03 Aug, 2016

Slowenien: Von der Liebe zur Natur

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03 Aug, 2016

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Ich möchte euch gern in diesem Artikel von meiner Reise nach Slowenien erzählen. Es ist kein typischer Reiseführer mit Tipps zu irgendwelchen Hot-Spots. Kein Where-to-go, what-to-see. Ich möchte meine Erlebnisse mit euch teilen, möchte euch teilhaben lassen an den Erfahrungen, die ich der Umgebung, der Natur, in der ich war und den Menschen, die mich umgeben haben, zu verdanken habe. Und warum es sich lohnt, sich einfach mal auf eine Reise an einen Ort zu begeben, an dem man komplett abgeschottet ist vom Rest der Welt- ohne Internet, ohne Fernsehen, ohne das Ganze Drum und Dran, was uns sonst so lebenswichtig erscheint. Es ist ein relativ langer Post, doch ich hoffe, dass er dich inspiriert. Viel Spaß dabei 😉

 

Weitere Eindrücke meiner Reise nach Slowenien kannst du weiter unten im Video “Slovenia // Love For Nature” oder in diesem Fotopost zu Slowenien bekommen!

 

Der Road Trip

Gestartet sind wir- 3 meiner engsten Freunde und ich- in unserer Heimat Düsseldorf, um 2 weitere Freunde weiter südlich im kleinen Aschaffenburg einzusammeln. Unsere erste Nacht verbrachten wir also dort, nicht ohne aber vorher im Dreimädelshaus einzukehren und unser erstes gemeinsames Urlaubsbierchen (welches wohlgemerkt das gute Schlappeseppel war) zu trinken. Von dort (nicht von der Kneipe aus) starteten wir am nächsten Morgen Richtung Bayern, wo unser erster offizieller Halt sein sollte: Am Königssee in Berchtesgaden.

Da ich bis dato nicht viel im Süden Deutschlands herumgekommen bin, haute mich die schöne, bergige Landschaft total um. In dieser Nacht zelteten wir dort, inmitten von Bergen, eine kurze Strecke vom Königssee entfernt. Am nächsten Morgen machten wir uns mit unserem selbst mitgebrachten Müsli und Früchten beim nächsten McDonald’s breit, damit der ein oder andere sich zusätzlich einen Kaffee (oder einen kleinen Frühstücksburger) gönnen konnte.

Auf machten wir uns also dann Richtung Slowenien. Und einige Autostunden, imponierende Aussichten aus dem Autofenster und einigem Rumgurken in kleinen Dörfern und prächtig grüner Natur später, fanden wir dann auch unser kleines Häuschen.

 

Das Haus am See

An dieser Stelle möchte ich einmal erwähnen, dass wir unser kleines Haus am See, inmitten der gewaltigen Bergen des Triglav Nationalparks via Airbnb gefunden haben. Airbnb ist echt eine saugeile Plattform, bei der du private Unterkünfte zu echt guten Preisen finden kannst. Der Vorteil: Du hast dein eigenes Reich mit Küche und allem Drum und Dran, du erfährst wirklich wie es ist an einem Ort zu wohnen, statt nur als Tourist vor Ort zu sein. (Hier könnt ihr euch einen super Rabatt sichern, solltet ihr mit Airbnb eure nächste Unterkunft buchen!)

Die Unterkunft, die wir ausgewählt hatten, war ein kleines Häuschen ganz im slowenischen Stil, unglaublich urig und zugleich wahnsinnig süß. Rundherum waren wir umgeben von Bergen, von Grün, und von einigen Kühen. Eines der schönsten Dinge an unserem Haus: Es gab kein WLAN! Anfänglich war es ein etwas komisches Gefühl so ganz ohne Internet und doch gewöhnten wir uns echt schnell dran und ließen kurze Zeit später unsere Handies größtenteils in unserer Unterkunft, in Nachttischschubladen augenscheinlich verschwunden.

