24 Jul, 2018

Sich von den Füßen leiten lassen: Warum du Städte zu Fuß erkunden solltest

24 Jul, 2018

Wenn ihr den Blog bereits ein wenig kennt, wisst ihr es ganz bestimmt: Ich liebe es, ganz individuell unterwegs zu sein und die Welt auf eigene Faust zu erkunden- wenn möglich, fernab von ausgetretenen Pfaden und so nah am Leben der Locals wie möglich oder inmitten der Natur. Meine liebe Bloggerkollegin Marcella, die auf ihrem Blog get on your way, vom nachhaltigen und achtsamen Reisen, insbesondere mit dem Zug, dem Radel oder zu Fuß, erzählt, teilt heute ihre Erfahrungen und wertvollsten Tipps zum Thema Städtetrips mit uns und warum du Städte zu Fuß erkunden solltest. Sie spricht mir mit ihren Worten absolut aus der Seele, wenn es darum geht, gemütlich durch eine Stadt zu schlendern, die ganzen kleinen Details achtsam und bewusst wahrzunehmen und wirklich in das Leben der Einheimischen einzutauchen. Weitere Tipps zum bewussten und individuellen Reisen findest du hier in meinem letzten Blogpost. Und nun viel Spaß beim Lesen und der Umsetzung bei deinem nächsten Städtetrip!

 

Sich von den Füßen leiten lassen: Warum du Städte zu Fuß erkunden solltest

Warum ich Städte am liebsten zu Fuß erkunde

Durch die Straßen des Prager Stadtteils Žižkovschallt Musik. Ich horche auf und folge den fröhlichen Klängen von Schlagzeug, Tuba und Klarinette. Als ich um die nächste Ecke biege, schaue ich auf einen bunten, lebendigen Platz: Kleine Verkaufsstände, eine große Wiese, viele Menschen und eine kleine Band, die mich mit ihrer Musik hierher gelockt hat. Einige Leute sitzen auf der Wiese und unterhalten sich, andere lauschen den Klängen der Musiker und tanzen. Auch ich stelle mich dazu und wippe zur Musik. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Musik macht gute Laune. Ich genieße diesen Moment gemeinsam mit den BewohnerInnen des Stadtteils, die sich hier zu dem kleinen Fest treffen.

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Marcella bei einem Stadtteilfest in Prag. Foto: Marcella, get on your way

Unter anderem wegen solcher Momente liebe ich es, Städte zu Fuß zu erkunden. Es ist die intensivste Art, eine Stadt kennen zu lernen, hinter die Kulissen zu schauen, mit Menschen in Kontakt zu kommen und das „echte Leben“ zu spüren.

Hier zeige ich euch noch ein paar Gründe, warum ich Städte am liebsten zu Fuß erkunde und möchte euch dazu inspirieren, selber auf Entdeckungstour zu gehen und Spannendes zu erleben!

 

Warum es sich lohnt, Städte zu Fuß zu erkunden

Du entdeckst die kleinen Details

Wer sich langsam fortbewegt, sieht mehr. Gerade in großen Städten fließen so viele Eindrücke auf uns ein, dass kleine Details dabei schon mal untergehen. Im Sightseeing-Bus oder in der Bahn kratzt du nur an der Oberfläche, siehst die Hauptstraßen- und Sehenswürdigkeiten. Die kleinen Dinge entdeckst du erst, wenn du zu Fuß gehst – und hast dann auch Zeit, stehen zu bleiben, genauer hinzuschauen und Fotos zu machen.

Während meiner Zug- und Busreise durch Osteuropa habe ich in Budapest zum Beispiel viele tolle Streetart-Motive entdeckt. Eines war ganz versteckt in einer Fußgängerpassage – eine beeindruckende Zeichnung von einem Mädchen mit buntem Kopftuch. Etwas verdeckt und erst auf den zweiten Blick war der Schriftzug darunter erkennbar: „One family torn apart by war is one too many“ – ein Statement gegen den Krieg und für die Solidarität mit geflüchteten Menschen. Überhaupt lohnt es sich meistens, Streetart-Motive eine Zeit lang genauer anzusehen und die Bedeutung dahinter zu verstehen.

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Street Art beim Schlendern durch Budapest entdecken. Foto: Marcella, get on your way

Ich finde es auch interessant, mir die Sticker auf Laternenpfählen, gesprayte Sprüche, Wandzeichnungen und die Poster in einer Stadt anzusehen. Im Prager Stadtteil Žižkovzum Beispiel klebten viele Sticker mit feministischen und anti-rassistischen Inhalten, über die ich mich jedes mal gefreut habe.

