen

Ich möchte dir gern zeigen, dass auch ich nicht geboren wurde mit der sofortigen Intention, all meine Ängste über Bord zu werfen, die Welt zu bereisen und digitale Nomadin zu werden. Das sind Dinge, die sich über die Zeit entwickelt haben und auch wenn ich stolz darauf bin, diese Dinge durchgezogen zu haben- einfach und frei von Angst waren diese Prozesse keinesfalls. Hier sind einige Dinge, die mir persönlich Angst machen oder Angst gemacht haben, die besonders mit dem Leben mit Mukoviszidose zusammenhängen, aber mit Sicherheit auch viele andere Menschen kennen:

 

Von der Angst, etwas zu verpassen

Ja, diese Angst lauerte sehr lange und sehr intensiv in mir und erscheint immer mal wieder. Diese Angst, etwas zu verpassen, ist etwas sehr anstrengendes, weil du ständig „auf zack“ bist und eine immer wiederkehrende Rastlosigkeit verspürst. „Dies musst du noch machen und das!“, „Damit verschwendest du jetzt deine Zeit!“ und „Das könntest du aber jetzt noch machen statt..!“, sind häufig dich begleitende Gedanken dieser Angst. Was hier hilft? Sich immer wieder ins Hier und Jetzt zurück beamen, durchatmen und sich klar machen, dass dieser Moment genau jetzt gut genug, oder gar perfekt, ist.

 

Von der Angst vor der Reue..

..und im gleichen Zuge: Von der Angst, falsche Entscheidungen zu treffen oder „falsche Lebenswege“ zu gehen. Diese Angst hatte ich im frühen Erwachsenenalter sehr stark, weil ich die Furcht davor hatte, am Ende meines Lebens meine Entscheidungen zu bereuen. Vor Allem wegen der Erkrankung, glaubte ich, dass ich nicht allzu viel Zeit hätte und fühlte dadurch einen extremen Druck, mich für bestimmte Lebenswege fest entscheiden zu müssen. Falls dich diese Angst einnimmt: Werde dir bewusst, dass deine Entscheidungen IMMER gut sind. Vor Allem, wenn du sie aus dem Bauch heraus triffst und dich nicht fremdbestimmten lässt, kannst du nichts falsch machen. Denn so oder so, wird deine Entscheidung ein gutes Ende haben, weil du entweder für dich merkst, dass es der richtige Weg für dich war oder du merkst, dass es das nicht war und lernst aus deiner Erfahrung. Demnach ist hier das Stichwort: Vertrauen. Vertraue in dich und in das Leben.

 

Von der Angst des „Nicht-Wählen-können“s

Manche Dinge können wir einfach nicht beeinflussen. Und das ist auch gut so! Ich hatte beispielsweise früher die Angst, aufgrund der möglichen Einschränkungen beim Leben mit Mukoviszidose, keine Familie gründen zu können, wenn es denn soweit kommen würde, dass ich das mal wollte. Und dieser Satz beinhaltet irgendwie schon die Lösung: Wir müssen akzeptieren, dass wir die Zukunft nicht kontrollieren können- wenn diese Dinge sein sollen, werden sie passieren- deshalb: Lasse los! Dich vorher schon vor Sorge verrückt zu machen, macht dich nur krank und ändert im späteren Verlauf rein gar nichts.

 

Von der Angst vor dem gesundheitlichen Tief

Diese Angst sucht vor Allem im Leben mit Mukoviszidose manchmal gern heim: Die Angst, dass es gesundheitlich vom einen auf den anderen Tag gesundheitlich bergab gehen könnte. Vor Allem bei Mukoviszidose gibt es einige Bakterien, die, wenn sie sich in der Lunge festsetzen, gravierende Folgen auf die Gesundheit haben können. Auch Viren oder ganz normale Infekte, wie eine Erkältung, können einen dazu bringen, sehr schnell sehr krank zu werden. Angst macht dies vor Allem, weil man so wenig Kontrolle darüber hat, ob man nun mit bestimmten Keimen in Kontakt tritt oder nicht. Ich habe allerdings eingesehen, dass es keinen Sinn macht, sich Sorgen darüber zu machen und auch vom Reisen würde ich mich deshalb nicht abhalten lassen- denn gefährliche Bakterien kann ich mir überall auf der Welt einfangen und der Arzt zu Hause ist meist in nur wenigen Stunden mit dem nächsten Flieger erreicht. Vorsichtig bin ich natürlich trotzdem, doch lasse ich mich nicht von dieser Angst übermannen.

 

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Ja, das Leben mit Mukoviszidose bringt Ängste mit sich- aber es gilt, sein Leben nicht von diesen Ängsten bestimmen zu lassen.

Die Lösung: Achtsamkeit

Es ist absolut normal, vor Allem beim Leben und Reisen mit Mukoviszidose oder sonstigen Erkrankungen, bestimmte Ängste und Sorgen zu haben, dennoch kannst du dem entgegenwirken- nämlich durch Achtsamkeit. Werde achtsam, indem du dir über deine Ängste bewusst wirst. Akzeptiere, dass sie da sind und versuche sie zu verstehen. Nehme sie dann dankbar an und erlaube ihnen, da zu sein, aber erlaube ihnen nicht, dich kontrollieren zu lassen, auch wenn dies nicht immer ganz so einfach ist. (Weitere Tipps zum achtsamen leben und reisen findest du hier.) Ich hoffe sehr, dass ich dir ein stückweit helfen oder dir einen Anreiz geben konnte, dich mit deinen Ängsten auseinanderzusetzen- denn frei von Angst ist mit Sicherheit niemand auf dieser Welt, doch du kannst dir über sie bewusst werden, sie entkräftigen und dich somit immer mehr von ihnen befreien.

 

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