An diesem ersten Tag machten wir uns sofort nachdem wir uns eingerichtet und alles in unserer Unterkunft bestaunt hatten, auf den Weg zum See, der nur ein paar Gehminuten von unserem Haus entfernt war. Und ich sage euch: Nach monatelangem Arbeiten und Alltagsstress ist der Anblick eines fast glasklaren Sees, in dem sich die Berge zu allen Seiten spiegeln, bei der urigen Stille, die ein solcher See verbreitet, da fällt einem die ganze Alltagsschwere in Null Komma nichts von den Schultern. Noch am selben Tag nahmen wir uns eines der Kanus, die unsere Vermieterin uns zur Verfügung gestellt hatte, um ein wenig auf dem See zu paddeln.

 

Über Slowenien

An dieser Stelle möchte ich gern kurz einhaken und euch etwas über Slowenien selbst erzählen. Mit etwas mehr als 20.000 Quadratkilometern und einer Bevölkerung von etwa 2 Millionen Einwohnern, stellt das Ex-jugoslawische Land von der Größe her etwa ein Zwanzigstel Deutschlands dar. Mehr als ein Drittel Sloweniens steht unter Naturschutz- zum Glück! Denn Slowenien ist ein absolutes Paradies für Naturliebhaber und Outdoor-Enthusiasten. Was sportliche Outdoor-Aktivitäten anbelangt, hat Slowenien so ziemlich alles zu bieten, was man sich nur vorstellen kann. Wandern, Rafting, Skifahren und Snowboarden, Klettern, Kanu fahren, biken, paragliden, schwimmen, angeln.. hier ist echt alles möglich!

Was die Menschen anbelangt: Wir sind auf unserer Reise (die leider viel zu kurz war) wirklich ausschließlich auf offene Arme, auf Herzlichkeit und Wärme gestoßen. Man wollte uns nie etwas andrehen oder uns in irgend einer Art und Weise abzocken, die Menschen freuten sich allesamt uns zu sehen, mit uns zu sprechen (und ja, in Slowenien wird Englisch und mitunter auch sehr viel Deutsch gesprochen, da die Slowenen diese Sprachen schon früh in der Schule lernen, wobei es natürlich immer angebracht ist, einige Redewendungen in der Landessprache zu kennen) und uns von ihrem Land, ihrem Essen und ihren Bräuchen zu erzählen.

Zum Reisen in Slowenien: Die Infrastruktur in Slowenien ist super, das Bus- und Bahnnetz ist gut ausgebaut und das Reisen allgemein haben wir als sehr sicher empfunden. Die Lebensunterhaltungskosten sind relativ gering, Unterkünfte sind günstig und allgemein ist dort alles wirklich bezahlbar. (Und die Hauptstadt Ljubljana hat auch was zu bieten!) Ein optimales Reiseland also!

 

Into The Wild

Wie unsere Woche also so aussah:
Wir sind jeden Morgen zu einer relativ humanen Zeit aufgestanden, haben das ein oder andere Mal gemeinsam Yoga gemacht und meditiert, sind kurz in den eiskalten (8 Grad!) Fluss gesprungen und haben gemütlich zusammen Frühstück gemacht und in aller Ruhe ausgiebig gefrühstückt. Nach einem kurzen Fresskoma ging’s dann zum See, zum Wandern, zum Kayak/Kanu fahren oder Fliegenfischen (Ja, ich war Fliegenfischen 😉 ). Wenn wir abends wieder in unser Häuschen eingekehrt sind, ruhte man sich vielleicht mal eine Runde aus, las ein Buch oder machte sich direkt ans Abendessen kochen. Bis spät wurde dann geredet, Musik gemacht, Gitarre gespielt und gesungen oder Karten gespielt. Ein Träumchen.

 

On Top Of the World- Mein Highlight des Trips

An einem der Tage wollten die Jungs auf eine ewig lange Wanderung losziehen. Mir war klar, dass diese Wanderung für mich und vor allem meine Lunge (wie der ein oder andere sicherlich weiß, habe ich eine chronische Erkrankung, die sich Mukoviszidose nennt- mehr zum Thema hier) viel zu heftig sein würde. Deshalb entschloss ich, am Nachmittag aus der entgegengesetzten Richtung loszuwandern und die Jungs an einem in den Bergen gelegenen See auf dem Rückweg ihrer Rundwanderung zu treffen, von wo aus wir gemeinsam wieder zurück zum Haus wandern würden. Was ich nicht wusste war, dass dieser See, der unser Treffpunkt sein sollte auf 1400 Metern Höhe lag- unser Haus lag auf etwa 500 Höhenmetern.