 

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Beim Städtetrip vor allem auf die kleinen Details achten- es lohnt sich! Foto: Marcella, get on your way

 

Du kannst dich treiben lassen und deine eigenen Wege gehen

Wenn du zu Fuß durch eine Stadt gehst, kannst du dich wunderbar treiben lassen. Dahin gehen, wo es interessant aussieht und dahin, wo vielleicht sonst gerade niemand hingeht. In den kleineren, abgelegeneren Straßen und Gassen einer Stadt siehst du vielleicht nicht mehr nur die prunkvollen, imposanten Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Dafür schaust du hinter die Kulissen und lernst das „echte Leben“ der Stadt kennen – Plätze, an denen sich Menschen treffen, Cafés und Restaurants, in denen nicht nur TouristInnen zu überteuerten Preisen essen, sondern wo BewohnerInnen der Stadt sich unterhalten und austauschen. Häufig lernst du so auch ruhigere Ecken kennen, wo du auch mal ganz alleine durch eine Straße laufen kannst. Du hast Raum für dich und kannst in deinem eigenen Tempo alles erkunden.

Als ich in Dubrovnik war, wollte ich unbedingt auf den 412 Meter hohen Hausberg Srd hinauf. Es gab zwei Möglichkeiten: zu Fuß gehen oder mit der Seilbahn hinauffahren. Ich bin zu Fuß gegangen und konnte den ganzen Weg über den wunderschönen Ausblick auf die Altstadt und das Meer in Ruhe genießen, denn die meisten anderen TouristInnen sind mit der Seilbahn gefahren. Oben angekommen herrschte dann großer Trubel und ich war froh, dass es auf dem Weg schon so viele einsame Momente gab.

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Den Hausberg Srd in Dubrovnik statt mit der Seilbahn zu Fuß erklimmen. Da lohnt sich die Aussicht doppelt! Foto: Marcella, get on your way

 

Du bewegst dich, es kostet nichts und es ist gut für die Umwelt

Wenn du den ganzen Tag durch eine Stadt läufst, dann siehst du nicht nur viel, sondern bist am Ende auch so einige Kilometer gelaufen. Bei meinen Städtereisen laufe ich vermutlich täglich mindestens zehn, manchmal sogar 15 Kilometer oder mehr. Meistens nehme ich dabei auch ein paar Höhenmeter mit, weil ich auf der Suche nach schönen Ausblicken über die Stadt den einen oder anderen Berg oder Hügel erklimme. Umso schöner ist es dann für mich, abends in einem veganen Restaurant das Essen zu genießen.

Besonders schön finde ich auch, dass es nichts kostet, eine Stadt zu Fuß zu erkunden. Städtetouren mit Bussen, Bahnen, Kutschen oder Rikschas sind meistens überteuert und am Ende hat man weniger gesehen und erlebt. In den meisten Städten sind die Straßen außerdem ohnehin schon mit zu vielen Autos und Bussen überfüllt und sie kämpfen mit zu hohen Abgas- und Feinstaubwerten. Wenn du zu Fuß unterwegs bist, tust du also nicht nur dir selber, sondern auch der Umwelt etwas Gutes.

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Marcella beim Schlendern durch Dubrovnik. Foto: Marcella, get on your way

 

Noch ein Tipp zum Schluss: Wenn du eine Stadt zu Fuß erkunden und gleichzeitig Informationen über den Ort erhalten möchtest, kannst du dich einer „Free Walking Tour“ anschließen. Diese Touren gibt es in vielen europäischen Städten. Gegen eine Spende kannst du dabei mit Einheimischen durch die Stadt laufen und dir besondere Orte zeigen lassen. Im Angebot sind auch alternative Stadttouren zu Streetart-Motiven und alternativen Cafés und Bars. Mehr Infos gibt es hier.

 

Über Marcella

städte-zu-fuß-erkunden-marcella-get-on-your-wayMit ihrem Blog get on your way möchte Marcella Menschen inspirieren, ihren eigenen Weg zu einem nachhaltigen und achtsamen Leben zu finden – im Alltag und auf Reisen. Die Reiseberichte drehen sich um Naturerlebnis, Wandern, Kanufahren, Radfahren und auch um Städtetrips. Sie sollen zeigen, wie spannend und vielfältig es ist, klimaschonend mit dem Zug durch Europa zu reisen.
Neben dem Reisen geht es auch um andere gesellschaftliche Themen wie Feminismus, Minimalismus und veganes Leben.

Viele Inspirationen erhält Marcella durch ihre Arbeit als Redakteurin beim Reise- und Umweltmagazin Anderswo.

 

 

 

Vielen Dank für den tollen Blogpost, liebe Marcella! ♥︎ 

 

3 Comments:

  • Laura von Mind Set Travel Juli 25, 2018

    So ein schöner Beitrag! Gerade die Aussicht aufDubrovnik spricht doch absolut fürs Gehen! Ich kombiniere meine Zu-Fuß-Touren trotzdem immer mit einem Tagesticket für die Öffis. Damit kann ich mich auch in den weniger überlaufenen und dafür interessanten Außenbezirken so richtig schön verLAUFEN.

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    • Denise Juli 25, 2018

      Liebe Laura 🙂 Da gebe ich dir recht, manchmal lohnt es sich auch, die Gegend mit den Öffentlichen zu erkunden- in einigen Städten ist es sogar ein ziemlich cooles Erlebnis bei den schönen alten Bahnen 🙂 Und das verlaufen finde ich auch immer wichtig 😉

      Reply

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