Ahnungslos tappte ich also los, Musik auf den Ohren, mit meinen- wie sich herausstellte- nicht genügend eingelaufenen Wanderschuhen. Der Bus, der mich wenigstens eine Stunde Bergauflaufen gespart hätte, in dem er mich zum Slap Slavica Wasserfall hochgebracht hätte, kam nicht, da ich mich bezüglich der Zeiten verlesen hatte (ich hatte mein Gehirn scheinbar in Deutschland liegen gelassen). Ich wanderte also los und bemerkte nach kürzester Zeit, dass meine Schuhe mich gegebenenfalls dazu bringen würden, umdrehen zu müssen. Nichtsdestotrotz lief ich weiter und bemerkte dann alsbald, dass es ja doch ganz schön bergauf ging. Noch eine Weile später ging es dann so steil bergauf, dass ich teilweise wirklich kraxeln und mich an Stellen an Felswänden langhangeln musste. Wie gesagt, ich wusste ja nicht im Voraus wieviele Höhenmeter ich in welcher Zeit zurücklegen würde.

Es ging immer weiter nach oben und es schien einfach kein Ende zu nehmen. Immer wieder wirkte der Gipfel des Berges zum Greifen nahe und doch kam ich gefühlt nie an. Langsam machte ich mir echt Sorgen, da ich konditionsmäßig und lungentechnisch eigentlich nicht dieser Herausforderung gewachsen war. Wenn ich mir nicht in den Kopf gesetzt hätte, dass ich es schaffe, hätte ich womöglich schon früh kehrt gemacht. Doch irgendwann gab es für mich einfach kein Zurück mehr.

Als ich realisierte, dass ich endlich oben angelangt war- etwa 3 Stunden nachdem ich losgelaufen war- und die Lichtung des Waldgebietes erblickte, das zum See führen sollte, fiel mir ein Riesenstein vom Herzen. Ich bemerkte erst dann, wie schnell mein Herz schlug und wie konzentriert ich die ganze Zeit gewesen war, nicht herunterzufallen. Ein Blick zur Seite bereitete mir dann eine solch unglaublich schöne Aussicht, dass ich mich innerlich schon ein wenig feierte.

Nach dem Durchqueren dieses Waldstückes, kam ich endlich an. Der erste Anblick des Sees hoch da oben in den Bergen, war für mich der Tropfen, der dann das Fass zum Überlaufen brachte. Die Sonne stand schon tief und schimmerte gerade noch über die Gipfel der Berge auf den See vor mir. In diesem Moment fiel alles von mir ab und ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Die unglaublich Anstrengung der letzten Stunden, die Angst, die ich gehabt hatte- alles fiel in diesem einen Moment von mir ab, während ich einfach nur unendlich glücklich war, diesen See in all seiner Schönheit betrachten zu dürfen. Daraufhin in diesen glasklaren, kühlen See zu springen, war dann noch das absolute I-Tüpfelchen der ganzen Erfahrung.

 

Von der puren Glückseligkeit

Es gab an meinem letzten Tag einen ähnlichen von Glück erfüllten Moment, bei dem ich (weitaus weniger drastisch) einfach nur im Gras gelegen habe, nachdem wir Kayak fahren gewesen sind. Den Blick gen Himmel gerichtet, konnte ich mich nicht an das letzte Mal erinnern, an dem ich so glücklich war wie in jenem Moment. Mein Körper war völlig erschöpft und wund, meine Füße komplett aufgescheuert, aber mein Herz, mein Kopf und meine Seele waren aufeinmal alle im Einklang miteinander. Ich spürte die warme Sonne auf meiner Haut, das Gras unter meinen Füßen und Armen, hörte die Vögel zwitschern, das Rauschen des Flusses neben mir und die entfernten Stimmen meiner Freunde.

In diesem Moment dachte ich mir nur: „Genau dieser Moment, das ist echtes Glück.”

 

 

 

 

Hattest du schon mal ähnliche Erfahrungen in der Natur? Warst du schon mal in Slowenien? Wäre eine solche Reise vielleicht auch etwas für dich? Rein damit in die Kommentare! 🙂

 

 

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